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Ammenmärchen

Kinderwunsch: Macht häufiger Sex Spermien müde?

Rund ums Kinderkriegen ranken sich viele (vermeintliche) Ammenmärchen, Mythen und Legenden. Eine davon ist, dass zu häufiger Sex die Spermien müde macht und deshalb die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft sinkt. Ob das stimmt, erfährst du hier.

Autor: Kathrin Wittwer
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Unser Video hat es gezeigt: Müde durch zu viel Sex können Spermien ja höchstens werden, wenn pausenlos immer wieder die gleichen "zum Dienst antreten" müssten. Das hat die Natur aber wesentlich großzügiger eingerichtet und sorgt ständig für neue "Munition". Ist also mehr Sex sogar besser?

Alter vor Schönheit  

Das durchschnittliche Paar Hoden stellt jeden Tag mindestens 40 Millionen Spermien her. Anschließend werden die Spermien in den Nebenhoden „aufgepeppelt“, tanken praktisch im Schlaf Energie (Proteine) und formen sich dabei zur erwachsenen, schlanken, befruchtungsfähigen Kopf-Körper-Schwanz-Spermie. Nach ihrer Reifung sammeln sich die Spermien bis zu ihrem Einsatz an verschiedenen Stellen des schlauchförmigen, fünf bis sechs Meter langen Nebenhodengangs. Dabei stehen zwar prinzipiell die ältesten ganz vorn in der Warteschlange. So ganz nach Herstellungsdatum getrennt werden sie aber nicht gelagert, es gibt durchaus Gedrängel und dadurch eine Durchmischung – immerhin starten pro Samenerguss einige hundert Millionen gemeinsam gen Ziel.

Durch Warten wird man nicht jünger

Wer allerdings zuvor ewig "rumlungert", wird müde, verliert an Kraft, an Beweglichkeit, verkümmert – durch Warten wird man eben nicht jünger. Am Ende zerfallen die Spermien in Einzelteile. Kommt es dann doch zum Sex, verbessern solche weniger beweglichen bzw. abgelebten Spermien(reste) nicht unbedingt die Qualität eines Ejakulats. Männer, die ihre Spermien hingegen regelmäßig "abrufen", sorgen damit für immer wieder jungen, frischen und damit fitteren (beweglicheren) Nachschub, der ein Ejakulat aufpeppt – viel Nachfrage wird mit frischem Angebot belohnt - ein bisschen wie im Supermarkt.

Eine Frage von Angebot und Nachfrage

Aufgrund des beschränkten Haltbarkeitsdatums von Spermien raten Experten bei Kinderwunsch, nicht länger als zehn Tage ohne Sex zu bleiben. Allerdings: Eine etwas geringere Spermienqualität macht wiederum nicht gleich automatisch unfruchtbar – in der Masse der angesammelten Spermien werden sich meist trotzdem welche finden, die ihr Ziel erreichen, und am Ende tut es ja dann eine einzige.

Australische Wissenschaftler raten sogar, bei Kinderwunsch etwa eine Woche vor dem Eisprung einmal täglich Sex zu haben. Dadurch sinke die Schädigungsrate von Spermien vermutlich, weil die Spermien nur eine kurze Zeit schädigenden Einflüssen (wie freien Radikalen) ausgesetzt sind. Da die Studie über sieben Tage ging, kann man nicht genau sagen, ob auch bspw. drei oder fünf Tage schon solche Effekte bringen. Auf jeden Fall wird geraten, die Sache nicht deutlich länger hinzuziehen, da sich das Spermienvolumen dann doch zu stark reduzieren würde. Für Männer mit ohnehin schon niedrigen Spermienmengen ist die Ein-Mal-Sex-pro-Tag-Praxis grundsätzlich nicht empfehlenswert.

Zuviel des Guten? 

Bei zuviel Sex (mehrfach täglich) kann es vorkommen, dass die Lager sich leeren, ehe neue Spermien nachgereift sind. Ein paar Tage Enthaltsamkeit lösen das aber schnell wieder.
Dass eine hohe Nachfrage an Spermien auch die Tagesproduktion hochtreibt, ist vermutlich ein Mythos, ähnlich der Behauptung, dass die Beinhaare von Frauen, die sich regelmäßig rasieren, schneller nachwachsen. (Text: Kathrin Wittwer)