Distanziere mich von Familie - normal?

Hallo ihr Lieben!

Ich habe voriges Jahr meinen Mann geheiratet und bin momentan im 7. Monat schwanger. Wir sind also mitten in unserer Familiengründung. 😍

Nun fällt mir aber an mir selber auf, dass ich mich, je näher die Geburt rückt, umso mehr von meiner Famile distanziere. Also vor allen von meinen Geschwistern und auch meiner Verwandtschaft. Ich denke viel drüber nach, wie ich unser Leben als neue Familie gestalten will und es gibt da einfach so viele Sachen in meiner Familie, die ich nicht gut finde.... ich finde alle Gespräche mit meinen Geschwistern momentan extrem mühsam und hab nun das Gefühl, dass wir eigentlich gar nicht auf derselben Wellenlänge sind.

Es ist nicht so, dass meine Familie schlechte Menschen sind, aber sie haben einfach so viele Angewohnheiten und Meinungen, die ich so momentan nicht abkann und nicht will, dass mein Baby auch so wird. 😬

Ging es jemanden von euch ähnlich? Sind diese Gefühle normal? Oder sind es momentan nur die Hormone und das legt sich dann wieder?

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Egal ob Hormone oder sonst was, ich finde, du solltest mal ganz tief in dich gehen und dich selbst reflektieren.
Irgendwie nehm ich es in den letzten Jahren verstärkt wahr, dass Schwangere in irgendwelchen seltsamen Sphären schweben, andere nix recht machen können (sie melden sich zu viel oder zu wenig, kaufen nix oder zuviel, stellen grenzüberschreitende Fragen oder haben kein Interesse und und und) und auf einmal nur noch die Kernfamilie zählt. Und ich frag mich ehrlich und erstaunt, woran das liegt.

Ich persönlich finde das ganz ganz schrecklich. Meine Kinder (18 und 19) erzählen heute noch davon, dass es wunderschön war, im großen Familienverbund aufzuwachsen mit Omas und Opas, Tanten, Onkel, Cousinen, Uroma und Uropa, das Süßigkeiten zustecken, der 10€-Schein, der verschwörerisch von Uroma zu Urenkel gewandert ist (pssst, nicht dem Uropa und der Mama sagen), das verwöhnt werden von vielen Seiten, auch mal einen Anschiss kassieren von Tante und Opa. Ihr nehmt euren Kindern echt viel, wenn ihr so eigenbrötlerisch werdet.

Dazu die Frage: was willst du deinem Kind vorleben? Die Zeit rast, irgendwann bist DU die werdende Oma und dein Kind zieht sich zurück und will dich nicht teilhaben lassen. Das geht schneller als man denkt. Ich frag mich dauernd, wo die Zeit hin ist. Gestern hatte ich doch noch kleine Kinder und heute sitzen zwei Erwachsene mit am Tisch.

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Das ist glaub ich kein neues Phänomen, das sich nur auf Schwangere bezieht.

Das ist extreme Ich- Bezogenheit,die auch heute so propagiert wird, auf seine Gefühle zu achten und so.
Ist ja auch- in gesundem Maße angewendet - enorm wichtig für's Wohlbefinden.
Leider wird das- wie so viele Sachen- von einigen Leuten missinterpretiert in "ich muss mich niemandem anpassen, darf machen was ich will, auf Biegen und Brechen. Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen sind immer letztrangig, Hauptsache ich kann machen was, wann und wie ich will und jeder nimmt dabei Rücksicht auf mich".

Niemand ist der Mittelpunkt des Universums. Ein Zusammenleben wäre sehr viel angenehmer und einfacher, wenn man sich manchmal auch mal ein bisschen zusammenreißt.
Gutes Beispiel letztens der Beitrag mit dem Kind, das Angst vor dem Hund hat.
Bin aus dem Kopfschütteln teilweise nicht mehr raus gekommen.

Ich staune auch immer wieder über die ganzen Frauen, die mit Bekanntgabe der Schwangerschaft nicht mehr arbeiten gehen. Wann sieht man den mal eine Schwangere irgendwo arbeiten? Es fällt eher auf, wenn mal jemand mit Kugelbauch im Büro sieht.
Aus beruflichen Gründen ist das in manchen Berufen auch sinnvoll, streite ich gar nicht ab.
In meinem weiteren Bekanntenkreis sind die wenigsten bis Beginn des Mutterschutzes arbeiten gegangen.
Auch so ein Phänomen.
Aber dann jammern, wenn der AG auf ein weiteres Zusammenarbeiten- selbstverständlich mundgerecht und nach ihren Bedürfnissen zurechtgelegt für die Mama- nach der Elternzeit nicht so wild ist.

Bei den ganzen so komplizierten, risikoreichen Schwangerschaften ist es ein echtes Wunder, dass die Menschheit noch nicht ausgestorben ist.

Ich weiß, tut mir nichts zur Sache. Musste aber mal raus.

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Ich nehme mal an, dass du der „älteren Generation“ (CIS) angehörst.

Was genau triggert dich daran, dass für awareness gesorgt wird und man heutzutage sich endlich mal nicht mehr alles gefallen lassen sollte/ möchte?

Es ist im Übrigen genau richtig, dass Frauen so schnell wie möglich in ein partielles oder komplettes BV geschickt werden. Auch hat der Mutterschutz seinen berechtigten Sinn. Was interessiert mich der Arbeitgeber? Die Erwerbsarbeit gefährdet nicht nur die Schwangerschaft der Frau, sondern auch die Mutter und den Säugling.

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Ich weiß ja nicht wie deine Familie so drauf ist, aber wie wäre es, wenn du dich reflektierst, wie verhältst du dich? Was sind deine Beweggründe? Haben die Gefühle jetzt erst mit der Schwangerschaft begonnen oder schon vorher?

Ich stecke quasi gerade in der selben Situation wie deine Familie. Meine Schwester (schwanger) möchte aktuell wieder mal nicht so wirklich Kontakt zu unserer Familie haben. Die Begründungen sind total lächerlich und einfach kindisch.

Kann natürlich sein, dass es deine Hormone sind (dazu müsste man echt mehr wissen) - aber ich kann nur von der Gegenseite sprechen, dass es super anstrengend ist wenn man so jemanden in der Familie hat der (immer wieder) Gründe findet um den Kontakt zu meiden. Schwanger oder nicht schwanger.

Ich bin aktuell auch zum 2. mal schwanger und habe solche Gefühle absolut nicht, ich bin froh, dass ich eine Familie habe und finde den Gedanken ohne Geschwister und Eltern zu sein traurig.

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Jap. Das kann ich genau so bestätigen.
Bei mir sind es zwar keine Geschwister, die so sind, aber eine Cousine, die mir mal sehr nah stand.
Die hat ihre Schwangerschaft vor der gesamten Familie verheimlicht bis kurz bevor das Kind kam.
Wir waren alle mehr als irritiert und irgendwie blieb nicht nur bei mir der fahle Beigeschmack übrig, dass sie gewaltig einen an der Klatsche hat.

Unsere Familie ist echt schrullig, aber niemand ist gemein oder so. Aber ich glaube das ist jede Familie auf ihre Art und Weise, man selbst vielleicht auch, man hält sich nur meistens selbst für den Normalsten.
Meine Cousine hat sich auch sehr distanziert seit sie -inzwischen mehrere- Kinder hat, reagiert giftig auf gewöhnliche Nachfragen, fühlt sich von allen angegriffen und beobachtet.
Dabei interessiert sich gar keiner für ihre Familie mehr, als für die anderen Familien. Sie ist die einzige die hohl dreht.
Inzwischen hat sich auch die Familie von ihr distanziert.
Wenn's das ist was sie wollte... Gut. Aber einen wirklichen und realen Grund für ein derartiges Verhalten gab es nie. Vor allem hat sie nicht eine bestimmte Person gemieden, sondern uns alle, obwohl sie immer gut behandelt und einbezogen wurde.

Und ja, so jemand ist enorm anstrengend, man läuft wie auf Eierschalen und schlussendlich zieht man sich zurück.
Ich persönlich habe da auch eine geringe Toleranzschwelle. Solche komplizierten Leute tue ich mir nicht (mehr) an, auch nicht im Arbeitsleben oder sonstwo privat.

Darüber hinaus muss man das Ganze auch mal weiter denken. Es ist ja nicht nur die eigene Familie, sondern auch die vom Kind. Dem die Familie aus nichtigen Gründen vorzuenthalten ist schon echt ein bisschen gaga.

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Ich stimmt dir 100% zu.

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Familie besteht aus mehreren Menschen und ja, dementsprechend gibt es verschiedene Macken und Kanten.
Aber wenn der große Rahmen stimmt... bildlich gesehen, Puzzelteile bestehen aus Ecken und Kanten und passen zusammen, zu einem fertigen Bild. Eingerahmt durch Toleranz, verschiedene Meinungen, Ecken und Kanten.
Wie wäre es für dich, wenn sich die Familie dir gegenüber distanziere? sich von dir abwendet und du weißt noch nicht mal warum? Ich finde es einfach empathielos, egoistisch und voll daneben, da duselbst schreibst, dass deine Familie eigentlich keine schlechten Menschen sind. Zumal du auch deinem Kind /Enkelkind/die Möglichkeit nimmst, in einer Familie mit guten Menschen aufzuwachsen. Hormone hin oder her... Nein, dein Denken und Handeln ist nicht nur nicht normal, sondern egoistisch und gemein.

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Ich stimme den Posterinnen über mir uneingeschränkt zu.

Aber hierzu muss ich noch etwas ergänzen:

„Es ist nicht so, dass meine Familie schlechte Menschen sind, aber sie haben einfach so viele Angewohnheiten und Meinungen, die ich so momentan nicht abkann und nicht will, dass mein Baby auch so wird.“

Was meinst du wie viele Menschen im Laufe des Lebens Einfluss auf dein Kind nehmen werden, die dir auf die eine oder andere Weise nicht in den Kram passt? Dein Kind wird, wie es wird und du kannst es nicht permanent von allen möglichen Menschen fern halten nur weil du ihre Meinungen und Angewohnheiten irgendwie blöd findest.

Und wenn dein Kind wird wie du? Wenn es sagt, Mensch, meine Mutter hat so viele Meinungen und Angewohnheiten, die ich blöd finde, da lasse ich den Kontakt mal bleiben weil ich da absolut keine Toleranz habe? Wie würde sich das für dich anfühlen, wenn du da mal so drüber nachdenkst?

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Hallo,

Bei uns sind die Familienstrukturen bei jeden Kind enger geworden. Besonders ist es uns in meiner Familenteil aufgefallen, mir jeden Enkelkind meiner Eltern sind wir Geschwister auch enger geworden. Vor den Kindern jeder sein eigenes Leben und man traf sich nur zu Geburtstagen, Weihnachten etc. Mit Kinder trifft man sich viel öfters mal zum Kaffee/Spielen etc. Oder spontan bei den Großeltern. Es wird gespielt und geredet in den verschiedensten Komibationen.

Mein Schwiegereltern sehen die Kinder ( 4 Jahre und 10 Monate) einmal die Woche ohne uns Eltern für ein paar Stunden und wir sind alle fein damit. Ich sitze nicht gerne mit meinern Schwiegerletern oder meiner Schwägerin an einem Tisch. Es wird dort fast nur geschwiegen oder mit den Kinder interagieren, dass ist so anstrengend für mich.


Wir wussten aber auch wie wir unser Familienleben gestalten wollten. So wie ich aufgewachsen bin mit Großeltern, Tante , Onkel etc , die die Kinder regelmäßig sehen und zu den sie ein enges Verhältnis haben. Ich bin in einem.haus der offenen Türe aufgewachsen und genau so wünsche wir uns das auch für unsere Kinder.

Ich finde es also nicht normal, dass man sich von seiner Familie distanziert nur weil man ein Kind bekommt, wenn die Beziehung vor der
Schwangerschaft gut und innig war.

LG

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Du vergisst ja den entscheidenden Teil: du selbst bist ein Teil dieser Familie.

Du kannst von deiner Familie weggehen aber du bekommst sie nicht aus dir raus.

Vielleicht setzt du dich gerade mit dir selbst auseinander, das ist ja nachvollziehbar. Aber wenn dich etwas an dir selbst stört, dann verlagere es nicht nach außen - das nützt erfahrungsgemäß wenig.
Finde heraus, was du oder ihr anders machen wollt und versuche mit dir selbst ins reine zu kommen.
Wenn du dich selbst wieder leiden kannst, werden dich die Besonderheiten deiner Familie nicht mehr so triggern.

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Liebe TE,

du äußerst hier deine Gefühle und dein Unwohlsein und das ist völlig in Ordnung. Ich bin immer wieder erstaunt, dass hier im Forum ganz häufig gar nicht versucht wird, empathisch auf die Hilfe- oder Ratsuchenden einzugehen sondern ohne weitere Nachfrage und Kommunikation vorverurteilt wird.

Was genau meinst du denn mit distanzieren? Ist das eine emotionale Geschichte (du fühlst dich nicht mehr so verbunden wie früher) oder ziehst du dich tatsächlich zurück? Wie äußert sich das?

Im Gegensatz zu anderen hier, kann ich dieses Gefühl im Großen und Ganzen schon nachvollziehen. Seit Schwangerschaft und Geburt meines Kindes bin ich ebenfalls zurückhaltender gegenüber meiner Familie, weil bei mir mit eigenem Kind plötzlich viele alte Wunden aufgebrochen sind. Wie ist das denn genau bei dir? Komische Angewohnheiten sind ja erstmal kein Grund, um Kontakte zu reduzieren oder abzubrechen. Komische Angewohnheiten haben wir wahrscheinlich alle irgendwie 😉. Frage dich doch mal, was genau hinter deinen Gefühlen steckt, ob es einen bestimmten Anlass oder Bezug gibt. Vielleicht kannst du dich auch mit deinem Partner oder einer langjährigen Freundin austauschen, um dem ganzen auf den Grund zu gehen. Sei ehrlich zu dir selbst und sei am besten auch ehrlich zu deiner Familie. Das wäre auf jeden Fall fair, wenn ihr grundsätzlich ein gutes Verhältnis habt. Deine Eltern und Geschwister fragen sich wahrscheinlich sonst über kurz oder lang, was sie falsch gemacht haben oder ärgern sich.

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Ich bin in einem Verbund aufgewachsen, den hier einige als Idealbild propagieren. Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten etc., man trifft sich hier, Telefonate da, einfach ein gigantisches Kuddelmuddel. Jeder wird über alles informiert, jeder hat zu allem eine Meinung und bildet sich ein mitreden zu dürfen.
Und weißt du was? Schon als Kind von etwa 8 bis 10 Jahren wusste ich, das will ich keinenfalls für mein späteres Leben. Meine gesamte Kindheit bestand aus Rücksichtnahme und dem völligen verkennen dessen, was mir gefällt und was ich bin. Es gab keine Woche, in der man sich nicht zu Sachen zwingen musste, weil es doch wichtig für den oder den ist. Sachen die man "halt so macht" oder "weil es halt Familie ist".

Mit 12 habe ich angefangen für meine Interessen zu kämpfen und hatte Glück, dass meine Eltern mich zwar irgendwie komisch fanden, aber dennoch sagten "mach was du denkst". Ab da fing ich an, alles zu meiden, was mir nicht gut tat. Ich trat später aus der Kirche aus (Familie ist Erzkatholisch) und verbrachte 2 Jahre im Ausland.

Verstärkt hat sich das alles mit meiner ersten Schwangerschaft und dem unbedingten Willen unser Kind nicht so aufwachsen zu lassen. Gerade zu dieser Zeit hat wirklich jeder versucht Einfluss geltend zu machen. Meine Tante schickte sogar eine Liste mit Namen, die sie angemessen fand. Daraus könnte ich mir einen aussuchen. Zur Taufe wollte man uns zwingen und eine meiner Cousinen betrieb heulend Telefonterror, weil es für uns nicht in Frage kam.
Das man dann natürlich darüber nachdenkt und vieles hinterfragt, wenn man selbst ein Kind erwartet, halte ich für völlig natürlich. Vieles wollte ich nicht, meine Kinder sollten sich besser fühlen und glücklicher aufwachsen als ich. Zumal sich die Eltern unserer Familie oft nun wirklich nicht mit Ruhm bekleckert haben und hier sehr viel katastrophal schief lief. Das wollte ich auch nicht.

Heute bin ich 43 und wahrscheinlich dieser schrullige, merkwürdige, komische Mensch, den keiner versteht, weil man es doch nur gut meint. Gut vielleicht für andere, aber nicht für mich. Es hat mich fast erstickt. Jetzt bin ich glücklich.

Dir möchte ich raten, einfach herauszufinden, weshalb dich der Kontakt so anstrengt. Welche Ängste du mit dem Kontakt verbindest? Angst vor Einmischung, unangebrachtem Verhalten, fehlende Distanz? Angst, deine eigenen Vorstellungen von Familienleben nicht leben zu können oder sie der Familie unterordnen zu müssen (vielleicht weil du schüchtern bist und Konflikte scheust)?
Wenn du das für dich geklärt hast, wird es wirklich leichter und auch Kontakt wird wieder möglich.

Ich hoffe du findest das was du suchst.

Bearbeitet von helofniflheim
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Liebe TE,
aus meiner Sicht ist eine "Nestbauphase" völlig normal. Dazu kann auch etwas Rückzug gehören. Du, dein Mann, euer Kind werden eine eigene Familie mit eigenen Ritualen, Vorstellungen, Lebensweisen. Daran ist nichts verkehrt, aber auch nicht zwangsläufig "besser" als das, was andere Familien leben. Aktzeptanz ist keine Einbahnstraße. Was du für dich und deine Familie magst oder nicht magst darfst du klar kommunizieren. Doof finde ich immer, wenn aus den eigenen Ansichten eine Art Religion gemacht wird nach dem Motto "mein Weg ist der einzig wahre"... Wenn du jetzt Distanz brauchst, nimm sie dir. Bedenke aber auch, dass deine Geschwister und Verwandten keine Spielfiguren sind, die du nach Belieben wegpacken und wieder aktivieren kannst. Das sind nur meine Gedanken, die du gerne weglegen darfst, wenn sie für dich nicht passen. Alles Gute!