Ab wann Vorlesen?

Es wurde grade wieder eine Studie veröffentlicht, wie wenig Eltern ihren Kindern vorlesen 😳

Im ersten Lebensjahr liest mehr als die Hälfte der Eltern anscheinend moch har nichts vor. Und gut ein Drittel auch später wenig bis gar nicht 🤨

Wie siehts hier damit aus?

Ich selbst lese seit Geburt vor und bis auf wenige Ausnahmen gehört das abendliche kuscheln mit Buch bei uns zum Einschlafritual... Der Kleine kennt das gar nicht anders und hält auch längere Geschichten easy mit durch, auch wenn er manchmal nebenher noch was ruhig spielt 😊

Ab wann habt ihr vorgelesen oder plant vorzulesen?

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Das so einseitig zu beurteilen ist falsch. Wir haben von Anfang an versucht, vorzulesen. Doch unser Kind war extrem unruhig und hörte absolut nicht zu. Mit 3 waren wir dann beim Logopäden und haben mit ihrer Hilfe das Vorlesen bzw Zuhören erarbeiten müssen. Es Bilderbücher anschauen ging, aber sobald da mehr als ein, zwei Sätze standen blätterte er einfach weiter. Heute wissen wir, dass er ADHS hat und es wohl deswegen nicht ging. Nachdem dann der Groschen gefallen war ging es endlich und er wurde ein Vorlesejunkie, wir luehen dann auch Hörbücher aus um seinen Vorlesedurst zu stillen

Pauschal jetzt zu sagen 'ich bin entsetzt weil soundsoviele nicht vorlesen' ist einfach arrogant und engstirnig. Dass Kinder sich entwickeln wie sie sich entwickeln liegt nur bedingt in der Macht der Eltern. Und gerade die Kinder, die entwicklungsverzögert sind, und es ja eigentlich nötig hätten, tun sich damit extrem schwer. Und wenn die Kinder verweigern sind viele Eltern einfach auch ratlos.

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Danke für diese Perspektive - habe auch im ersten Moment gedacht es liegt an den „bequemen“ Eltern. Aber ja du hast vollkommen recht!

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Pauschal jetzt zu sagen 'ich bin entsetzt weil soundsoviele nicht vorlesen' ist einfach arrogant und engstirnig.

Also ich bin entsetzt. Aber nicht, weil nicht vorgelesen wird, sondern weil das Vorlesen ja ein Ausdruck für den Willen ist, sich mit seinem Kind ruhig und exklusiv zu beschäftigen, in einer 1:1 Situation, sich voll dem Kind zu widmen. Ob das dann Vorlesen ist, Baby/Kindermassage, ein Gesellschaftsspiel, zusammen Ausmalen und Quatschen, ein Spaziergang und nicht bloß der schnelle Weg zu einer Besorgung,… ist ja völlig egal. Aber es ist nunmal leider so, dass das Abnimmt und dass viele Kinder einfach nur nebenher laufen (müssen). Gerade in prekären Verhältnissen. Und das merken dann eben vorallem die Kindergärten oder dann die Schulen bei der Entwicklung der Kinder, ist im sozialen Kontext.

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Ich finde das auch total erschreckend. Wir haben ab ca. 6 Monaten vorgelesen, vorher gesungene, etc.
Inzwischen ist mein Kind 5 und wir lesen täglich, zum Abendritual und auch sonst gerne am Nachmittag beim Kuscheln.

Das Kind hat einen kostenlosen Bibliotheksausweis und wir holen alle 14 Tage Nachschub.

Ich glaube es hat viel damit zu tun, wie man selbst aufgewachsen ist. Mein Mann und ich sind auch so aufgewachsen, unsere Eltern sind bis heute Leseratten, wir selbst lesen mittlerweile leider aus Zeitgründen weniger, aber unser Kind kennt uns lesend und will es selbst auch.

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Dachte ich früher auch. Inzwischen bin ich mir sicher, es ist Typsache wie viel und was man liest.
Mein Vater liest schon immer gerne und viel, vor allem Bücher. Meine Mutter wenn sie Zeit hat die Zeitung. Ich habe als Kind fast jedes Buch in der Bücherei gelesen und bedaure sehr, dass ich aktuell so wenig dazu komme. Meine erste Schwester kennt Bücherl nur aus der Schule, meine zweite Schwester hat ein recht normales Leseverhalten.

Ich habe zweieiige Zwillingsjungs (3. Klasse) die wachsen so identisch auf wie es nur geht. Trotzdem liest der ältere nur wenn er muss, das Vorlesen von mir mag er vor allem wegen der Kuschelzeit, das Buch ist ihn eher egal. Der Bruder schnappt sich den Kindle wann immer es passt und interessiert sich vor allem für den Inhalt der vorgelesenen Bücher.

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Hi,
nein, das denke ich nicht. Wir haben unseren Jungs immer sehr viel vorgelesen, zwar nicht ab Geburt, aber weit vorm 1. Geburtstag. Wir haben viele, viele Bücher hier im Haushalt, waren oft mit ihnen in der Bibliothek. Aus ihnen sind mäßige Leser geworden, der Kleine etwas mehr, aber weit entfernt von „Leseratte“.
Mein Mann liest mittlerweile gerne, das hat er früher auch nicht gemacht, ich habe immer viel gelesen. Vielleicht haben sich dann doch seine Gene durchgesetzt.🤪
Sie waren aber immer sehr stark in den Lesverständnisarbeiten in der Grundschule und im Diagnosetest im Gymnasium. Vorlesen bringt dahingehend sicherlich sehr viel, aber dass jemand ein Vielleser wird, da habe ich meine Zweifel.
Edit: Meine Mutter hat recht viel gelesen, wir hatten etliche Bücher und Magazine im Haushalt. Vorgelesen hat sie mir aber wohl nicht sehr viel. Aus mir wurde aber eine Vielleserin.
Ich bin Lehrerin und unterrichte Kinder aus eher bildungsfernen Familien, meine ersten SuS sind heute die Eltern der kleinen Kinder aus den Studien. Warum sie nicht vorlesen? Weil sie es nicht können. In der Schule wurde das geübt, das hat dann passabel funktioniert, ob der vorgelesene Text verstanden wurde, war nicht immer sicher, aber das verliert sich ja wieder ohne Übung.

vlg tina

Bearbeitet von tha.lia72
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Meine Tochter ist jetzt 8 Monate, will das Buch eh lieber ankauen oder drauf rumklopfen. Nach 2 Sekunden rupft sie mir das Ding aus der Hand. Vorlesen ist hier also noch nicht. Ich bin mal gespannt, wie sich das entwickelt.
Ich bin so ein Kind, dem nicht vorgelesen wurde und das auch selbst kaum gelesen hat später. Ich hatte viele Audiokasetten und durfte viel fernsehen. Ich muss heute beruflich sehr viel lesen, mache es aber in meiner Freizeit immer noch nicht gerne. Ich empfinde es als mühsam. Ich frage mich, ob es an der Kindheit liegt.

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Meinen Geschwistern und mir wurde auch wenig vorgelesen. Ich denke, vielleicht gar nicht.
Meine Eltern lesen außer Zeitung auch nichts.

ALLE meine Geschwister sind absolute Leseratten. Gute Literatur, kein Schund. ;) zt mehrere Bücher im Monat.

Das soll die Wichtigkeit des Vorlesens nicht schmälern, aber so als Beispiel ... ;)

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Es gibt Bücher mit Kau-Ecken 😏 wobei da meist nur Bilder drin sind, richtig "Vorlesen" ist das ja nicht. Erzählen kann man trotzdem was dazu 😊

Wir haben solche Spielbücher und auch ganz normale. Bei den normalen fehlt natürlich auch schon die eine oder andere halbe Seite 😅 finde ich nicht schlimm. Anderen Spielsachen sieht man ja auch an, wenn sie oft benutzt werden 🤷

Die Spielbücher bekommt er beispielsweise auch beim Autofahren. Und dann sitzt er da manchmal und blättert und guckt dabei grimmig wie ein alter Mann in seine Zeitung 🤣

Fernseher lief bei mir als Kind auch in Dauerschleife 😅 aber tägliches Vorlesen gehörte trotzdem mit dazu.

Bei meinem Mann gab es kein Vorlesen - seine Eltern sind Analphabeten. Beide beteuern glaubhaft "aber ich kann lesen!" 🫠 ja, sie schaffen es, Buchstaben mühselig aneinander zu reihen. Aber: bis sie die Worte fertig aneinander gepuzzelt haben, haben sie vergessen wo sie waren. Also landet jeder, wirklich jeder Brief bei meinem Mann und mir um ihnen den Inhalt in verständlichen Worten zu erklären 😳 ich frage mich oft, wie sie es geschafft haben, so alt zu werden 🤪 irgendwie haben sie immer jemanden gefunden, der ihren Papierkram erledigt.

Mein Mann hat nen hundsmiserablen Schulabschluss. Als wir uns kennengelernt haben, hat er ähnlich "gut" gelesen wie seine Eltern. Mittlerweile liest er sehr sehr gerne und stellt immer wieder fest, wie viel Wissen ihm vorenthalten wurde, weil er nichts gelesen hat. Und: wie unsicher er und seine Eltern eigentlich durch die Welt gingen/gehen - während ich in fremder Umgebung aus reiner Gewohnheit alle Schilder erfasse und weiß, was es alles gibt und wo ich lang muss, stehen die Schwiegers hilflos rum und warten, bis irgendwer kommt und sie "an die Hand" nimmt 🥴 meinem Mann ist das mittlerweile sehr bewusst, meinen Schwiegers fällt es bis heute nicht auf 🤷

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Ich hab früh angefangen, vorzulesen. Schon aus Eigennutz: zum Lesen bin ich nicht gekommen, also hab ich den Zwillingskrümeln einfach meine Bücher vorgelesen. Verstanden haben sie das eh nicht, aber sie hörten gern zu.

Mit wachsendem (Sprach-)Verständnis kamen dann die altersentsprechenden Bücher. Inzwischen sind sie 26 Monate alt und echte Vorleseratten. "Buch angucken" war einer der ersten Zwei-Wort-Sätze. Es gehört zum Abendritual und sie fordern es auch tagsüber häufig ein.

Ist nur dann schwierig, wenn ein Buch hoch im Kurs steht, das ich komplett doof finde ("Schnubbeldibubbel", wat ne Grütze. Mein Freund: "Wir könnten es meiner Schwester schenken, ihre Kleine kommt doch langsam in das Alter." - Ich: "Ich dachte, du magst Lisa?!" - Er: "Meine Liebe zu ihr ist nicht so groß wie der Hass auf dieses Buch!" Gelandet ist es dann bei der Schwiegermutter als Plan C für Regentage..).
Meine Kollegin hat mich schon vorgewarnt, dass als nächstes die Conni-Phase kommt. Schwiegermutter hat zum Glück noch Platz im Regal.

Im Ernst: ich hab irgendwo gelesen, dass Kinder aus bildungsnahen Familien bis zum Schulstart so 1.600 Vorlesestunden im Gepäck haben (nagel mich nicht auf die Zahl fest, es war was Vierstelliges) und Kinder aus bildungsfernen irgendwas im niedrigen dreistelligen Bereich, und dass der Unterschied in der Schulperformance auch darauf zurückzuführen sei. Vorlesen gibt den Kindern quasi einen Startvorteil.

Bearbeitet von sneakypie
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"Schwiegermutter hat zum Glück noch Platz im Regal."

🤣🤣👍 Tolle Strategie 🤣

Ich hab die Stillzeit auch schon im Wochenbett zum Vorlesen genutzt. Sonst fällt einem doch die Decke aufn Kopf 🙃 da wurden dann auch mal Nachrichten vorgelesen 🤪

Wenn ich Briefe erledige oder das Amtsblatt lese, lese ich das auch laut vor und erkläre dann den Inhalt oder gebe Kommentare dazu ab (während er die Briefumschläge zerfleddert 🤣)

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Hahaha, die arme Schwester. 🤭

Ich hab auch ein Buch, das meine Kleine liebt, aber mein Mann und ich finden es doof. Da es noch neuwertig ist werden wir es für einen Bücherflohmarkt spenden. Wir sind die letzten im Familienkreis mit Kind, so dass wir es nicht weitergeben können...

Ein paar Pixis, die ich bekam und nicht leiden kann, hab ich der Maus schon mit 1 gegeben, in der Hoffnung, sie sind schnell kaputt. Aber sie zerstört lieber die Pappbücher und die Pixis muss ich heute, mit knapp 21 Monaten, immer noch jeden Tag lesen. 😭

Das mit eigenem Buch lesen hab ich am Anfang probiert, mit Harry Potter. Leider nur ein Kapitel geschafft... Irgendwie mochte sie es nicht. Hoffe, das ändert sich noch. 😆

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Ich hab von Anfang an vorgelesen, selber immer viel gelesen, Bücher gekauft, geliehen, getauscht..... lesen tun meine Kinder leider nicht wirklich gerne 🤷🏻‍♀️

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Woher weißt wie wer wann wo wieviel vorliest?
Ich mein, heutzutage würde eher weniger Eltern offen zugeben, dass sie ihrem Kind nicht/wenig vorlesen.

Nun zu uns.

Ich bin ehrlich, ich habe meinem Kind als Baby nicht „Vorgelesen“. Fand das irgendwie sinnlos/überflüssig...

Ja, wir hatten Baby-Spielbücher mit Klappen/Schiebern sowie Babybücher mit Farben/Bilder zum Erkennen. Da wurde eher damit gespielt oder wir haben sie angeguckt und ich fragte nach Farben/Gegenständen/Tieren usw. Es war mehr ein Spielzeug von vielen.

Erst ab 1,5 Jahren fingen wir das „richtige“ Vorlesen an und wir lesen nun seit 3 Jahren auch jeden Abend vor. Es gehört zum Abendritual 1 bis 2 Bilderbücher/Geschichten zu lesen. Wir gehen auch regelmäßig in die Bücherei und haben viele Kinderbücher Zuhause.

Manche Bücher kennt mein Kind auch auswendig, dann wird auch mir manchmal „vorgelesen".

Das Abendritual will ich so lange fortsetzen, wie mein Kind es wünscht.

Mir wurde als Kind nicht viel vorgelesen und als Legasthenikerin (mit AD(h)S) fiel es mir in der Grundschule tatsächlich sehr sehr schwer zu lesen. Meine Mutter hatte keine Lust mir vorzulesen und auch auf Nachfrage hat sie mir nicht vorgelesen. Zum Glück habe ich Comics entdeckt, das hat mir sehr geholfen mehr zu lesen, denn da ging die Story schneller voran und das reduzierte den Frust beim Lesen. Ich habe schon das ein oder andere Buch gelesen, aber am liebsten lese ich bis heute Comics.

Bearbeitet von IstEinRitual
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Ich selbst bin absolute Leseratte und das Lesen fehlt mir brutal seit ich Mama bin. Vorher 2Bücher in der Woche - jetzt 1 mit gefühlt 1000 Unterbrechungen in einem Monat, wenn's gut läuft.
Am Anfang hab ich meiner Kleinen(jetzt 7m) meine Bücher vorgelesen, aber da konnte ich mich Null auf den Inhalt konzentrieren. Dann hab ich mehrfach versucht Kinderbücher vorzulesen, bisher findet sie es einfach doof. Das einzige was ihr an Büchern gefällt, ist dass man die anknabbern kann. Irgendwann gibt's nen neuen Versuch, aber so macht das keinen Sinn. Aber jedes Kind ist anders, lese da auch was von Ankuscheln beim Lesen. Meine Maus will auch (noch) nicht kuscheln, die will Action...

Bearbeitet von MissMyBooks
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Ja, ich muss sagen, selber hab ich seit Geburt noch kein Erwachsenenbich sinnerfassend bis zum Ende gelesen 🤪

Mein Kleiner geht ja über Tische und Bänke, den setzt man auf dem Küchenboden ab, dreht sich kurz um und findet ihn auf dem Tisch wieder 😳 (obwohl er noch nicht mal frei läuft!)

Durch das Stillen ist das kuscheln vorm einschlafen trotzdem "Pflicht" und er braucht das auch zum runterkommen 😅 erst noch ne Runde richtig auspowern, Währenddessen setze ich mich schon in sein Bodenbett, und irgendwann kommt er dann dazu und kuschelt sich ran 🥰

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Ach je, die tollen Studien....

Okay, hier etwas Realität: Mir wurde als Kind nie vorgelesen, ich selber war ab dem Lesestart eine totale Leseratte.

Meine Tochter fand das doof, gemeinsam Bilderbücher anschauen...abgelehnt, die Dame hat sich lieber alleine damit beschäftigt, ganz besonders wenn die Bücher neu waren. Nach ausgiebiger Eigenstudie durfte ich ihr dann was dazu erzählen, aber bitte nicht zu viel und ich sollte mich auf ihre Fragen konzentrieren. Und sie konnte einen verdammt bösen Blick aufsetzen, wenn wir Erwachsenen uns da zu sehr eingemischt haben.

Vorgelesen bekommen, nee....fand sie blöd. Die einzige Variante, die klappte, waren erst später diese Bücher wo Wörter durch Bilder ersetzt wurden und nach dem Schulstart "Erst ich ein Stück und dann du". Das war es.

Nach dem Schulstart lernte sie innerhalb kürzester Zeit lesen, also richtig lesen...flüssig. Bis zum Ende der ersten Klasse fand sie es cool uns vorzulesen....im zweiten Halbjahr durften wir in den Büchern die Stellen für die Kids mitvorlesen, sie hat die Stellen für die Erwachsenen vorgelesen. Intuitiv mit passender Betonung.

Seit der 2. Klasse ist das alles wieder erledigt, meine Tochter verschlingt Bücher, gemütlich im Bett....aber ungestört.

Auf jedem Elternsprechtag konnte ich mir anhören, das man bei meiner Tochter so deutlich merken würde, wie engagiert wir doch waren und ihr viel vorgelesen haben. Ich musste dann immer schmunzeln, in der 4. Klasse hat meine Tochter selber das dann aufgeklärt. Die Klassenlehrerin war mehr als erstaunt.

Nach dem Schulwechsel kam die Anweisung der Deutschlehrerin an alle Kinder der Klasse, das die Kinder doch regelmäßig den Eltern vorlesen sollen. Mein Kind reagierte darauf nur mit einem Augenrollen.

So, in meinem engen Umfeld haben viele einen großen Bohei um die Vorleserei veranstaltet....inkl. Vorlesen in der Schwangerschaft und Babyzeit. Nur ganz wenige Kinder sind später lesebegeistert gewesen und auch nicht aus allen sind gute Leser geworden. Ich habe öfter den Satz gehört: "Ich verstehe das nicht, wir haben dem Kind doch so viel vorgelesen.". Gerne von den Leuten, die mir früher immer Vorträge über diverse Studien gehalten haben und behaupteten, das unsere Tochter später Schwierigkeiten in der Schule bekommen würde, weil wir nie/kaum vorlesen.

Mein persönliches Fazit: Es steckt im Kind selber, ob es Bock auf Bücher hat oder nicht. Und gerade im Hinblick auf die überengagierten Eltern in meinem Umfeld....deren Kinder haben jeglichen Anreiz verloren, selber lesen (lernen) zu wollen. Ihnen wurde in Dauerschleife von kleinauf vorgelesen, als Teil eines Rituals. Bücher sind Bestandteil eines Rituals gworden, mehr nicht.

So vielen Kindern wurde früher überhaupt nicht vorgelesen, höchstens Geschichten erzählt (was ja auch ein wundervolles Ritual ist). Aus vielen wurden trotzdem lesebegeisterte Erwachsene. Ich glaube einfach nicht daran, das die frühe Vorleserei da irgendwelche Weichen für das spätere Leseverhalten stellt. Viel wichtiger als Vorlesen ist doch der Zugang zu Büchern, damit steht und fällt meiner Meinung nach alles.

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Ich finde das ist zu vereinfacht, es auf das Kind abzuwälzen.

Kinder haben einen größeren Wortschatz, wenn ihnen vorgelesen wird oder auch wenn viel mit Ihnen gesprochen wird, sie mal Hörbücher hören, etc. Aber das wichtigste ist der Dialog, also kann es auch das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern sein oder darüber zu sprechen, was man sieht und wahrnimmt während man einen Spaziergang macht.

Wenn ihr nicht vorlest, aber alles andere macht, ist das ja super und man wird es dem Kind anmerken.

Aber oft sind es eben bildungsferne Haushalte die weder vorlesen, noch nennenswert mit dem Kind in den Dialog treten. Und dann sind die halt hinten dran und zwar nicht nur beim Wortschatz, sondern auch bei Konzentration, Verbalisierung der eigenen Emotionen, etc.

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Das ist aber echt übertrieben pauschalisiert.

Sollte es wirklich so sein wie du schreibst, hast du Glück. Ich sehe es so wie meine Vorschreiberin, Vorlesen vergrößert den Wortschatz, regt die Fantasie an, fördert die Konzentration und erweitert den Horizont. Es vergrößert die Allgemeinbildung, vertieft die Bindung, ist gemütlich und entschleunigt den Alltag.

Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten, das zu erreichen, es gibt ja sogar Eltern, die all diese Attribute dem Fernsehen zuschreiben.

Zu behaupten, dass von den Kindern, denen vorgelesen wurde, „ganz wenige“ lesebegeistert oder gute Leser wurden, ist schon ne Nummer, auch wenn du es auf Dein Umfeld beziehst. Mehr oder weniger subtil vermittelst du ja damit, dass Vorlesen völlig egal, eher sogar kontraproduktiv ist, um zu rechtfertigen, dass ihr es nie gemacht habt. Hat ein Geschmäckle.

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Ich lese mit 9 Monaten noch nicht vor. Er schaut auch gerne die Bücher an, blättert aber so schnell, dass man gar nichts dazu sagen kann. Außerdem stört es ihn, wenn ich etwas vorlese, dann schmeißt er das Buch weg, alleine beschäftigt er sich viel mehr damit.

Mir fällt dieses ständige mit dem Kind reden schwer. Ich erzähle nur etwas wenn es wirklich etwas gibt, den ganzen Tag Selbstgespräche kann ich einfach nicht führen 🙃

Mein Mann hat sich lesen selbst beigebracht, und ich hatte schon immer Schwierigkeiten in der Schule damit. Uns beiden wurde nicht übermäßig viel vorgelesen. Seit der 4. klasse Lese ich sehr sehr gerne, mein Mann dafür seit der 6. klasse kein einziges freiwilliges Buch mehr

Bearbeitet von Ysi4