Abstillen

Abstillen – so geht’s

Nach einigen Monaten des Stillens kommt die Zeit, in der man merkt: langsam reicht’s. Um dem Baby den Abschied von der mütterlichen Brust möglichst leicht zu machen, sind beim Abstillen kleine Schritte nötig. urbia verrät, wie du dein Baby sanft entwöhnst.

Ideal für das  Abstillen ist es, wenn Mutter und Kind sich einig sind. Manchmal fühlen einfach beide gleichzeitig, dass es jetzt genug ist. Das Kind stillt sich nach und nach selbst ab, indem es das Interesse an der Brust verliert. Und die Mutter ihrerseits bietet die Brust nicht mehr an, sondern wartet ab, ob das Kind sich meldet und trinken möchte. Diese Form des Abstillens ist naturgemäß die harmonischste für beide Seiten. Doch wenn man bereit ist zu warten, bis sich das Kind selbst abstillt, muss man damit rechnen, dass die Stillzeit recht lange dauern kann.

Wann sollte man abstillen?

In welchem Alter die Entwöhnung des Kindes erfolgen sollte, ist nicht vorgegeben. Die Nationale Stillkommission der Bundesregierung empfiehlt, das Baby im ersten halben Jahr ausschließlich zu stillen. Wie lange darüber hinaus noch gestillt wird, unterliegt allein der Entscheidung der Mutter. Schließlich kann sie am besten beurteilen, wann ihr Kind bereit ist, eine andere Nahrungsquelle als die mütterliche Brust zu akzeptieren oder wann es andere Beikost braucht. Einige Mütter entscheiden sich auch für das  Langzeitstillen und geben ihrem Kind selbst mit einem Jahr und noch länger die Brust. Auch wenn das hierzulande oft auf Unverständnis stößt, sehen die Mütter in dem langen Stillen einfach einen natürlichen Prozess.

Expertenvideo mit Jan-Uwe Rogge zur Fragen: Wie kann ich am besten abstillen?

Die Mutter möchte abstillen

Häufig ist es so, dass die Mutter irgendwann von sich aus beschließt, dass es Zeit zum Abstillen ist. Jetzt ist es wichtig, den großen Schritt der Trennung von der mütterlichen Brust für das Kind möglichst sanft zu gestalten. Entscheidend ist jedoch, dass man diesen Entschluss nicht abrupt in die Tat umsetzt, sondern jeweils in kleinen Schritten vorgeht, zwischen denen mindestens eine Woche liegt. Man ersetzt also zunächst eine Brustmahlzeit (nicht die abendliche, die für das Kind als Ausklang für den Tag noch besonders wichtig ist) durch eine Flaschenfütterung oder – je nach Alter des Kindes – durch eine  Breimahlzeit und wartet mindestens eine Woche, bevor man eine weitere Mahlzeit ersetzt. So kann sich auch die Brust am besten an die gesunkene Nachfrage gewöhnen. Weitere Methoden, um das Abstillen für das Kind so sanft wie möglich zu gestalten, können sein:

  • Die Stilldauer reduzieren: Statt das Kind so lange trinken zu lassen, bis es satt ist, bittest du es, die Brust nach einer bestimmten Zeit loszulassen. Ist dein Kind schon bereit für feste Nahrung, ergänzt di die Mahlzeit um einen gesunden Snack oder einen Tee.
  • Nur noch zu bestimmten Zeiten und unter bestimmten Umständen stillen, z. B. nur noch zu Hause und wenn niemand dabei ist.
  • Wenn du eine feste Routine für das Stillen hattest, verändere deine Tagesroutine beim Abstillen. Verbringe mehr Zeit draußen, wenn du dein Kind hauptsächlich zu Hause gestillt hast und umgekehrt. Meide deine typischen „Stillplätze”, wenn du solche hattest, um dein Kind nicht in Versuchung zu führen. Auch hochgeschlossene Kleidung kann hilfreich sein.
  • Beziehe den Vater in die Morgen- und Abendroutine ein, um das morgendliche und abendliche Stillen einzustellen.

Wie lange der Abgewöhnungsprozess dauert, ist individuell verschieden. Manche Kinder brauchen nur einige Wochen, um sich an die neue Situation zu gewöhnen, andere bis zu sechs Monate. In solchen Fällen haben viele Mütter gute Erfahrungen damit gemacht, über einen längeren Zeitraum hinweg eine Stillmahlzeit täglich beizubehalten – zum Beispiel als letzte Mahlzeit abends vor dem Schlafengehen. Falls gar nicht mehr gestillt wird, sollte das Kleinkind jedoch bis zum dritten Lebensjahr noch Gelegenheit zum Saugen haben (Flasche, Trinklerntasse, Daumen oder Schnuller).

Das Abstillen für die Brust

Nicht nur für das Kind, auch für die Mutter kann das Abstillen ein schwieriger Prozess sein. Vollzieht man den Wechsel langsam, geht die Milchproduktion von allein zurück und die überschüssige Milch wird vom Körper resorbiert. Wird hingegen plötzlich nicht mehr gestillt, zum Beispiel weil die Mutter verhindert ist, kann es beim Abstillen zu einem  Milchstau oder gar zu  Brustentzündungen kommen. Um die Milchbildung zu kontrollieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Trage einen eng sitzenden BH oder wickel dir ein Tuch um die Brust, um die Durchblutung und somit auch die Milchbildung einzuschränken.
  • Kühle deine Brust mit Kühlkompressen. Das schränkt nicht nur die Durchblutung ein, sondern beugt auch Brustentzündungen vor
  • Salbeitee hilft mit, die Milchproduktion allmählich zu senken.
  • Sollte es beim Abstillen doch zu einem Milchstau kommen, erkennbar an verhärteten Stellen in der Brust, helfen Massagen. Ist der Druck zu groß, kann eine kleine Menge abgepumpt werden. Allerdings nicht zu viel, da dies die Neuproduktion der Milch wieder anregen würde.

Von Medikamenten, die die Milchbildung drosseln, ist eher abzuraten. Diese stehen in der Kritik, Kreislaufbeschwerden zu verursachen. Wie für das Kind auch ist es für die Mutter am besten, das Abstillen langsam und schrittweise angehen zu lassen.

Das Kind verliert das Interesse an der Brust

Manchmal hört ein Kind nach einigen Monaten innerhalb ziemlich kurzer Zeit auf, Interesse an der Brust zu bekunden. Ursache kann zunächst einfach sein, dass das Baby nach einem Entwicklungsschub alles, was in seiner Umgebung passiert, interessanter findet als die mütterliche Brust. In diesem Fall ist es sinnvoll, in einer möglichst reizarmen Umgebung zu stillen und dem Baby während der Mahlzeit viel Zeit zu lassen. Frühestens ab dem Alter von vier bis fünf Monaten kann es auch sein, dass sich das Baby nun sehr für den Löffel und das  Essen mit diesem Hilfsmittel interessiert. Möglicherweise ist dann die Zeit gekommen, die erste Breimahlzeit einzuführen. Manche Kinder wollen irgendwann von sich aus überhaupt nicht mehr an die Brust. Auch wenn es ein bisschen weh tut: Akzeptiere den Wunsch deines Kindes und biete die Brust nicht gegen dessen Willen immer und immer wieder an.

Lass ruhig bei dir selbst Tränen zu, wenn du dir eigentlich eine längere Stillzeit gewünscht hattest. Gib dem Kind weiterhin die Aufmerksamkeit und körperliche Nähe - singe und kuschel zum Beispiel mit ihm – die es während des Stillens erlebt hat. So erhältst du die Nähe aufrecht, die durch das Abstillen ein Stück weit verloren geht.

Wenn das Kind aber eigentlich altersmäßig noch nicht abstillreif ist (mit ca. vier Monaten), wende dich an eine Stillberaterin, um zu ergründen, warum das Baby momentan im „Stillstreik“ ist.

 


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