Weniger ist manchmal besser

10 Dinge, die Kinder nicht brauchen

Die Liebe zu unseren Kindern ist so mächtig, dass wir alles für sie tun möchten. Und da heute fast alles möglich scheint, glauben wir, unseren Kindern auch sehr viel bieten zu müssen. Aber manches brauchen Kinder einfach nicht. Vor allem diese 10 Dinge.

Autor: Petra Fleckenstein
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1. Ein eigenes Zimmer (von Anfang an)

Natürlich macht es Spaß, während der Schwangerschaft das erste Babybettchen auszusuchen, den Wickeltisch zu gestalten und die Wände des Kinderzimmers mit Sternchen- und Schäfchen-Wandtattoos zu verzieren. Wer also den Platz dafür hat, kann seine Vorfreude auf das Baby in die liebevolle Einrichtung eines Kinderzimmers münden lassen. Kann wohlgemerkt, denn von Müssen kann nicht die Rede sein. Was das Baby in den ersten Monaten nicht braucht, ist ein eigenes Zimmer. Was es dagegen unbedingt und fast rund um die Uhr braucht, ist die Nähe von Mama und/oder Papa. Auch später genügen Kindern eigene Ecken im gemeinsamen Kinderzimmer oder etwa Wohnzimmer der Eltern. Erst, wenn es auf die Pubertät zugeht, wird das eigene „Reich" wichtiger.

2. Belohnung für Entwicklungsschritte

Bei Kindern geht die Entwicklung so rasant, dass sie fast schon täglich neue Fähigkeiten erlangen. Die Motivation dazu bringen sie einfach mit und ihr Lohn für das Erreichen neuer Entwicklungsschritte ist ganz einfach ihre unbändige Freude. Wer käme also auf die Idee, seinem Kind fürs Robben, Krabbeln, Mama sagen oder mit dem Löffel essen eine Belohnung zu versprechen? Sicher niemand, und das ist auch völlig überflüssig. Ebenso wenig benötigen Kinder Geschenke, wenn ihnen ein Zahn ausfällt oder sie den Schnuller abgeben. Zwar sind Zahn- oder Schnuller-Fee sehr in Mode gekommen, doch wirklich gebraucht werden sie nicht. Denn der Stolz, den Kinder empfinden, wenn sie größer werden und es auch schaffen, auf so etwas wie den Schnuller zu verzichten, ist für Kinder Belohnung genug. Nicht von äußeren Belohnungen abhängig zu sein, sondern den Lohn in einem guten Gefühl bei sich selbst zu finden, stärkt sie außerdem fürs ganze Leben.

3. Acht Hobbys gleichzeitig

Schwimmen, Tanzen, Reiten, Aikido, Klavier, Fußball, Hockey - gerade für Großstadteltern ist es schwer: So viele Möglichkeiten, tausend Kurse und Vereine, in die man Kinder in ihrer Freizeit schicken könnte. Immer die Angst im Rücken, etwas zu verpassen und zu viele Fähigkeiten beim Kind brach liegen zu lassen. Die Kehrseite jedoch ist ein vollkommen durchgetaktetes Familienleben und ein Kind mit einem Terminkalender wie ein Manager. Erste Faustregel: Nicht für alles, was einem Kind Spaß macht, muss auch gleich ein Kurs besucht werden. Faustregel zwei: Zwei Hobbys gleichzeitig genügen vollkommen. Und da Kinder ohnehin vieles einfach ausprobieren und dann wieder verwerfen, bleibt in den Kindheitsjahren noch genug Zeit, um auch weitere Hobbys zu verfolgen.

4. Einen Berg Spielsachen

Los geht es schon vor der Geburt: Verwandte schenken erste Stofftiere und Rasseln, dann kommen bald Baby-Trainer dazu, Bauklötze, Lego, erste Eisenbahn, Kleinkindküchen, Bobbycar - und schon nach einem Jahr sitzen Kinder inmitten eines ganzen Bergs von Spielsachen. Gut gemeint und verständlich, denn es gibt ja auch so viel Schönes. Trotzdem brauchen unsere Kinder das alles nicht. Denn was sie immer bei sich haben, ist ihre Fantasie. Und die wird geradezu freigelassen und blüht besonders dort, wo Kinder kein vorgefertigtes Spielzeug zur Verfügung haben. Kindergärten haben tolle Erfahrungen mit „spielzeugfreier Zeit" gemacht. Denn wer wüsste nicht noch aus der eigenen Kindheit, wie schön es ist, auf Bäume zu klettern und wie viele Möglichkeiten allein ein Holzstock bietet: Als Zauberstab, Laserschwert, Angel, Mikrofon, Zaun, Metermaß und vielem mehr!

5. Coole Fernreisen

Ob Honduras oder Holland, deinem Kind ist das ganz egal. Hauptsache viel draußen sein, im Sand buddeln und im Wasser planschen. Und Eltern dabei haben, die gut gelaunt mit ihm zusammen entspannte Zeit verbringen. Wenn es dir also nicht nur darum geht, im Freundeskreis mit möglichst coolen Reisen zu punkten, brauchst du keinen 12-Stunden-Flug oder zweitägige Autofahrten, um mit deinem Kind einen wunderbaren Urlaub zu verbringen. Statt whale watching tut es für Dein Kind auch das Wildschwein im Waldgehege oder die Eule in der Greifvogelschutzstation.

6. Nagelneue Markenkleider

Zum Beispiel die Qualität - wir Eltern können natürlich gute Gründe dafür haben, unsere Kinder stets in Markenkleidung zu hüllen. Falls uns das finanziell nicht weh tut, spricht ja auch kaum etwas dagegen. Doch unsere Kinder brauchen weder nagelneue, noch mit einem coolen Label versehene Strampler, Hosen und Kleidchen. Was Kinder brauchen, ist zweckmäßige Kleidung, die sie vor Kälte oder Sonne schützt, nicht zu empfindlich ist und ihre Bewegungsfreude nicht hemmt. Und die darf ruhig gebraucht sein, denn darüber freut sich auch unsere Umwelt. Und später, wenn Kinder sich mit anderen vergleichen und Markenkleidung in der Schule einen besonderen Stellenwert erhält? Dann ist es das größte Geschenk, das Eltern ihren Kindern machen können, ihren Wert nicht aus Dingen zu ziehen, die man kaufen kann. Das heißt nicht, dass wir den Wunsch unseres Kindes nicht hie und da erfüllen dürften.

7. Ständig Programm

Wenn es uns heute an etwas überhaupt nicht fehlt, dann sind das die Möglichkeiten, uns auf vielerlei Weise zu zerstreuen. Rund um die Uhr könnten unsere Kinder fernsehen, mit Spiele-Apps spielen oder Kinder-Kurse besuchen. Oder mit uns Eltern ins Spieleland, den Zoo oder zur Museumsführung für Kinder gehen. Was dabei zu kurz kommt, ist einfach mal Ruhe und freie Zeit, in der unsere Kinder einfach so vor sich hindösen und sich irgendwann so langweilen, dass ihnen selbst wunderbare Ideen für Beschäftigungen und Spiele kommen. Diese aus der Langeweile geborene Kreativität gilt unter Fachleuten als enorm wichtig für Kinder (und Erwachsene). Kluge Eltern verfallen daher nicht gleich in den Bespaßungs-Modus, wenn sie den gefürchteten „Mir ist so langweilig-Satz" hören. Im Gegenteil, sie freuen sich über diese „wichtige Windstille der Seele", wie Nietzsche über die Langeweile in seiner „Fröhlichen Wissenschaft" schrieb.

8. Englisch in der Kita

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? Mag auch viel Wahres in diesem Sprichwort liegen und uns Eltern die Angst umtreiben, gerade das eigene Kind könne in unserer globalisierten Leistungs- und Konkurrenz-Welt den Anschluss nicht finden: Manche Bemühungen, kindliche Zeitfenster zu nutzen, schießen einfach über das Ziel hinaus. Die paar Vokabeln, die Kinder behalten, wenn sie ein paar Stunden pro Woche in der Kita auf Englisch singen oder Dinge benennen, lernen sie in späteren Jahren in kürzester Zeit. Was Kinder in der Kita aber wirklich brauchen, ist zunächst einmal die Förderung und Vertiefung der deutschen Sprache, vielfältige Angebote zur Bewegung und zur Schulung ihrer Sinne und zur Förderung und Einübung des Miteinanders. Wer darüber hinaus seinem Kind früh und dauerhaft eine zweite Sprache bieten will, meldet es am besten gleich in einem zweisprachigen Kindergarten an.

9. Das neuste Smartphone

Das Smartphone als Alleskönner und ständiger Begleiter ist auch für Eltern nicht mehr wegzudenken. Völlig klar, dass die Dinger auch schon früh eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf unsere Kinder entfalten. Beim Übergang in die weiterführende Schule stellen sich viele Eltern die Frage, ob ihr Kind jetzt ein Smartphone braucht. Medienpädagogen empfehlen aber, mindestens bis zum 11. oder 12. Lebensjahr des Kindes damit zu warten. Und wenn es so weit ist, muss es keineswegs das neueste Modell sein. Denn erstens ist die Belastung für Kinder zu hoch, auf das teure Gerät so gut aufzupassen, dass nichts dran kommt oder es verloren geht. Und zweitens nützen die ständig neuen Modelle in erster Linie der Gewinnkurve großer Technik-Firmen und sind für Nutzer keineswegs nötig. Diese kritische Distanz zu Luxus-Gütern kannst du mit einem Kind gerade beim Thema Smartphone sehr gut einüben.

10. Fehlerfreie Eltern

Mit unseren Kindern wollen wir Eltern am liebsten alles richtig machen, und das ist auch gut so. Aber ebenso wichtig ist die Einsicht, dass es uns nicht gelingen kann. Dann müssen wir nicht in Sack und Asche gehen, aber ein schnörkelloses „ich habe mich getäuscht" oder „es war mein Fehler" sollte möglich sein, auch unseren Kindern gegenüber. Dann ist das grundmenschliche Fehlermachen nur noch halb so schlimm. Denn Kinder brauchen keine Eltern, die ununterbrochen gestresst sind, weil sie einem unerreichbaren Ideal von Perfektion anhängen. Und die dann umgekehrt auch bei ihren Kindern auf Fehler mit unangemessener Strenge reagieren. Sie brauchen Eltern zum Anfassen, die liebevoll (auch mit sich selbst) ihr Bestes versuchen, wohl wissend, dass wir alle halt auch als Mütter und Väter einfach nur Menschen sind.
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