Frage an Mehrfachgebärende: Pressen oder Schieben?

Nach meiner ersten Geburt mit mehren Stunden Pressphase (Pressen wurde angeleitet durch die Hebamme), frage ich mich ob ich es bei der nächsten wieder so machen soll/möchte.

Oder ob es nicht sinnvoller ist (im Hinblick auf meinen sehr in Mitleidenschaft gezogenen Beckenboden und doch einigen Geburtsverletzungen) sich mehr auf das „schieben“ einzulassen. Nicht mehr so aktiv zu Pressen.

Hat sich jemand damit auseinandergesetzt und umgesetzt und kann mir von seinen Erfahrungen berichten?

Für alle die zum ersten Mal von hören. Es ist sehr interessant sich damit mal auseinandersetzen. Im Hinblick auf Geburtsverletzungen, Beckenboden, u.s.w.

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Da häng ich mich mal dran 😅

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Pressen ist meiner Meinung nach auch ein komplett falscher Begriff für die Austreibung eines Kindes.
Man schiebt das Kind ja raus. Pressen ist veraltet und sollte eigentlich gar nicht mehr als Anweisung an gebärende Frauen gegeben werden.
Durch reines Pressen verliert man die Energie in den gewünschten Zonen und sie geht eher nach oben, was die Frau viel mehr Anstrengung kostet.
Man sollte seine Energie vom obersten Teil bis zum untersten Teil der Gebärmutter (wie Wellen) durchrollen bzw durchschieben. Das ist am effektivsten. Ob es nun etwas an deinen Geburtsverletzungen geändert hätte, glaub ich nicht. Ich hab geschoben und bin dennoch zweiten Grades gerissen. Manchmal ist es die eine kleine Millisekunde, die dich reißen lässt. Das kann durch kurze veränderte Atmung, Zuckung oder sonstiges passieren und ist nicht aufhaltbar oder berechenbar.

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Klar, das mit den Geburtsverletzungen kann man nie sagen.

Aber es ist Fakt, dass es durch das pressen eher zu welchen kommen kann. Wie ja auch das auf dem Rücken liegen, eher Geburtsverletzungen begünstigt.

Doch meine Überlegung ist, WIE fühlt sich das schieben an? Ich hatte ja schon auch irgendwie den Dran zu pressen, weißt du was ich meine? Aber hätte ich nicht so massiv pressen sollen? Sondern eher “sanfter“?

Anscheinend ist aber auf jedenfall dieses Luft anhalten und dann pressen, wohl garnicht gut. Sondern dass man beim „schieben“ wohl versuchen soll, den Mund entspannt zu lassen, z. B. durch tönen. Wenn ich das richtig verstanden habe. Denn Muskulatur vom Mund überträgt sich wohl auf die des Muttermunds. So in der Art.

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Genau, die Mundmuskulatur wirkt sich unmittelbar auf den Muttermund und die Beckenbodenmuskulatur aus.
Es im Schreiben zu erklären ist auch echt etwas schwerer. Hoffe ich bekomme das hin😅
Am besten kann man das üben, indem man sich sehr mit sich und seiner Atmung konzentriert. Leg dich dazu mal flach hin und leg deine Hand mittig auf den oberen Teil des Bauches, quasi auf der Höhe wo die Lungen ihr Ende finden. Dann atmest du ganz bewusst zwei- bis dreimal tief ein und versuchst zu spüren wie die Luft in deine Lungen strömt. Nimm wahr von wo bis wo diese Luft geht. Während der Presswehen musst du dich dann daran erinnern und diese Luft (Energie) quasi einfach weiterschicken. Anstatt, dass die Luft und damit die Energie, in den Lungenspitzen endet, versuchst du sie weiter nach unten zu rollen/schieben. Die Wehen starten auch oben und rollen nach unten aus. Darum soll man auch mit den Wehen gemeinsam arbeiten. Meine Hebamme hat das damals echt toll mit mir geübt bzw mir diese Übungen gezeigt und sie mir echt toll erklärt. Ich hoffe ich konnte es wenigstens halbwegs gut umschreiben. Pressen findet nämlich meistens unter Verkrampfung und im Gesicht statt, was nicht so förderlich bei einer Geburt ist.
Nimm dir bei der Geburt auch gerne die Schwerkraft zur Hilfe, wenn deine Beine das mitmachen. Bei meinem Sohn hat es leider nicht geklappt und ich musste in Seitenlage entbinden. Der Vierfüßler oder Stehend war mir leider nicht möglich, da mir die Beine ständig weggesackt sind.

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Hallo,
Ich habe vor kurzem das 5. Baby bekommen und ich muss sagen, ich musste ab Baby Nummer 3 nur ganz kurz für das Köpfchen pressen, der Rest lief alleine. Da war kein pressen mehr nötig 😄 sie flutschten von alleine raus. Hatte aber auch seitdem keine Geburtsverletzungen mehr, ob es daran lag oder am heublumendampfbad, weiß ich nicht 🤷‍♀️

Liebe Grüße 🍀❤️

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Ich hatte bis jetzt immer nur ganz leichte Verletzungen. Ehrlich gesagt haben ich weder gepresst noch geschoben, sondern mein Körper hat das ganz von allein gemacht und ich musste mich eher aufs loslassen konzentrieren.

Auch die Geburtsposition ist entscheidend. Ich hab meine Kinder im Vierfüßlerstand entbunden.
In welcher Position hast du denn entbunden?

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Das war ja das Elend, ich habe fast vier Stunden dauergepresst, im Vierfüßler, und irgendwann konnte ich einfach nicht mehr mich halten und habe dann ganz „klassisch“ auf dem Rücken entbunden. Ich habe nur noch gezittert vor Erschöpfung.

Aber eben die ganze Zeit bei jeder Presswehen kräftig mitgepresst. Und das waren viele 😅 denn durch die Einleitung gab es nicht wirklich Wehenpausen.

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Oh wie fies ... ich hatte das Glück nie eingeleitet werden zu müssen, obwohl ich jedes mal ziemlich weit über den Termin ging. Solche Geburten wie deine sind häufig anstrengender, schmerzhafter und komplizierter. Vielleicht musst du ja diesmal nicht eingeleitet werden, das kann auch schon helfen.

Konnte man dir sagen warum du so lange in der pressphase warst?

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Ich kann nicht beurteilen wie es bei anderen ist, aber ich habe vier Kinder vaginal geboren und hab nie eine Anleitung gebraucht. Mein Körper hat alleine das Signal gegeben was zu tun ist und ich habe mich diesem Gefühl gefügt. Egal ob man das pressen oder schieben nennen mag, es ist etwas eigenständiges und das Allerwichtigste dabei ist es, sich völlig darauf einzulassen, es zu fühlen und sich gedanklich nicht zu hemmen.

Wieso das bei dir so lang gedauert hat ist tatsächlich sehr untypisch. Evtl kannst du von Natur aus nicht genau fühlen, was dein Körper an Aktion erwartet. Ich habe übrigens alle Kinder auf dem Rücken entbunden und das war nie ein Problem.

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Ja, das habe ich nun im Nachhinein auch erfahren, dass eine so lange Pressphase wohl nicht Standard ist.

Es war aber auch Einleitung und eine Geburt aus Beckenendlage.

Vielleicht verhält es such bei natürlichen Wehen anders? 🤷🏼‍♀️

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Ich hatte eine Einleitung und da war die Pressphase relativ identisch wie bei den anderen Kindern. Gut, BEL ist natürlich nochmal schwieriger, aber rechtfertigt eigentlich auch keine 4 Std.

Du kennst sicher das Aufzug fahren bei den Beckenbodenübungen. Das macht man häufig bei der Rückbildung. Oder beim Pilates das Anspannen der Mitte, indem man den Schambereich zum Bauchnabel zieht. Es ist also quasi beim Pressen/Schieben umgekehrt wie bei der Rückbildung wo man den Aufzug innerlich nach oben fährt. Es ist, als würde man mit den Muskeln im Beckenboden nach unten fahren und aber nicht aufhören so lange die Wehe aktiv ist. Alle Konzentration geht ausschließlich auf diese inneren Muskeln. Als wollte man sein inneres nach außen befördern. So habe ich das empfunden. Gleichzeitig muss man dabei den Beckenboden entspannen und darf nicht verkrampfen. Das habe ich damit erreicht, dass ich mich mit den Armen ins Seil gehangen habe und dort all meine Anspannung gelassen habe.

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Ich weiß nicht ob es der Tipp der Hebamme war oder ich einfach nur Glück hatte aber sie meinte, man soll in der pressphase auch die Lippen (am Mund 😅) lockern, nicht zusammenkneifen sondern zB ein O formen weil das irgendwie im Körper zusammenhängt. Ich weiß noch wie ich unter Schmerzen daran dachte, es klappte sofort und der kleine kam blitzschnell raus 🤷‍♀️ Vielleicht hilft das ja auch jemanden hier 😅

LG

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Hallo. Meine erste Geburt fand auch unter kompletter Anleitung statt. Geburt nr zwei sollte definitiv anders werden. So kam es dann auch. :)

Ich musste erstmal vertrauen in meinen eigenen Körper finden, mithilfe von Atemübungen und einem sehr interessanten Buch (hypnobirthing) hat es wunderbar funktioniert. Ich fing an mich auf die Geburt zu freuen. Mit jeder Welle habe ich laaaange ein und ausgeatmet, und so automatisch das Baby „angeschoben“. Ich hatte weniger schmerzen und Verletzungen, und ganz viel stolz es selbst geschafft zu haben. So kam auch Kind nr drei zur Welt und ich bin sehr zuversichtlich das es auch diesmal wieder eine schöne Geburt wird.

Lg

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Mein zweiter Sohn kam in der Geburtswanne zur Welt. Auch ich habe nicht aktiv gepresst sondern meinen Körper machen lassen. Ich habe mich darauf konzentriert alle Muskeln zu entspannen. Vor allem Pomuskeln und Beckenboden. Als dann die erste Presswehe kam habe ich mich nur auf die Entspannung konzentriert und das natürliche Pressen meiner Gebärmutter einfach nicht unterbrochen.
Die Geburt wurde eingeleitet mit Wehentropf. Ich hatte keinerlei Geburtsverletzungen und mein Sohn hatte 4120gr. Sie dauerte vom Anlegen des Wehentropfs bis zur Geburt 4,5 Stunden mit 2,5 Stunden schmerzhaften Wehen. Ich hatte drei Presswehen.
Meine erste Geburt war der Horror und ich denke es lag daran, dass mir die Hebamme gesagt hatte, ich dürfe nicht pressen als ich eine Presswehe hatte. Somit habe ich den Drang unterdrückt. Im Nachhinein ein Riesen Fehler.
Das beste ist einfach Entspannung und Vertrauen auf den eigenen Körper.