Hallo!
Der Partner einer Freundin ist seit einem halben Jahr an Krebs erkrankt und wird daran in absehbarer Zeit sterben müssen. Mittlerweile braucht er eine durchgängige Betreuung und sie kann höchstens mal kurz weg. Von ihrer Familie bekommt sie nur bedingt Unterstützung. Die beiden haben zwei Kinder (6 und 8 Jahre), der jüngere Sohn ist ein guter Freund von meinem Sohn.
In den letzten Monaten hat sich der Kontakt zwischen uns beiden sehr intensiviert, völlig unabhängig von der Freundschaft der Kinder.
Sie ist ein sehr starker Mensch und es fällt ihr unendlich schwer, andere um Unterstützung zu bitten. Für andere tut sie alles und vergisst sich dabei völlig. Lieber macht sie so lange weiter, bis sie selber zusammenbricht.
Ein Beispiel:
Unsere Jungs gehen ein Mal in der Woche zusammen zum Sport und müssen aufgrund der Entfernung mit dem Auto gefahren werden, zwischendurch zurückfahren lohnt sich nicht. Mein Sohn ist schon länger als sein Freund in diesem Sportverein, so dass ich sowieso wöchentlich gefahren bin.
Meine Freundin möchte nun die Zeit, die sie durch eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizdienstes entlastet wird, dafür nutzen, die Jungs zum Sport zu fahren. Ich kann verstehen, dass sie mal sehen möchte, was die Jungs beim Sport machen, aber sie möchte vor allem fahren, um mich zeitlich zu entlasten!!! Nach einem längeren und wirklich guten Gespräch hat sie annehmen können, dass ich überwiegend fahre und sie wirkte anschließend sehr, sehr erleichtert, dass sie dadurch die Zeit, in der die ehrenamtliche Mitarbeiterin bei ihrem Partner ist, gemeinsam mit ihren Jungs nutzen kann.
Das ist nur ein Beispiel und sie sagte, selber, dass es nichts mit mir zu tun hat, sondern sie grundsätzlich Probleme hat, Unterstützung anzunehmen.
Bei unseren Treffen steht längst nicht immer die Erkrankung im Mittelpunkt, wir können zusammen lachen etc. Aber sie spricht auch von sich aus sehr oft darüber, was sie belastet, was ihr auch sehr guttut. Ich merke ihr an, dass es ihr seit einem Monat psychisch zunehmend schlechter geht.
Nur würde sie nicht bei einer Freundin/Verwandten anrufen, wenn es ihr schlecht geht, um andere nicht zu belasten, obwohl es wichtig wäre, dass sie genau das lernt (hat sie selber so gesagt!). Ihr Sohn ist regelmäßig bei uns, einfach so zum Spielen, aber auch wenn sie mit ihrem Partner einen Arzttermin etc. hat.
Nun hat sie gestern eine Diagnose bekommen, wegen der sie selber in kommender Zeit operiert werden müsste. Sie möchte es erst machen, wenn ihr Partner nicht mehr lebt und die erste Zeit der Trauer überstanden ist. Davon rät ihr der Arzt aber ab, eben damit es für sie nicht noch gefährlich wird.
Es ist ihre Verantwortung, ob und welche Hilfe sie annimmt und ich möchte mich keinesfalls aufdrängen! Aber mittlerweile habe ich richtig Angst um sie.
Habt ihr aus eurer Erfahrung heraus Ideen, wie ich meine Freundin unterstützen kann? Was hat euch gutgetan?
LG Silvia
Angst um Freundin
Hallo,
ich befand mich in einer ähnlichen Situation. Der Mann meiner Schwägerin ist am Sonntag nach langer Krankheit gestorben. Sie tut sich auch sehr schwer Hilfe anzunehmen und ist dazu noch groß im Verdrängen. Jeder wusste schon lange, dass ihr Mann nicht mehr gesund wird und er sterben wird. Nur die beiden wollten es nicht sehen.
Sie muss Vollzeit arbeiten, hat eine kleine Tochter und hat nebenher noch Hobbys.
Bis letzter Woche ist nach der Arbeit (mit 2 Stunden Fahrzeit) immer noch ins KH.
Die Hobbys taten ihr zwar gut, lösten aber ihre Probleme nicht. Hinzu kommt, dass ihre kleine Tochter seit ihrer Geburt immer die Angst und die Trauer miterlebt hat.
Leider wohnen wir sehr weit weg und können deshalb nicht so unterstützen, wie wir gerne wollten. Nach dem Tod sind wir aber sofort hin und mein Mann und ich haben erst einmal die Entscheidungen übernommen. Ich habe sie gefragt, ob ihr eine Massage gut tun würde. Das hat sie dann gemacht und mein Mann und ich haben in der Zeit etwas Haushalt übernommen. Wir sind mit ihr zum Einkaufen und haben gekocht und sie "gezwungen" etwas zu essen.
Genauso habe ich ihr ernsthaft ins Gewissen geredet. Ich habe ihr gesagt, dass sie Hilfe braucht, ob sie will oder nicht. Das ist nichts Schlimmes. Das zuzugeben, zeigt von Stärke!
Was ich damit sagen möchte: Ich würde in diesem Fall versuchen, die Entscheidung etwas abzunehmen. Ich würde nicht warten, dass sie um Hilfe bittet, sondern sie ein bisschen zu ihrem "Glück drängen". Natürlich nicht so, dass sie sich überrumpelt vorkommt.
Ich würde ihr auch sagen, dass ihre Kinder sie noch sehr lange brauchen und es niemandem etwas nützt, wenn sie komplett zusammenbricht. Auch ihrem Mann nicht. Sie MUSS lernen Hilfe anzunehmen und zwar schnell!
Hallo!
Danke für deine Antwort!
Ja, wahrscheinlich muss ich wirklich mal ernsthaft mit ihr reden und sie ein bisschen mehr zu ihrem "Glück drängen". Bisher habe ich eher abgewartet, dass sich "zufällig" eine Situation ergibt, in der ich sie unterstützen kann (und in der sie im Nachhinein wirklich froh darüber war). Ich finde die Gratwanderung zwischen 'zuverlässig für sie da sein, wenn sie es braucht' und 'aufdrängen' unheimlich schwierig.
Ihr ist sehr bewusst, dass ihr Partner sterben wird und macht Pläne für die Zeit danach, die sie aufrecht halten.
Irgendwie muss ich einen Weg finden, sie so zu begleiten, wie sie es braucht. Aber abwarten geht nicht mehr!
LG Silvia
Ich kann Dich schon verstehen. Man möchte dem anderen ja auch nicht zu nahe treten.
Deshalb würde ich eben konkret formulieren, wo ich meine Freundin unterstützen möchte und nicht sagen: "Wenn Du hilfe brauchst, melde Dich!"
Das dann aber schon als Frage formulieren und eben ganz klar mit dazusagen, dass man keinen falschen Stolz haben soll.
Wenn du Zeit und Lust hast dich da mehr reinzuhängen mach es einfach.
Sag ihr dass sie nun mal deine Freundin ist und dass jeder seine Freunde unterstützt. Und in schweren Zeiten braucht man nun mal Freunde die einem helfen wenn es grad sehr schlecht läuft. Und sag ihr dass du das sehr gerne machst weil es dir guttut zu sehen wenn sie etwas entlastet ist.
Sie wird wahrscheinlich ein sehr schlechtes Gewissen haben weil sie es am liebsten alles selbst machen will (mir geht das immer so), aber sage ihr einfach dass du in ein paar Jahren vielleicht auch mal Hilfe brauchst und dann über ihre Hilfe sehr froh wärst.
Du kannst ihr auch anbieten dann mal ihre Kinder zum Übernachten zu nehmen oder für sie zu kochen usw.... Aber wahrscheinlich musst du eher so kommen. "Ich hab mir überlegt ich würde gerne alle mal einladen zur Übernachtung" oder "Ich möchte gerne für euch was kochen, du musst mir nur sagen an welchem Tag nächste Woche." Also sagen was du tun möchtest und ihr einen Zeitlichen Rahmen geben in der sie es einlösen "sollte".
In Zeiten von Überforderung ist es gut wenn sich einfach mal Leute lieb aufdrängen und das Zepter für einen in die Hand nehmen. Aber in der Art dass man im Hintergrund bleibt und einfach viele Sachen übernimmt. (putzen, kochen, Kinder, einkaufen...) Und sag ihr dann auch dass sie sagen soll wenn sie etwas stört, wenn du dich zu viel einmischt. #
Alles Gute!
Hallo!
Danke für deine Vorschläge!
Das Anbieten von Unterstützung, so dass sie den zeitlichen Rahmen festlegen kann, finde ich gut. Das kann sie wahrscheinlich besser annehmen, als wenn man es als Frage formuliert.
Ja, ich werde ihr unbedingt sagen, dass sie mir mitteilen soll, wenn ich mich zu viel einmische! Denn das möchte ich keinesfalls.
LG Silvia
Ich könnte es auf jeden Fall sehr gut annehmen wenn einer meiner Freunde auftaucht und mir das so sagt.
Fang einfach damit an, und nachdem du das ein oder zweimal gemacht hast sagst du ihr, dass sie bitte Bescheid sagen soll was zuviel ist wenn sie etwas stört. Nicht dass sie dich schon stoppt bevor sie gemerkt hat wie gut es tut wenn jemand einem ein bißchen Last aus dem Rucksack abnimmt.
Liebe Grüße