Mein Mann sucht immer Streit

Hallo zusammen,

mein Mann und ich sind seit über 20 Jahren zusammen, haben seit 15 Jahren Kinder (3 insgesamt). Es läuft - wie in jeder Beziehung - mal besser und mal schlechter. Wir hatten jetzt eigentlich ne sehr gute Phase - vor kurzem lag ich abends mal im Bett und hab gedacht "so könnt ich alt werden". Tja, kaum gedacht, ist alles anders...

Mein Mann hat Corona-bedingt momentan sehr viel Arbeit, muss auch zwingend in die Firma, Homeoffice geht nicht. Ich bin seit 19.03. im Homeoffice, teilweise kurzarbeit, habe aber "nebenbei" alle Kinder daheim, die jüngste ist 4. Mein Mann ist extrem neidisch auf diese Situation. Ich freue mich darauf, wenn ich irgendwann wieder ins Büro kann, er kann das gar nicht verstehen, meint, ich jammere auf hohem Niveau und solle dankbar für meine Situation sein. Ich gehe wirklich auf dem Zahnfleisch mittlerweile, da an den Tagen wo ich arbeite (4 Tage die Woche/ 6 Stunden) sehr viel los ist arbeitsmässig, eine 4jährige aber natürlich nicht 6 Stunden am Stück unbespasst sein kann.

Diese Woche war mein Mann krank. Es ging ihm wirklich schlecht, er konnte kaum aufstehen. Natürlich war er nun auch noch mit zu Hause. Die kleinste konnte nicht verstehen, dass er da ist aber NIX mit ihr machen konnte. Er hat sich auch nicht ins Bett gelegt sondern aufs Sofa, so dass er immer präsent war aber natürlich seine Ruhe wollte. Ich habe seiner Meinung nach nicht genügend Anteilnahme für seine schwere Krankheit gezeigt. Ich habe immer wieder die kleine zu mir geholt und den Laden hier am laufen gehalten aber besser wäre natürlich gewesen, ich hätte ihm die füsse geküsst... so unzufrieden mit sich selbst, sucht er ständig Streit. Er kommt von einem Thema aufs andere und versucht mich und unsere 15jährige zu provozieren. Wenn wir auf ein Thema nicht anspringen, dann versucht ers mit dem nächste und dem nächsten, solange bis eine von uns anspringt und ein Streit in Gang kommt. Dann behauptet er, wir würden streiten.

Unsere Eltern wohnen weit weg, haben beide Pflegefälle in der Familie. Sein Vater hatte letztes Jahr Krebs und muss jetzt unverständlicherweise das ganze Haus renovieren lassen + Pflegebedürftige grosseltern im gleichen haus, die nicht ins pflegeheim wollen, deren Pflege meine schwiegis aber eigentlich nicht mehr leisten können. Er hat ein schlechtes gewissen dass er nicht helfen kann und auch daran bin natürlich ich Schuld, weil ich damals (vor 20 jahren) der Treiber war für unseren Weggang.

Wir streiten nur noch, können uns über nix normales mehrvunterhalten. Mittlerweile bin ich echt fix und fertig.ich weiss nicht, wie wir da wieder raus kommen sollen... eine Scheidung wäre zwar eine Option theoretisch aber nicht wirklich - aufgeben gilt nicht 😉

Ach ich weiss auch nicht, vielleicht hat das aufschreiben einfach nur gut getan...

LG und danke fürs Lesen.

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Wie geht es ihm denn gesundheitlich?

Als mein Vater einen Schlaganfall hatte, mussten wir alle und neu damit arrangieren.
Da war einiges an Phasen dabei.

Irgendwann fiel dann der Satz: wem es gut genug geht zu streiten, dem kann es sooo schlecht ja nicht gehen.

Bei uns galten dann klare Regeln (auch für andere Kranke, Infekt, nach OP, sonstiges)
- wer Ruhe will, kann sich gerne zurück ziehen in den eigenen Bereich.
Im eigenen Zimmer wird nicht gestört

- wer im Gemeinschaftsbereich Ruhe will, muss damit leben, dass andere auch da sind

- wem es schlecht geht, darf Rücksicht bekommen.
Wer aber seine Situation ausnutzt oder gar streitet, dem kann es soo schlecht nicht gehen.

Rücksicht auf die Situation: ja
Freibrief für Respektlosigkeit: nein

Man darf selbst unzufrieden sein mit der Situation. Man darf die Situation doof finden, meckern ist erlaubt, schimpfen, fluchen, alles ok.
Andere beschuldigen, runtermachen, wegschicken im Gemeinschaftsbereich (wenn sie es nicht übertreiben), anderen Vorschreibungen machen oder Vorhaltungen ....
der kann gerne in seinen Bereich "gehen", dort den Frust rauslassen und dann wiederkommen. Zwar noch frustriert, mit schlechter Laune und Fresse im Gesicht, ABER ohne Beleidigungen, ausfallend werden oder Streit suchen.

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Ganz ehrlich, jemand der immer anderen die Schuld gibt und zusätzlich bei schlechter Laune aktiv andere „mitreinziehen“ muss - oje.
Also ich sehe drei Möglichkeiten für dich:
1. er ist einsichtig und macht eine Therapie oder beschäftigt sich selbst mit seinen Verhaltensweisen und versucht diese zu ändern (unwahrscheinlich da er sich ja in dem „die andern sind schuld“ eingerichtet hat)
2. du arrangierst dich, hältst die Klappe und leidest
3. Trennung und danach nur noch Beziehungen mit Erwachsenen eingehen die Verantwortung für ihr handeln übernehmen (kann man leider nicht am Geburtsdatum erkennen)

Ich würde ja Option 3 wählen

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Ich kann deinen Mann ein Stück weit verstehen. Bei uns war es ähnlich: mein Mann ging Corona-bedingt in Kurzarbeit (hatte aber so noch immer den besseren Lohn als manch anderer, also wirklich finanziell keinen spürbaren Schaden) und ich war zwar im Homeoffice, hatte aber mehr Arbeit als zuvor. Er schlief morgens aus, machte sich einen schönen Tag, holte sein Teenager-Kind, spielte im Garten oder ging auf den Basketball-Platz etc etc. Nach ein paar Wochen war ich auch angefressen. Ich wäre auch gerne wieder mal rausgegangen oder hätte die ersten Sonnenstrahlen im Garten genossen. Aber nein, ich hatte einen riesen Haufen Arbeit und musste mich konzentrieren während die beiden lachten und gröhlten. Irgendwann habe ich es ihm auch gesagt.

In eurer Situation frage ich mich, warum die älteren Geschwister nicht auf den 4jährigen aufpassen können? Die hatten ja jetzt monatelang auch keine Schule und von einer 15jährigen kann man das erwarten, dass hier mit-geholfen wird. Auch sollte ein 4jähriger nicht 24/7 bespasst werden müssen.

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Also ich arbeite wie gesagt nur einen Tag die Woche nicht (67% kurzarbeit oder 33% kurzarbeit? wie rum sagt man das?) Habe also nur diesen einen Tag mehr Freizeit + natürlich das, was an Fahrweg wegfällt, also ausschlafen ist bei mir nicht, da ich zwischen 7 und 8 mit arbeiten anfange oder 12 Uhr mittags bis abends. Und in der Zeit tobt echt der Bär mit ununterbrochenen telefonischen Kundenkontakt. Ich bin also nicht "zu Hause und mache mir nen lenz".

Ich weiss nicht, ob du Schulkinder hast aber meine Kinder hatten nicht "wochenlang keine schule". Die grosse hatte jeden Tag sehr viel zu tun, organisiert sich gut, spielt auch mal mit der kleinsten. Die mittlere brauchte selbst oft Hilfe bei den Aufgaben, was dann auch die grosse oft mit übernommen hat.

Also ganz so ist es nicht....

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Ich kann dich voll verstehen.

Hast du ihn schon mal klipp und klar drauf angesprochen? Was sagt er dazu?

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Er hat ja leicht reden, er muss eure Kleine nicht mit zur Arbeit nehmen.
Ich würde ihm da mal gehörig die Leviten lesen, dass du dein Kind quasi mit an deinem Arbeitsplatz hast.
Das ist doch kein Zuckerschlecken.

Er war so krank, dass er deine Aufmerksamkeit gebraucht hat? War er bewegungsunfähig oder konnte er sich noch von der Couch zum Kühlschrank bewegen?
Zur Toilette und ins Bad hat er es noch geschafft?
Wenn ja, dann soll er nicht rumjammern wie ein kleines Kind.
War er in Trance, dass er von der Couch aus nicht mitbekommen hat was du in der Zeit so zu tun hattest?

Also ein bisschen mehr Respekt würde ich von ihm schon erwarten.
Auf Sticheleien bezüglich deiner Tochter und dir würde ich nicht mehr drauf eingehen. Dann sollte es fad werden, wenn er keinen Erfolg mehr hat.

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Das hört sich für mich nach Ausnahmesituation an. So wie es sich anhört habt ihr doch Jahre lang eine gute Partnerschaft gehabt. Jetzt kommt eine Situation die das durcheinander bringt, was sich Jahre lang gut eingespielt hat. Wahrscheinlich leidet dein Mann unter der Situation.

Ich kenne das auch von meinem Mann. In Stresssituationen braucht er extrem viel Ruhe, wehe man spricht ihn zum falschen Zeitpunkt an.
Wenn du selber genug Kraft hast, lass ihm erst einmal seine Ruhe. Lass dich nicht auf irgendwelche Dikussionen ein. Sprich nochmal in Ruhe mit ihm, wenn er etwas entspannter ist.
Bevor du selber nicht mehr kannst, hol dir Hilfe.

Es ist doch absehbar, dass sich die Situation wieder etwas entspannt mit Job, Schule etc.

An Trennung zu denken, finde ich viel zu verfrüht. Ihr schafft das sicher.
So etwas versteht man unter "In Guten und in Schlechten Zeiten"

Ich wünsche dir viel Kraft.

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Danke für deine Antwort! Du hast recht... ❤

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Wenn mein Mann mich "ärgert" und ich weiß, dass Diskutieren momentan nichts bringt, geh ich raus, soll er doch mit sich selber meckern. Ich würde ihm nochmal freundlich aber bestimmt sagen, dass ich weder als Streithansel noch als Fussabtreter zur Verfügung stehe und künftig rausgehe. Er soll sich mal etwas zusammenreißen, immerhin habt ihr ja auch Kinder, die so einen zickigen streitlustigen Vater auch nicht brauchen. Streit provozieren geht überhaupt nicht.
Ich mag "todkranke Männer" auf dem Sofa auch sehr😳, sollen sie ins Bett, wenn sie krank sind, dann haben sie ihre Ruhe - und wir auch. Das klappt bei uns ganz gut.
Du musst Dich schon klar wehren, damit er nicht in ein Fahrwasser gerät mit einem unerträglichen Dauerverhalten, welches Dir und den Kindern wirklich das Leben versaut und es zu richtigen Eheproblemen kommt.

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Huhu

Für mich liest es sich so, daß er Corona bedingt einfach sehr viel Stress hat.
(du auch) und sich das einfach gerade beisst.
Jeder hätte gerne die Situation des anderen und man nervt sich gegenseitig.

Mein Mann und ich haben uns die ersten 2 Wochen nur angemotzt. Es war wirklich sch***

Ja, Partner haben auch mal gewisse Charakterzüge denen man im beengten eben nicht so leicht aus dem Weg gehen kann.
Das wird wieder besser, ganz sicher. Aber so klang euer zusammen Leben doch ganz gut😊

Ich würde mit deiner großen vielleicht besprechen, in wie weit sie dich unterstützen kann (Haushalt, Kleinkind Betreuung).

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Ich fühle mit dir. Hier ist es ähnlich.. Mein Mann ist 100% zuhaude und ich deaf noch 3 Tage die Woche a 4 Stunden arbeiten.. Wir haben zwei kleine Kinder 5 und 1,5. Ich weiß ja wie anstrengend das ist mit beiden und bin auch dankbar um meine Auszeit auf der Arbeit aber er ist gefühlt nur noch schlecht gelaunt. Gönnt mir keine 5 Minuten.. Und die brauch ich ab und an nach der Arbeit da es viel Kopf Arbeit ist und ich dort zur Zeit alles alleine mache in 12 Stunden wozu ich normalerweise nen 5 kopfiges Team habe.
Naja, wir zicken uns hier auch den ganzen Tag nur an. Dabei versuche ich jeden zweiten Tag mit den Kindern unterwegs zu sein. Während des lockdowns im Wald, nun wieder auf den Spielplätzen. Letztes we waren wir 3 Tage bei meinen Eltern und er zuhause. Hat bei jedem. Telefonat gesagt wie sehr wir ihm fehlen. Montags kamen wir wieder, am Dienstag hat meine Tochter ihn gefragt ob wir wieder fahren sollen, ob er wieder Ruhe braucht weil er schon wieder nur meckert. Es ist nicht mal was er sagt sondern wie. Ich hab ehrlicherweise auch schon mal an Trennung gedacht.. Aber ich lieb ihn ja.
Naja, ab nächster Woche gehen die Kinder einen Tag die Woche in die Kita. Ich habe einen freien Tag nun auf den Tag gelegt damit wir einen freien Vormittag nur für uns haben. Hoffentlich hilft uns das aus der Krise.
Euch drücke ich dafür auch die Daumen!

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Die Scheidungsanwälte reiben sich nicht umsonst Oh Corona die Hände. Es ist wie bei Sommerferien und Weihnachten. Wenn man geballt auf ein sass kommt sie Quittung. Dazu der Stress ob fehlender Schule und Co.

Ich würde zwei Dinge stoppen.
Dass er krank das Wohnzimmer belagert und dann meckert. Und das Streit suchen mit der Grossen. Bei beidem hat er sich zurückzuziehen. Und dann schau wie es geht wenn alles wieder normal läuft. Bei mir ist eine rote Lampe an, das sag ich dir ehrlich. Frag Mal deine Grosse ob sie noch gern daheim lebt....

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Guten Morgen.
Das hier ist doch keine Frage der Schuld und auch nicht wer hat es schwerer. Deine ganze Familie leidet unter der Situation. So wie sehr viele Familien zur Zeit. Der normale Rythmus ist gestört und das Gras auf der anderen Seite sieht besser aus. Du glaubst dein Mann hat es leichter. Dein Mann glaubt du. Besprecht es in Ruhe. Ohne Streit und versuche deinen Mann etwas entgegen zu kommen ( auch wenn er unrecht hat) und dann kann er auch dir entgegenkommen. Corona nervt doch alle. Und da kann ma schon mal streitlustig werden.