Meine 3te Geburt- ich hab es mir anders vorgestellt :-(

Da ich die Geburtsberichte selber gerne lese, schreibe ich heute mal von meiner dritten Geburt, die ich mir leider so nicht vorgestellt habe.

Am 30.06 genau bei 40+0 ( und Zeugnistag der Geschwister) wachte ich in der Früh auf, weil ich aufs Klo musste und irgendwie unten rum nass war. Ich merkte dann schnell, dass es nicht nur Pipi war, sondern ich wohl einen Blasensprung hatte- es hörte einfach nicht auf zu rinnen. Wehen hatte ich zu dem Zeitpunkt keine.

Ich informierte die Oma, die sich dann auf den Weg machte und wir fuhren ins Spital, wo wir so gegen 07:30 ankamen und wir uns mit meiner Ärztin trafen. ich wurde ans ctg gehängt, wehen nicht wirklich sichtbar, zwar immer wieder mal Kontraktionen aber nichts von Bedeutung. Muttermund auch erst fingerdurchlässig. Wir wurden dann auf die Station verlegt und hatten den Auftrag erstmal spazieren zu gehen und stiegen zu steigen. Gesagt getan, liefen wir durch das Krankenhaus und vertrieben uns so die Zeit bis 13h, wo ich immer wieder in unregelmäßigen Abständen leichte bis mittlere Wehen hatte. Es folgte eine erneute Kontrolle- Muttermund zu. Wir gingen also wieder spazieren und diesmal merkte ich wehen, die ich bereits veratmen musste, aber die gut aushaltbar waren. Um 14:15 kam ich erneut ans ctg, diesmal sitzend, weil liegend schon sehr unangenehm. Deutlich sichtbare und spürbare Wehen. Um 15:20 wurde ich erneut vaginal untersucht - Muttermund 3 cm - ich durfte also rüber in den Kreißsaal. Meine Ärztin wurde informiert, dass es einen Fortschritt gibt, aber dass es wohl noch dauert. Dort angekommen wurde ich um 15:30 erneut von den Hebammen untersucht, noch immer 3 cm. Sie fragten mich, ob ich gerne in die Wanne möchte, was ich bejahte und meinten, dass sie mir nun ein Zäpfchen geben ( Belladonna), damit der Muttermund noch schon weich wird. Ich fragte noch, ob das eh nix schlimmes ist, weil ich keine Interventionen wollte- es hieß „nein, nein, dass ist nur pflanzlich“. Kaum war das Zäpfchen drinnen, wurde mir übel, ich musste Erbrechen und hatte einen heftigen Wehensturm. Um 15:45 meinte ich dann, dass ich fast eine Art Pressdrang habe. Das würde es nicht geben, meinte die Hebamme, schließlich sei ich ja erst bei 3cm. Sie untersuchte mich erneut- 8 cm. Ich ging dann trotzdem in die Badewanne, und dann ging es schon los mit den Presswehen, die wirklich heftig waren. Meine Ärztin war immer noch nicht da, erst bei den letzten zwei Presswehen kam sie hinzu. Sie stand zu dem Zeitpunkt hinter mir, die Hebammen vor mir. Ich weiß dann nur noch, dass die Ärztin bei der letzten Presswehen sowas wie „holt sie jetzt raus“ zu den Hebammen sagte. Die haben das irgendwie nicht gemacht,so wie sie das wollte und die Ärztin hat sie dann weggedrängt, und meine Tochter bei der letzten Wehe rausgezogen, da war es 16:35 Wir wussten schon in der Schwangerschaft, dass sie die Nabelschnur um den Hals hatte, was aber laut Ärztin nicht weiter schlimm war. Ich hab nur gesehen, dass sie grau war, sich nicht bewegt und nicht geschrieen hat. Ich dachte wirklich kurz, dass sie tot ist, es war ganz furchtbar. Ab da ging dann alles sehr schnell und alle waren in „stiller Panik“. Meine Tochter wurde von der Ärztin abgenabelt ( mein Mann hätte das so gerne gemacht), und sofort weggebracht. Ich hab nur noch zu meinem Mann gesagt „ geh bitte nach“ ( er war völlig überfordert damit) und ich lag dann dann in der Wanne und wusste nicht wie mir geschieht. Die Hebammen beruhigten mich, dass alles gut sei, sie sei nur im Schock und müsste ein wenig unter die Wärmelampe. Ich musste dann raus aus der Wanne, weil ich die Plazenta nicht in der Wanne gebären durfte. Wieder im Kreißsaal und für mich gefühlt eine Ewigkeit später, kam dann mein Mann mit meiner Tochter im Arm und ich konnte einen ersten Blick auf sie werfen. Sie war wunderschön. Leider musste sie dann erneut weg, weil die Hautfarbe wieder nicht passte, ich wurde inzwischen versorgt- ich hatte ziemlich heftige Geburtsverletzungen- einen zervixriss und einen Dammriss und musste sehr lange genäht werden. Mein Mann kam dann erneut in den Kreißsaal, er musste aber weiter unter der Lampe mit ihr bleiben. Erst eine Stunde später bekam ich meine Tochter auf die Brust gelegt, und konnte sie anlegen.
Meine kleine Maus hat mit 49cm und 2985g das Licht der Welt erblickt. Ihr kopfumfang war 32 cm.
Ich habe dann später nochmal mit meiner Ärztin geredet, sie meinte, die Nabelschnur sei sehr kurz gewesen und nachdem ich in der Wanne war und die Hebammen mich nicht ordentlich „mobilisiert“ haben ( man braucht wohl einen Platz nach unten und die Hebammen hätten mein Becken heben müssen, was nicht passiert ist), habe sie dann so schnell handeln müssen. Auf meine Frage, was gewesen wäre, wenn sie nicht da gewesen wäre, meinte sie, dass die Hebammen es wohl geschafft hätten, aber so wertvolle Minuten vergehen, wo meine Tochter keinen Sauerstoff gehabt hätte. Auch sei meine Maus im Schock gewesen, weil alles so schnell ging. Das hab dann wohl dazu geführt, dass sie sich nicht bewegt hat und in einer Art Starre war.

Im Nachhinein bin ich natürlich nur dankbar, dass es meiner Tochter gut geht und wir alle gesund sind. Vorgestellt habe ich es mir dennoch anders. Gerade weil meinen beiden letzten Geburten zwar auch schnell, aber völlig unproblematisch verliefen. Da sieht man mal wieder: jede Geburt ist einzigartig, aber immer wieder aufs Neue unglaublich überwältigend. ❤️

1

Das ist ja der Wahnsinn. Mein 3. Kind hatte auch die Nabelschnur um den Hals. Es hiess, dass sofort bei Geburtsbeginn dauernd CTG Übetwachung sein muss, um zu erkennen, ob die Nabelschnur zu kurz ist. War sie dann glücklicherweise nicht. Mein Mann hat erzählt, dass irgendein Spezialgriff angewandt wurde, um die Nabelschnur noch im Geburtskanal vom Hals zu lösen, was auch gelang. Das ist doch in der Wanne nicht möglich? Warst du in einer schlechten Klinik? Glücklicherweise scheint alles einigermassen gut gegangen zu sein.