Uneinig bei Betreuung - Erziehung - Arbeiten

Hallo,
Mein Partner und ich denken über ein gemeinsames Kind nach, schon seit Jahren.

Ich kann mich aber nicht mit seinen Vorstellungen von Familienleben und der zukünftigen Aufgabenverteilung anfreunden.

Daher ist der Kinderwunsch bei mir im Moment einfach nicht mehr da.
Das hab ich ihm am Wochenende gesagt und jetzt ist er eingeschnappt und wirft mir Verrat an unseren gemeinsamen Plänen vor.

Wir hatten uns schon so oft über unsere Vorstellungen unterhalten, wie es mit Kind laufen soll und da scheitert es einfach an einer gemeinsamen Grundlage.
Ich möchte nach 8 Wochen wieder arbeiten, das hab ich bei meinem ersten Kind mit meinem damaligen Mann auch gemacht.

Ich bin selbständig und mir ist meine finanzielle Unabhängigkeit wichtig.
Natürlich bin ich bereit, meine Arbeitszeiten anzupassen und würde sehen, dass ich am Nachmittag nach Hause komme.
Mein Mann meint ich soll 3 Jahre zu Hause bleiben, er selbst ist aber weder bereit Elternzeit zu nehmen, z.b für 6 Monate, noch will er einen Antrag auf Teilzeit stellen. Er möchte aber auch keine frühe Betreuung in Kita oder bei der Tagesmutter.
Er ist Beamter und das wäre kein Problem, er will einfach nicht.
Mit seiner ersten Frau hat er zwei Kinder, sie hatten die klassische Rollenverteilung, sie zu Hause die ersten Jahre, danach Teilzeit, aber nachmittags war sie immer da.
Ich vermisse seine Bereitschaft sich um unser Kind zu kümmern, insbesondere wenn ich nach 1 Jahr meine Tätigkeit mit langen Arbeitstagen und auch Reisen wieder aufnehmen werde.
Er fand meine Unabhängigkeit und meinen Unternehmergeist immer toll, aber wenn es um die Rollenverteilung geht, sobald Kinder ins Spiel kommen, wird er zum Spießer, der die Frau zu Hause sieht während er das Geld verdient.

Ich hab mir ein Geschäft aufgebaut mit 20 Angestellten das gebe ich nicht auf und das kann ich auch nicht jahrelang delegieren.
Ich hab ihm gesagt, dass es für ihn doch viel einfacher wäre, als Beamter drei Jahre zu Hause zu bleiben, aber er sagt dann wäre seine Position weg.
Es ist von Vorteil dass wir das jetzt ansprechen bevor wir ernsthaft an einem Kind arbeiten.

Geht es nur uns so, oder werden bei der FamilienGründung die Rollen nochmal neu verhandelt?

Ich hab es schon oft im Freundeskreis mit- bekommen, dass ehemals gleichberechtigte Beziehungen, wo beide Vollzeit arbeiten, annähernd gleich verdienen, sich den Haushalt teilen und beide sich ihre Freiräume gönnen, in Richtung traditionelle Rollenverteilung rücken wenn das erste Kind kommt und sich das mit jedem weiteren Kind noch mehr verfestigt.

Auf einmal verdient der Mann das Geld für die Familie größtenteils alleine, sie übernimmt die Hausarbeit zum größten Teil und betreut auch die Kinder fast alleine. Ist das unausweichlich? Ein naturgegebener Automatismus?
Meine Freundinnen finden das auch alle ok und fühlen sich offenbar wohl in dieser Konstellation.

Aber ich möchte das nicht in der Form.

Und das hab ich meinem Mann so gesagt.

Er meint aber, dass das der normale Lauf sei und sobald Kinder kommen, die Frau in erster Linie für die Kinder sorgen sollte.

Vorher wäre er sehr dafür, dass sie Karriere macht, gutes Geld verdient usw.
Aber mit Kindern wären ihm bei einer Frau dann andere Dinge wichtig, also sie soll dann komplett umdenken, ihre vorher wichtige Berufstätigkeit soll ihr dann unwichtig sein und sie soll dann ihren Lebensmittelpunkt zu Hause sehen.
Wie soll das funktionieren?
Das käme ja einer kompletten Persönlichkeitsänderung gleich.
Vor dem Kind: beruflich erfolgreich und karriereorientiert, damit der Mann das Frauchen stolz präsentieren kann.
Und nach der Geburt: Vollblutmama deren wichtigster Lebensinhalt das Kind ist ..
Ich komm da nicht mit...
Ist es da verwunderlich wenn ich unter den Voraussetzungen kein Kind möchte?

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Lasst es, dem Kind zuliebe.

Ihr wollt beide arbeiten und karriere, wieso muss denn dann noch ein Kind her.
Und nein, die Rollenverteilung muss nicht so sein, aber einer von beiden wird zurückstecken müssen. Und vor allem auch wollen. Die Baby Zeit ist wunderschön in deinen Beitrag lese ich sie aber eher als last, die keiner von euch so tragen will
Lass es, sonst schreibst du hier irgendwann den xten Thread, dass du unglücklich bist, ein Kind bekommen zu haben.
Dein leben scheint für dich schön zu sein, geniesse es. Man kann nicht alles haben.

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Hey Du,

da du bereits ein Kind hast, weißt Du wohl, was Du willst...

Ich wär froh, wenn wir uns die klassische Rollenverteilung leisten könnten.... Ich wär absolut gern mehr für mein Kind da.... :(

Ich hoffe ihr findet eine gute Lösung... Vielleicht ja jeder die gleiche Zeit zu Hause. Er 6 Monate und du auch 6 Monate....

Alles gute für euch!

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Ja, man hört es leider öfter, dass die Rollen dann neu verhandelt werden.

Wie stellt sich Dein Mann denn den weiteren Weg Deiner Firma vor? Mit 20 Mitarbeitern trägst Du jede Menge Verantwortung. Das kannst Du kaum 3 Jahre delegieren. Was wäre die Alternative? Die Firma schließen und alle Mitarbeiter entlassen? Wohl kaum.

Bei mir war die Situation ähnlich. Ich selbständig, mehrere Mitarbeiter etc. Mein Mann - zwar nicht Beamter - aber Angestellter in einem großen Unternehmen. Und ja, mein Mann hat ganz selbstverständlich den großen Teil der Elternzeit übernommen. Und auch jetzt, wo wir beide wieder arbeiten kümmert er sich genauso um den Kleinen wie ich.

Ich bin sehr froh, dass dies auch nie zur Debatte gestellt wurde durch meinen Mann. Und das obwohl seine Eltern auch die klassische Rollenverteilung vorgelebt haben. Sollten wir noch einmal Nachwuchs bekommen, würden wir voraussichtlich beide in Teilzeit gehen.

Sollte Dein Mann uneinsichtig bleiben, wünsche ich Dir starke Nerven. Du wirst dann eine Entscheidung treffen müssen so oder so. Die Ansicht Deines Mannes erscheint mir jedenfalls antiquiert.

Viele Grüße

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"Ich hab ihm gesagt, dass es für ihn doch viel einfacher wäre, als Beamter drei Jahre zu Hause zu bleiben, aber er sagt dann wäre seine Position weg."

Da er offenbar einen großen Kinderwunsch hat, muss er in den sauren Apfel beißen oder auf Kind(er) verzichten.
Er weiß doch, dass Du eine Firma hast und es wäre wirklich einfacher, wenn er zu Hause bleibt.

Da er sich darauf nicht einlassen möchte, gibt es kein Kind. Ihr habt beide keine Zeit dafür, dann lasst es besser.

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Hallo!

Zugeben muss man aber, dass viele Frauen durchaus ein wenig zum Glucken neigen. Sie wollen wenigstens einige Monate voll Stillen und schon alleine dafür ist ihre Anwesenheit beim Baby ja erforderlich. Und auch danach fällt vielen Frauen die Abgabe in die Fremdbetreuung schwer, insbesondere eine zeitlich lange Trennung von ihrem Kind.

Du hast da offenbar einfach keine so extrem mütterliche Ader, bzw. vertraust darauf, dass sich der Vater oder eine Tagesmutter ebenso liebevoll kümmern kann wie Du - wenngleich das mit dem Stillen schwierig sein dürfte.

Du hast da eben andere Prioritäten als viele andere Frauen, aber so bist Du und so hat er Dich auch als Partnerin ausgesucht. Du machst nicht den Eindruck, als ob Du mit der Hausfrauenrolle leben könntest. Also wird es bei euch besser keine gemeinsamen Kinder geben.

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Ich habe meine große Tochter nicht gestillt und habe das auch nie gewollt und würde das auch nicht machen.

Das ist ja etwas was kein Muss ist, man kann sich dafür und auch genauso dagegen entscheiden.

Ich hatte nie ein Problem mein Kind dem Vater, der Tagesmutter oder der Oma zu überlassen.

Auch nicht mit wenigen Wochen.
Warum sollte ich auch nicht darauf vertrauen dass ein Vater sich genauso gut um sein Kind kümmern kann wie die Mutter? Das ist doch selbstverständlich, davon auszugehen und nichts Unmütterliches.
Ich halte es nicht für notwendig, dass eine Mutter sich monatelang ausschließlich ums Kind kümmern soll bzw.habe auch gar nicht den Anspruch an mich das zu tun.
Anscheinend hat es da in den 15 Jahren, die seit der Geburt meiner Tochter vergangen sind, eine Entwicklung gegeben, die sehr stark vorgibt was Mütter zu tun haben: Stillen wird heute vorausgesetzt?
Vor 15 Jahren wurde ich im Kreisssaal gefragt ob ich stillen möchte und ein einfaches Nein hat ausgereicht.

Ich bin 10 Tage nach der Geburt wieder zur Uni, meine Tochter war bei meinem Mann bzw. bei meiner Mutter.

Niemand in meinem damaligen Umfeld hatte da den Eindruck geäußert, dass ich mich ungewöhnlich leicht trennen kann vom Kind oder dass ich wenig mütterlich sei. Das war genauso akzeptiert wie die Studenten die sich ein Semester Auszeit genommen haben nach der Geburt.

Ich hatte in der Unikita, wo meine Tochter mit 4 Monaten hin gegangen ist, einige Kontakte zu Studentinnen die auch sofort weiter studiert haben und ihr Kind selbstverständlich ganztags in der Kita gelassen haben oder eben beim Vater oder der Oma/Opa.
Irgendwie kommt es mir so vor, als wären die Grenzen dessen was heute von Müttern erwartet wird, viel dogmatischer und verbissener als früher.

Stillen oder nicht: ist eine völlig freie Entscheidung der Mutter da heute noch erwünscht?

Kita oder Tagesmutter : erst ab 1 oder 2 Jahren akzeptabel? Alles was früher ist, ist ungesund oder weißt auf mangelnde Muttergefühle hin? Oder auf mangelndes Interesse am Kind?
Ist das so einfach?

Ich denke, dass viele Frauen sich gar nicht mehr frei entscheiden können wie sie selbst ihr Leben mit Kind gestalten wollen weil diese Gestaltungsspielräume heute kaum noch vorhanden sind.
Wenn man nicht stillt oder nach 8 Wochen wieder arbeiten will, wird einem ja schon mangelder Mutterinsinkt unterstellt. ...oder sehe ich das falsch?

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Dass Stillen mit Abstand das Beste für das Kind ist, das Baby dabei Antikörper der Mutter übernimmt, die es vor Krankheiten schützen - und die man nicht in Pulvermilch nachbilden kann - das wusste man schon vor 20 Jahren. Nur hat es Dich offenbar nicht interessiert. Klar kann man Babys auch mit dem Fläschchen groß bekommen, aber es ist die schlechtere Alternative und nur ein Ersatz.

Wenn eine Frau aber von Anfang an ganz klar nicht Stillen will, dann kann man sie aber auch nicht zwingen, es ist ihr Körper. Ebenso wie man sie nicht zwingen kann, mehr an ihrem Baby zu hängen. Klar ist auch der Vater oder eine Kita in der Lage, gut auf das Baby aufzupassen, aber doch, ein klein wenig Trennungsschmerz würde man schon erwarten.

Meine Mutter ist auch nach dem Mutterschutz wieder arbeiten gegangen, aber es ist ihr immerhin schwer gefallen. Und das Stillen hat sie versucht, auch wenn es nicht geklappt hat. Merkst Du den Unterschied?

Du bist eben kein besonders "mütterlicher" Typ sondern eher die toughe Sorte Frau, die ihren Weg geht ohne sich aufhalten zu lassen. Und Dein Umfeld wusste das auch und hat deswegen gar nicht erst diskutiert. Das ist ja auch durchaus ok, dass Du so bist, aber ich weiß nicht, ob das so die ideale Einstellung ist, um Kinder zu bekommen.

Einfach weil es für die Kinder schade ist, wenn die eigenen Eltern sie eher als lästige Pflicht wahrnehmen, statt sie vorbehaltlos zu lieben.

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Unter den Voraussetzungen würde ich kein Kind bekommen. Da sind so grundverschiedene Vorstellungen vom Familienkonstrukt, dass ich auch nicht darauf vertrauen würde, dass er etwaige Zusagen einhalten würde, wenn du erst mal schwanger bist.

Ich habe es übrigens aus genau dem Grund auch gelassen. Wir sind uns über die Modalitäten nicht einig geworden, also waren die Voraussetzungen für Elternschaft nicht da.

Ich finde, das sollte man sich nüchtern eingestehen.

LG

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Hallo,
ja, es gibt sogar Studien dazu, daß das erste Kind der größte "Traditionalisierer" ist.

Ich nehme das in meinem Freundes- und Bekanntenkreis auch mit Befremden wahr - merke aber auch am eigenen (beruflich selbständigen) Leib, daß es manchmal nicht einfach ist, das ganz zu unterbinden.

Ich habe lange gestillt und wir hatten das Glück, daß ich unsere Tochter als Baby einfach überall hin problemlos mitnehmen konnte. Jetzt als Kleinkind mit Kita-Ferien etc. ist plötzlich viel mehr Organisation gefragt und jeder von uns muß da mal zurückstecken und sich kümmern.
Meinem Partner war von vornherein klar, daß ich meinen Job nicht aufgeben will und werde - da er auch selbständig ist, hatte er dafür auch Verständnis. Für mich wäre die plötzliche Wandlung zur Vollzeitmutter mit evtl. in 3 Jahren mal 'ner Teilzeitstelle der absolute Horror. Ich verstehe Dich da vollkommen.

Ich genieße jede Sekunde mit unserem Kind, aber das tut der Freude an meinem Beruf keinen Abbruch. Erst die Kombination aus beidem läßt mich wirklich erfüllt fühlen.
Alles Gute, ich würde den Kiwu mit Deinem Partner auch nochmal gründlichst überdenken.

Liebe Grüße, tatzel #winke

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Ich hatte vor 15 Jahren den Eindruck, dass wir das endlich hinter und gelassen haben. Vielleicht aber auch nur in studentischen Kreisen und daher nicht allgemein gültig.
Ist es nur mein Eindruck, oder hat sich da in den letzten 15 Jahren wieder einiges Richtung traditionelle Rollenverteilung entwickelt, anstatt die Gleichberechtigung weiter fortschreitet?
Woran liegt das?
Wollen Frauen das am Ende selbst?

Wieder versorgt werden? Einen Mann der die Familie ernähren kann.
Ich finde das bedauerlich.

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Wieso heute hat man doch die freie Wahl man muss nur eben überzeugt von seinem Modell sein. Dann ist dir auch egal wenn eine Mutti im Internet oder in der Kita die Nase rümpft weil man nicht stillt, früh arbeiten geht usw.

Hier sprechen sich zB gefühlt mehr Mütter für eine "frühe" Fremdbetreuung aus. 1 Jahr Elternzeit hat für mich jetzt nichts mit traditionellen Rollenbild zu tun. Viele finden es dann völlig selbstverständlich wieder arbeiten zu gehen.

Da bekommt man eher komische Kommentare wenn man 3 Jahre pro Kind zu Hause bleibt eine ich :-D allerdings ist mir das Wurst weil ich dieses Modell so gewählt habe und es für uns perfekt ist.

Wenn man sich als Paar nicht einig wird dann muss man entweder auf das Kind verzichten oder sich trennen. Ich bin sicher es gibt für beide Einstellungen einen passenden Partner. Nur seid ihr das vllt nicht füreinander. Man kann aber ja auch ohne gemeinsame Kinder glücklich sein.

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Nö, ist nicht verwunderlich, dass Du dann lieber kein Kind willst. Diese unterschiedlichen Vorstellungen kriegt man wohl nicht zusammen...
Wie schon jemand schrieb: das erste Kind führt häufig zum Rückfall in traditionelle Rollenmuster.
Ob das Muttersein in den letzten 15 Jahren dogmatischer geworden ist, kann ich nicht beurteilen, bin noch nicht so lange Mutter. Auf jeden Fall ist ein gutes Selbstbewusstsein nicht von Nachteil, wenn man etwas anders machen möchte, als die Mehrheit...

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Mein Mann und ich haben auch ein Unternehmen aufgebaut,welches schon seit Jahren sehr erfolgreich ist (10 Mitarbeiter). Die Kinder haben wir immer mit ins Geschäft genommen.

Wahrscheinlich wirft dein Unternehmen viel mehr Geld ab als dein Mann verdient. Er sollte deshalb zu Hause bleiben. Oder bei dir einsteigen.......oder ibr nehmt ein Au-Pair bei euch auf.

In keinem Fall solltest du dein Unternehmen gefährden, weil du ein Arbeitsverbot aufgebrummt bekommst....von deinem Mann. Der hat sie doch nicht mehr alle!