Luft raus

Guten Abend,

ich hock hier grade auf der Couch und könnte heulen. Meine Tochter hat sich heut in den Schlaf gejammert, nicht geschrieen, gejammert. Aber ich hab es heut nicht geschafft zu ihr zu gehen.

So ein durcheinander. Seit Monaten, Stress pur. Mein Mann hat zwei Jobs, ich arbeite auch Vollzeit. Effektive Familienzeit ziemlich null vorhanden, durch die zwei Jobs meines Mannes. Ich kümmere mich zu Hause um so ziemlich alles alleine über Kind betreuen, Termine wahr nehmen, Haushalt, Tiere versorgen, ich engagiere mich ehrenamtlich auf einem Gnadenhof. So langsam ist bei mir die Luft raus. Und ich weiß nicht wo ich eine Prio setzen kann, was ich mal hinten anstellen könnte?

Ich hab sonst immer sämtliche Geduld für meine Tochter aber heute, hatte ich Gefühl wenn ich jetzt zum jammernden Kind gehe, heul ich los. Mein Mann ist grade noch mit einem Kunden unterwegs und macht dann Wocheneinkauf. Hier stapelt sich die Wäsche und überhaupt alles, wobei dieses Chaos erst die letzten zwei Wochen irgendwie mehr wurde. Zuvor war es auch anstrengend alles aber machbar auch wenn ich immer wusste, dass kann nicht ewig so weiter gehen.

Ich fühle mich heut so mies vor allem natürlich meinem Kind gegenüber :( sowas macht man nicht.

Wie seid ihr durch so anstrengende Phasen in eurem Leben gekommen? Mir fehlt die Luft für mich selber im Moment, mein Hals schnürt zu weil ich nicht weiß was zuerst beginnen. Achso, wenn das Kind bei Oma ist, dann weil ich Termine habe, ich kann das nicht anders. Kind abgeben fürs Privatvergnügen pack ich nicht. Wieder schlechtes Gewissen sonst.

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Ich antworte mal kurz und knapp. Ehrenamt ist ne tolle Sache, da hab ich immer Respekt vor, aber meinst du nicht dass deine Familie insbesondere die Tochter mal vorgeht??
Und vielleicht solltest du mal über eine Mutter Kind Kur nachdenken um mal wieder ein bisschen Ruhe zu bekommen und Kraft zu tanken

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Ich muss mich meiner Vorrednerin anschließen. Ein Ehrenamt ist immer sehr schön, sollte aber nur bei entsprechender Zeit gemacht werden. Deine Tochter geht tatsächlich vor. Gibt es den nicht die Möglichkeit dass Ihr Beruflich etwas zurück fährt und ggf. mit etwas weniger Geld auskommt?

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reduzieren, reduzieren, reduzieren


Ehrenamt ruhen lassen
Einkäufe, z.B. dm, Getränke, Ökokiste, etc. anliefern lassen.
Termine des Kindes überdenken, evtl. ein Hobby ruhen lassen
eigene Termine überdenken
und ehrlich – auch Tiere überdenken. Wenn die einfach zu viel Zeit rauben, muss man hier realistisch sein, auch wenn man Tieren sonst sozial eingestellt ist.
(ich hatte selber mal eine kleine Papagein–Auffangstation . ..mit Kindern, Job, etc. absolut kene Chance das weiter zu betreiben.)

Musst du Vollzeit arbeiten? Oder kannst du mal ein paar Monate Stunden reduzieren?
Bevor es zum Burn Out kommt, das Leben mal realistisch überdenken.

Eine Mutter–Kind Kur kann helfen aber auch nur dann, wenn man wirklich was ändern will und es nicht als Entspannungsurlaub sieht.

lg
lisa

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Danke für eure Meinungen. Ja das Ehrenamt... Ich nehme meine Tochter so oft es geht mit hin. Es würde mir auch an Verrat an den Tieren vorkommen. Die Armen hat doch auch keiner gefragt und jede Hilfe ist wichtig auf dem Hof.
Andersrum habt ihr Recht, ein Kind geht immer vor und der heutige Abend hat gezeigt allmählich reicht es. Ich bin vorhin noch ans Bett meiner Tochter und hab ihr beim Schlafen zugesehen, sie noch mal ordentlich zugedeckt. Sie wurde kurz wach, hat Mama gemurmelt und mich so warm angelächelt und ich dumme Kuh hab sie vorher jammern lassen :(
Sie ist übrigens knapp 26 Monate. Habt ihr Erfahrungen mit Mutter Kind Kuren mit Kindern in dem Alter? Glaub dafür ist sie noch zu klein. Ich kann sie nicht mal eben in einer fremden Betreuung abgeben.
Mein Mann und ich müssen uns mal zusammen setzen und Kasse angucken und vielleicht neu sortieren. Mein Arbeitgeber ist was Teilzeit betrifft eher unflexibel. Ich habe aber wirklich überlegt mal morgen zum Hausarzt zu gehen als erstes.

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Vielleicht ist eine AU zumindest eine kurzfristige Lösung um dich mal wieder zu sammeln.
Ich liebe Tiere auch über alles, aber deine Tochter ist 26!!! Monate, das ist noch sooo klein. Sie braucht eine fitte Mama. Und da fehlt mir auch ein wenig Verständnis, dass man so ein kleines Kind sich in den Schlaf jammern lässt

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Das klassische Helfersyndrom, alle haben ein wenig davon, nur keiner richtig und Du bist nur am geben bis der Akku leer ist.

Etwas patzig formuliert: schön Du hast dem Pferd geholfen, das nächsten Monat stirbt und Deine Tochter lernt wie es ist eine überforderte Mutter zu haben.
Konsequenz - sie schaut sich das gleiche Verhaltensmuster bei Dir ab und/ oder stellt eigene Ansprüche zurück, so dann auch in ihren zukünftigen Beziehungen, wünscht sich jeder Macho.

Wir haben 2 Katzen, wenn ich den ganzen Kram (Fressen, Tierarzt auch mal ausserplanmäßig) inkl. hin und wieder neuer Kratzbaum usw. zusammen rechne, kommt das auf ca. EUR 100,00 im Monat. Für den einen mag das wenig sein, für andere bei dem die Finanzen knapp sind, ist es wiederum viel.

Du solltest Dir im Klaren sein, wo und wie Du auftankst, wo Dir Energie ab- und bei was sie Dir zufließt.

Der erste Schritt ist ja bereits getan, Du hast erkannt, daß es so nicht weitergeht. Die besten Voraussetzungen also.

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Die Prio-Liste würde bei mir aussehen wie folgt:

- Kind
- Mann
- Job
- Haushalt
- Tiere
- Ehrenamt

Das Ehrenamt würde ich bleiben lassen. Auch wenn es dich persönlich erfüllt, es bringt keinem was, wenn du irgendwann nicht mehr kannst. Sollte irgendwann mal mehr Luft sein, kannst du immer wieder mit dem Ehrenamt anfangen.

Danach würde ich die Tierhaltung überdenken. Ich hatte selbst Tiere und bin nicht dafür, sich welche anzuschaffen und sie dann "einfach so" wieder abzugeben. Allerdings können sich Lebensumstände ändern und dann muss man eben priorisieren. Mir würde hierbei meine Familie IMMER vorgehen.

Muss dein Mann die beiden Jobs beibehalten? Eventuell sollte er sich nach EINEM Job umschauen, bei dem er langfristig ein Gehalt erwirtschaften kann, mit dem ihr leben könnt. Vielleicht kommt auch für dich ein Jobwechsel in Frage, sodass du Bedingungen wie Entfernung und Gehalt eventuell verbessern kannst.

Ansonsten die Klassiker:

Lass das Kind mal von den Großeltern aus dem KiGa holen, sodass du zumindest an einem Tag in der Woche oder alle zwei Wochen mal den Haushalt grundrein machen kannst.
Einkäufe und Kochboxen kann man liefern lassen, Großeinkäufe sparen Zeit.
Eventuell kannst du eine Haushaltsperle engagieren, die dir einmal die Woche die Bude grundrein macht.

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Hast du Urlaubstage zur Verfügung?
Falls nicht, lass dich ein paar Tage Krank schreiben. Nutz die Tage aber dann auch,
Für runter zufahren. Dir deine Gedanken zumachen und entspannen.

Du machst für mich den Eindruck, das du ziemlich unter Strom stehst.

Was für Tiere hast du denn? Was meinst du alles mit versorgen genau?
Ich hab auch ein paar Tiere zuhause, aber das lässt sich normalerweise hinbekommen . Mit einem guten Plan.
Oder du könntest vielleicht Hilfe beanspruchen, auch für den Haushalt.

Jemand einstellen? Familie Fragen?
Oder du fragst , deine Mutter ob Sie zu dir kommt, auf die kleine aufpasst, während du Wäsche wachsen tust z.b

Du kannst du auch liefern lassen. Ich lasse die Sachen für meine Tiere, zum größten Teil liefern.
Das spart Unmengen Zeit.

Getränke oder sonstiges kannst du auch liefern lassen. Online bestellen oder vor Ort, Z.b Fragen, ob Sie auch ausliefern.

Das mit deinem Ehrenamt, ist wirklich eine gute Sache. Aber das würde ich, an deiner Stelle runterschrauben oder mal eine kleine Auszeit nehmen.
Natürlich brauchen die jede Hilfe, aber es hilft auch schon , wenn du nur noch 2 mal statt 4 mal z.b hingehst.

Schau erst mal, wie du alles andere unter einen Hut bekommst. Dann kannst du immer noch sehen , wo du Zeit hast und ***Energi*** für ehrenamtliche Arbeit.

Mit deinem Job? Hast du die Möglichkeit kürzer tutretten, einen neuen zusuchen auf Teilzeit?
Dein Mann sich nur einen sucht, anstatt zwei zumachen?

Damit ihr Zeit, mit euren Kind auch gemeinsam verbringen könnt.
Denn das hat doch erste Prio...

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<<<So ein durcheinander. Seit Monaten, Stress pur. Mein Mann hat zwei Jobs, ich arbeite auch Vollzeit. Effektive Familienzeit ziemlich null vorhanden, durch die zwei Jobs meines Mannes. Ich kümmere mich zu Hause um so ziemlich alles alleine über Kind betreuen, Termine wahr nehmen, Haushalt, Tiere versorgen, ich engagiere mich ehrenamtlich auf einem Gnadenhof. So langsam ist bei mir die Luft raus. Und ich weiß nicht wo ich eine Prio setzen kann, was ich mal hinten anstellen könnte>>

Vielleicht solltet ihr mal auflisten nach Einnahmen und Ausgaben. Und ausrechnen was im Monat übrig bleibt. Und überlegen braucht Ihr wirklich das Geld? Ich kenne eure finanziellen Verhältnisse nicht. Vielleicht könnte dein Mann ja seinen Nebenjob ja auch aufgeben. Was nützen dem Kind überarbeitete Eltern, nämlich nichts.


Und ja, sich neu strukturieren. Was kann ich z.B zeitlich einsparen. Das hast du ja schon von den Vorschreiberinnen gehört wie Online Lebensmittel einkaufen (zumindestens haltbare Sachen). Wie schaut es mit eine Putzfee aus, die vielleicht das Grobe macht wie durchsaugen, ausfegen und putzen.


Und das mit dem schlechten Gewissen, würde ich ganz schnell mal beiseite schieben,
auch wenn es schwerfällt. Wenn die Oma es gerne weiter von sich aus machen möchte, warum nicht. Ehrenamt ist eigentlich etwas Tolles, macht auch den Kopf von anderen Sachen frei. Würde ich nicht komplett aufgegeben.


LG Hinzwife

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Danke noch mal für eure Tipps und Ratschläge. Der Tag heut war lange mal notwendig auch wenn das noch nichts ändert mit einer AU. Beim Ehrenamt habe ich mich zumindest erst mal für die restliche Woche abgemeldet aber unser "Chef" da vor Ort war sehr verständnisvoll. Wir reden demnächst noch mal. Wobei ich auch wirklich sagen muss, diese Aufgabe erfüllt mich mit sehr viel. Aber würde es das sicherlich auch wenn ich hier zeitlich anders handel.

Außerdem habe ich vorhin im Bekanntenkreis mal Anfragen gestartet ob wer gute Erfahrungen gemacht hat, mit Firmen die zu Hause putzen kommen. Für meine kleine Familie ist es wirklich notwendig auch sich selber nicht zu vergessen. Will mir auch nicht irgendwann vorwerfen, ich habe falsch gehandelt. Die Zeit rast eh so dahin wie nichts.