Auf sanftem Weg zum Kind

Fruchtbarkeit natürlich unterstützen

Wenn sich die erwünschte Schwangerschaft nicht einstellt, hat nicht jede Frau den Wunsch, gleich die ganze Fruchtbarkeits-Maschinerie in einer Kinderwunschpraxis über sich ergehen zu lassen. Hier gibt es Infos über natürliche Methoden.

Autor: Gabriele Möller
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Alternative zur medizinischen Fruchtbarkeits-Maschinerie

Frau Yoga Kinderwunsch
Foto: © colourbox/ Pressmaster

Wissenschaftler schätzen, dass 15 bis 30 Prozent aller Paare in den Industrienationen mehr als ein Jahr vergeblich aufs Wunschkind warten. Ein Großteil der ungewollt kinderlosen Paare kommt früher oder später in eine Kinderwunschpraxis. Hier läuft dann eine wahre Fruchtbarkeits-Maschinerie an: Mehrfache Blutabnahmen, Spermiogramme, Hormonspritzen, Eizell-Entnahmen, künstliche Befruchtung (ICSI und IVF) oder Inseminationen können die Paarbeziehung sehr strapazieren. Und die Erfolgsquote ist trotz des großen Aufwands nicht hoch, sie liegt meist unter zehn Prozent. Manches Paar fragt sich da, ob es nicht auch einen sanfteren oder natürlicheren Weg zum Wunschkind gibt. urbia stellt drei alternative Ansätze vor: Die Fruchtbarkeitsmassage, das Hormon-Yoga und das Luna-Yoga.

Fruchtbarkeitsmassage soll den Bauch 'aufräumen'

Kate Moss, Gwyneth Paltrow und Madonna gehörten schon zu ihren Patientinnen: Die Londoner Gynäkologin Dr. Gowri Motha entwickelte seit 1992 das sog. Creative Healing des Amerikaners Joseph B. Stephenson weiter. Sie passte dessen Methode speziell an die Bedürfnisse von Frauen mit Kinderwunsch an. Hierzulande wird die Methode als Fruchtbarkeitsmassage bezeichnet. Eine groß angelegte Studie zur Wirksamkeit steht zwar aus. Motha berichtet jedoch, dass etwa 75 Prozent der Frauen, die sie selbst parallel zu einer konventionellen Kinderwunsch-Therapie behandelte, inh. eines Jahres schwanger wurden – eine etwa siebenmal so hohe Quote wie bei alleiniger schulmedizinischer Behandlung. Auch ohne Kombination mit der schulmedizinischen Behandlung erzielt sie angeblich Erfolgsquoten von zwei Dritteln und mehr – sofern es keine gravierenden Schwangerschaftshindernisse gibt (z. B. vernarbte, undurchlässige Eileiter). Die Heilpraktikerin Birgit Zart führte die Methode vor gut zehn Jahren auch in Deutschland ein.

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„Es geht für mich darum, mit der Fruchtbarkeitsmassage den Bauch einer Frau sozusagen aufzuräumen“, erläutert Judith Kulesza, Hebamme und Heilpraktikerin aus Düsseldorf. „Die Massage soll dabei zunächst vier Dinge leisten: Der Körper soll an allen Stellen auf eine gleichmäßige, gesunde Temperatur gebracht werden. Außerdem werden im Lymphsystem Staus gelöst, so dass Schadstoffe wie Schwermetalle, Dioxine, Nitrosamine, aber auch Harnsäurekristalle (entstehen u.a. durch zuviel Fleischgenuss) aus dem Gewebe herausgeleitet werden. Drittens sollen die Unterleibsorgane mit der Hand optimal ausgerichtet werden.“ Zum Beispiel könne man eine nach hinten geknickte Gebärmutter aufrichten. „Und schließlich können Muskelverspannungen, die oft Folge seelischer Verspannungen sind, aufgelöst werden“, erläutert Kulesza, die bei Dr. Motha gelernt hat und die Fruchtbarkeitsmassage in ihrer Praxis anwendet

Positiver Einfluss bei Hormonstörungen, PCO und Endometriose

Während der Massage lässt sich die Hebamme auch innerlich auf die Frau ein: „Zum einen stelle ich mir vor dem inneren Auge die Organe der Frau vor, und auch, wie sie sich unter der Massage positiv verändern, ich visualisiere sie also. Zum anderen frage ich die Frau auch, was sie fühlt. Die meisten Frauen empfinden die Massage als sehr angenehm. Viele bekommen auch zum ersten Mal ein Gefühl dafür, was eigentlich in ihrem Körper passiert, zum Beispiel beim Eisprung“ berichtet sie. „Mit etwas Übung kann eine Frau ihre Gebärmutter oder die Eierstöcke auch selbst ertasten.“ Für die Massage, für die Olivenöl verwendet wird, werden bestimmte Handhaltungen benutzt, die entweder entspannen, oder zur (Lymph-)Drainage dienen sowie Organe ausrichten oder anregen.

Mit der Fruchtbarkeitsmassage erzielt Kulesza vor allem Erfolge bei hormonellen Störungen. So bekam eine Frau, die zuvor ein Jahr lang keine Menstruation gehabt hatte, nach sechs Massagen ihre erste Blutung. Wenige Monate später wurde sie schwanger. Auch bei PCO (polyzystische Ovarien) oder Endometriose (gutartige Wucherungen von Gebärmutterschleimhautzellen im Bauch) konnte Kulesza helfen. „Bei PCO können die Zysten verschwinden, bei Endometriose kann man zumindest Beschwerdefreiheit erzielen“. Und sogar leichte Verklebungen in den Eileitern können ihrer Erfahrung nach mit etwas Glück durch die Massage gelöst werden. Meist wird zwar die Frau behandelt, jedoch kann auch der Mann von der Massage (in diesem Fall der Prostata) profitieren. Das Paar kann sich aber auch gegenseitig massieren, wenn es die Methode erlernt.

 

Ich habe eine Endometriose: Werde ich trotzdem schwanger?

Liegen schwerwiegendere Fruchtbarkeitshindernisse vor, kann die Fruchtbarkeitsmassage eine gute Begleitung der schulmedizinischen Kinderwunschbehandlung sein. Die entspannende, die Selbstheilungskräfte und das Selbstbewusstsein anregende Wirkung sind ein gutes Gegengewicht zum Stress einer Kinderwunschtherapie.

Alle Lebensbereiche stehen auf dem Prüfstand

Die Hebamme setzt aber nicht nur auf die Massage, sondern durchleuchtet zusammen mit der jeweiligen Frau auch deren Lebenssituation. „Es ist dabei wichtig herauszufinden, wo es im Alltag der Frau hapert. Ob zum Beispiel ihre Ernährung verändert werden sollte, sie also vielleicht mehr Vitamin E oder bestimmte Mineralstoffe braucht. Oder ob sie beruflich so überlastet ist, dass gar kein Raum für ein Baby in ihrem Leben wäre, und es deshalb nicht klappt. Und auch psychische Blockaden, die einer Empfängnis entgegenstehen, können bearbeitet werden.“ Die Fruchtbarkeitsmassage kann dabei auch durch andere alternative Heilmethoden ergänzt werden. Eine Massage-Sitzung dauert mit Vor- und Nachgespräch etwa 75 Minuten und findet einmal pro Woche statt (über sechs Wochen). Später reicht eine Auffrischung pro Monat.

Yoga und Kinderwunsch: Hormon-Yoga für die Hormonproduktion

Eine Methode, die vor allem eine aus dem Gleichgewicht geratene Hormonproduktion ankurbeln und harmonisieren soll, ist das Hormon-Yoga. Es wurde von der brasilianischen Diplom-Psychologin und –Philosophin Dinah Rodrigues aus dem indischen Hatha-Yoga entwickelt. Rodrigues setzt es im Rahmen von Kursen vor allem bei Frauen in den Wechseljahren, aber auch bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ein. Zum Beispiel können Fruchtbarkeitsstörungen, die auf das häufige PCO-Syndrom zurückgehen, oder bei denen es ein anderes Ungleichgewicht zwischen den Hormonen gibt, aber auch ein vorzeitiger Beginn der Wechseljahre nach ihrer Erfahrung positiv beeinflusst werden.

Eine repräsentative Studie gibt es zur Wirkung des Hormon-Yogas noch nicht. Bei ihren Teilnehmerinnen stellte die Brasilianerin aber eine Schwangerschaftsquote von 80 Prozent inh. eines Jahres fest - sofern es keine anderen, von Hormonen unabhängigen Fruchtbarkeitshindernisse gab. In einer eigenen kleinen Studie konnte Rodrigues bei den von ihr behandelten Frauen eine Steigerung der Hormonkonzentration bis zum zweieinhalbfachen Wert feststellen (Blutabnahmen vor und nach zehnwöchiger Behandlung). Hormon-Yoga eignet sich jedoch ausdrücklich nicht bei Erkrankungen, die auf ein Mehr an Hormonen ungünstig reagieren könnten. Dazu gehören Myome, Endometriose oder auch Brustkrebs.

Bisherige Lebensweise wird infrage gestellt

„Hormon-Yoga ist zum Beispiel sehr gut, um nach langjähriger Pilleneinnahme den Zyklus wieder in Gang zu bringen“ berichtet Christa Daun, Yoga-Lehrerin aus Wuppertal, die bei Rodrigues das Hormon-Yoga erlernt hat. „Es werden alle Organe angeregt, die Hormone produzieren, also die Hypophyse, die Schilddrüse, die Eierstöcke, die Nebennieren.“ Die Übungen bestehen dabei aus einem Zusammenwirken von Körperhaltungen und verschiedenen Atemtechniken (z.B. Massage der inneren Bauchorgane durch spezielles, heftiges Atmen). Daun stellt bei den Frauen, die ihre zehnwöchigen Kurse besuchen, fast immer eine deutliche Veränderung im Empfinden fest: „Die Frauen werden sensibler für den eigenen Körper, beginnen zum Beispiel, ihre Eierstöcke zu spüren. Vor allem aber fühlen sie sich viel vitaler. Man kann tatsächlich sagen: Das Hormon-Yoga macht gute Laune.“ Ebenso wie die Fruchtbarkeitsmassage ist auch das Hormon-Yoga nicht nur zur alleinigen Anwendung geeignet, sondern auch als Begleittherapie zur konventionellen Kinderwunschbehandlung.

Wie alle ganzheitlichen Heilmethoden schließt auch das Hormon-Yoga eine Infragestellung der bisherigen Lebensweise ein: „Wenn die Frauen die Übungen eine Zeitlang praktizieren, merken sie meist ganz von selbst, was ihnen gut tut, und was nicht. Deshalb stellen sie oft auch ihre Ernährung um oder gestalten ihr Leben weniger stressig“, beschreibt die Yoga-Lehrerin den Effekt. Dabei gilt: Auch „Freizeit-Stress“ kann die Hormonproduktion hemmen. Hier lautet die Regel, dass Freizeitbeschäftigungen (wie Sport) nicht anstrengen sollten. Denn auch zuviel Ehrgeiz in diesem Bereich steht dem Wunschbaby im Wege.

Luna-Yoga: Gebündelte Weisheit verschiedener Völker

Eine Kombination aus klassischem Hatha-Yoga und aus den Fruchtbarkeitsritualen verschiedener Naturvölker enthält das Luna-Yoga (Mond-Yoga). Adelheid Ohlig entwickelte damit eine Methode der israelischen Physiotherapeutin Aviva Steiner weiter. Die Übungen haben fantasievoll-fröhliche Namen wie „Heuschrecke“, „Schaukelboot“, „Krähe“, „Kobra“ oder „Fasan“ und lösen schon nach kurzer Übungszeit spürbar eine verstärkte Durchblutung der Unterleibs- und Sexualorgane aus. Sie lösen auf diese Weise Verkrampfungen und sollen so die Hormonproduktion (und damit die Fruchtbarkeit) anregen. Die teils langsamen, teils schnellen Übungen im Liegen, Hocken oder Stehen, deren Bewegungsrhythmus fest an die Atmung gebunden ist, kräftigen außerdem den Beckenboden und stärken generell das Gefühl für den eigenen Körper. Zum Luna-Yoga gehören aber auch Gang- und Tanzübungen, die von verschiedenen Kulturen abgeschaut sind. Ihre Namen lauten „Himmelskraft“, „Einladung“ oder auch „Umarmung“, und sie sind teils sanft, teils rhythmisch und kraftvoll. Einige der Übungen sind an den weiblichen Monatszyklus angepasst. Sie sollen in der ersten Zyklushälfte zum Beispiel einen pünktlichen Eisprung auslösen helfen, oder in der zweiten Zyklushälfte Beschwerden vor der Regel (PMS) mildern.

Das Luna Yoga arbeitet außerdem auch mit Trance- und Traumreisen unter Anleitung, mit der Stimulation von bestimmten Reflexzonen und Reaktionspunkten am Körper sowie unterstützend mit individuell angepassten Tees, Essenzen, Farben und Bädern. Das Luna-Yoga ist auch für Männer geeignet und soll angeblich die Spermien-Qualität verbessern helfen. Geübt wird täglich jeweils 20 Minuten, nach Empfehlung Ohligs möglichst immer etwa zur selben Zeit. Wissenschaftlich nachgewiesen wurden die Erfolge noch nicht, viele Erfahrungsberichte von Frauen sprechen aber für eine Wirksamkeit. Es werden von Ohlig in ihren Büchern auch weitere mögliche, positive Auswirkungen, etwa die Verkleinerung von Zysten oder Myomen, ein Rückgang von Endometrioseherden sowie die Verbesserung des PAP-Wertes (Zellabstrich zur Krebsvorsorge am Muttermund) genannt. Auch Ohlig betont, dass Luna-Yoga nicht nur allein, sondern ebenfalls als gute Ergänzung einer eventuell notwendigen schulmedizinischen Behandlung verwendet werden kann.

Das Schwangerwerden kann man nicht „machen“

Hebamme Judith Kulesza betont etwas, das für alle vorgestellten Methoden gilt: „Die veränderte Körperwahrnehmung kann eine Frau an ihre naturgegebene weibliche Kraft erinnern. Sie entwickelt dann ein neues, liebevolles Verständnis für ihren Körper.“ Oft werde dabei nicht nur die eigene Lebensführung überdacht. „Frauen beginnen auch zu verstehen, dass man das Schwangerwerden nur geschehen lassen kann, man kann es nicht ‚machen’.“ Das sei wichtig als Gegengewicht zu den Riesenerwartungen, wie sie die Schulmedizin bei Kinderwunsch aufbaue. Man könne zwar selbst günstige Bedingungen zum Schwangerwerden schaffen. Jedoch gelte immer, was auch die Schulmediziner in den Kinderwunschzentren tagtäglich erleben: „Die Natur lässt sich letztlich nicht zwingen“.


Weiterführende Infos

  • Kosten:

    Die Behandlung mit der Fruchtbarkeitsmassage kostet je nach Dauer der Sitzung (45 bis 75 Minuten) und je nach Anbieter zwischen 25 und 75 EUR. Ein eintägiger Kurs zum Selbstlernen dieser Methode kostet z.B. bei Birgit Zart (die die Methode in Deutschland eingeführt hat) 120 EUR pro Person. Das Erlernen des Hormon-Yogas nach Dinah Rodriguez kostet in einem Kurs (acht bis zehn Sitzungen á eineinhalb Stunden) zwischen 80 und 110 EUR, Wochenend-Workshops an zwei Tagen gibt es für etwa 125 EUR. Das Luna-Yoga wird ebenfalls in Kursen vermittelt. Hier kosten 12 mal 2 Stunden etwa 112 EUR. Ein einzelner Abendkurs (einmalig) um die 60 EUR (beides VHS).

  • Birgit Zart: Die Fruchtbarkeitsmassage. Der sanfte Weg zur Empfängnis, Verlag Hugendubel 2006, ISBN-10: 3720528081.
  • Kontakt zu Hebamme und Heilpraktikerin Judith Kulesza
  • Deutschlandweite Liste von Behandlern (auch Seminare) unter: http://www.fruchtbarkeitsmassage.de.
  • Dinah Rodrigues. Hormon-Yoga. Das Standardwerk zur hormonellen Balance in den Wechseljahren, Schirner Verlag 2005, ISBN-10: 3897672200.
  • Kontakt zu Yoga-Lehrerin Christa Daun: christa.daun@gmx.de. Hormon-Yoga wird auch von manchen Volkshochschulen angeboten sowie bei Yoga-Lehrerinnen (Übersicht unter http://www.ggfyoga.de/)
  • Adelheid Ohlig: Luna-Yoga, Goldmann Verlag 1991, ISBN-10: 3442135354. Deutschlandweites Verzeichnis von Lehrerinnen des Luna-Yoga unter http://www.luna-yoga.de.
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