"Keine" Zeit für mich

Liebe Community,

Mein Partner ist ein sehr redefreudiger und sonst allerdings auch oft sehr launischer Mensch. An guten Tagen ist er sehr humorvoll, an schlechten macht er alles runter und kritisiert an gefühlt "allem" herum. Die Launen können auch sehr schnell umdrehen.

Ich bin umgekehrt eher der Zuhörertyp, rede nicht allzu viel und brauche viel Zeit für mich selbst und meine Gedanken.

Das war schon öfter Streitthema zwischen uns - an manchen Tagen reißt sein Redefluss einfach nicht ab, und obwohl ich mich eine Weile ganz gerne unterhalte, geht mir dann mit der Zeit einfach die Energie aus.
Leider kommt dann häufig zurück, ich würde ihn ignorieren, seine Themen seien mir nicht wichtig, ich sei desinteressiert ...
Dabei fehlt mir an einem gewissen Punkt einfach die Energie, weiter zu zuhören oder auch noch eigene Punkte einzubringen.

Meine Rechtfertigungen verschlimmern die Situation dann meistens noch, da er sehr redegewandt ist, schafft er es so richtig, mich auf die Palme zu bringen. Ich werden dann meistens sehr ruppig, er bezeichnet mich dann zu recht als sozial inkompetent, unhöflich ...
Am Ende sind seine Anschuldigungen dann auch noch gerechtfertigt. Dabei hätte ich einfach nur eine "Pause" gebraucht.

Gestern war wieder so ein Tag. Wir waren beide den ganzen Tag zuhause. Er ist derzeit leider arbeitslos und dementsprechend wenig ausgelastet, ich war gestern im Krankenstand.
Am Nachmittag haben wir uns sehr lange unterhalten, von einem Thema ins andere. Irgendwann wurde es mir einfach zu viel, ich habe ihm deutlich gesagt, ich brauche eine Pause. Diese habe ich dann auch bekommen. Soweit so gut. Nach etwa zwanzig Minuten kam wieder ein Thema, ich war allerdings - auch erkältungsbedingt - einfach nicht mehr in "Redelaune", habe mich aber zusammengerissen. Er hatte sichtlich gute Laune, die wollte ich ihm nicht verderben.
Nebenbei forderte unser kleiner Sohn laufend meine Aufmerksamkeit.

Abends war ich dann einfach kaputt, obwohl ich nichts gemacht habe. Schon Nachmittag merkte ich, wie ich einfach eine Pause brauche, um meine Gedanken zu ordnen. Ich konnte jedoch nicht "entkommen". Selbst ins Badezimmer folgte mir mein Partner nach, um einfach das Gespräch fortzusetzen. Ich wurde dann kurz ruppig und meinte, er solle mich kurz alleine lassen. Er scheint einfach nicht zu merken, wenn es mir zu viel wird - nicht weil mich etwas nicht interessiert, sondern weil mir einfach die Energie ausgeht.
Gegen acht meinte ich dann, ich bringe das Kind ins Bett und gehe auch schlafen. Ich lag dann schon im Bett, war am Einschlafen - da kommt er ins Schlafzimmer und beginnt wieder eine Unterhaltung mit mir. Er hatte noch immer sehr gute Laune. Es dauerte nicht lange, dann kippte die Stimmung. Ich konnte einfach nicht mehr. Er verlangte weiterhin Antworten bzw. Erwiderungen von mir, ich war einfach nur noch müde und zusätzlich hatte ich starke Halsschmerzen, was das Sprechen sehr unangenehm machte.
Ich wurde dann leider -wirklich- unhöflich und antwortete teilweise sehr pampig. Er redete mich dann natürlich nieder, beschuldigte mich, ich würde ihn nicht respektieren, seine Themen hätten keine Relevanz für mich, ich würde stundenlang am Handy hängen und ihm sowieso nicht zuhören... ich war einfach nur fertig, müde, reagierte auch schon hysterisch, weil ich einfach nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Ich habe dann auch gemeint, dass ich auch Bedürfnisse hätte und ich ja verstehe, dass er wen zum Reden braucht, aber ich kann nicht alles abfangen, nur weil sonst gerade keiner da ist.


Kennt das jemand, ist es normal, dass einem der Partner schon richtig nachläuft, um einen zum Reden zu bewegen?
Ich unterhalte mich echt gerne - wenn ich ausgeruht und frisch bin.
Inzwischen habe ich teilweise schon Angst, wenn er überhaupt zum Gespräch ansetzt.

Bearbeitet von Alba9
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Du sagst, er sagt berechtigterweise, dass du (!) unnormal bist. Nein, das bist du nicht!

Du setzt Grenzen und er ignoriert sie, sagt dir sogar, dass du falsch fühlst und genauso wie er sein muss. Absolut furchtbares Verhalten seinerseits!

Würde mein Mann mich beim einschlafen wecken, nur um zu plaudern, würde ich ihn an die Gurgel springen, ebenso umgekehrt.

Vllt wäre eine Paartherapie was oder ein geführtes Gespräch.

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Ach Gottchen...was hast du denn da für ein Exemplar?

Soll er sich einen Job im sozialen Bereich suchen...da kann er mehr als genug reden 🫣

Würde mein Mann aufs Klo hintere kommen,oder mir ins Bett nachlaufen zum quatschen
..sorry....das würd tote geben !!!

Anders herum übrigens genauso 🤣

Das geht ja null

Soll er zu nem Kumpel zum quatschen fahren,oder zum Haare schneiden ...aber dann bitte mit Farbe,dass es sich lohnt .
Oder seine Mama anrufen...

9

Mama oder Friseure sind gute Zuhörer 🙈🤣

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Toll, da fühle ich mich als Sozialpädagogin ja echt mal aufgewertet...

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Hey Alba!

Nein, für mich klingt dein Partner eher unnormal. Ist er schon immer so oder liegt es an seiner Arbeitslosigkeit?

Bei der Beschreibung, er habe gute Laune und lasse dich dann nicht in Frieden, weil er reden wolle, werde ich hellhörig. Scheinbar ist der Rededrang so groß, dass er dann nicht einen Gang runterfahren kann, obwohl du krank bist. Und er kann dann auch nicht verstehen, dass du Schmerzen hast und dich ausruhen musst. Auffallend ist, dass er dann von gute Laune so kippt und dich niedermacht, inkl Provokationen, dass du völlig unter die Decke gehst. Das klingt für mich schon gestört; für mich wäre es unerträglich.
War dein Mann schon immer so?

Passt das vielleicht zu ihm? Lies den Artikel mal durch.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hypomanie

"Charakteristisch sind die (leicht) gehobene Stimmung und der gesteigerte Antrieb. In der hypomanischen Episode ist das Selbstwertgefühl sehr bzw. übermäßig groß, es besteht eine erhöhte Risikobereitschaft, eine stark ausgeprägte Kontaktfreudigkeit, ein Hang zur unangemessenen Vertraulichkeit sowie die Neigung zu Grenzübertretungen im sozialen Bereich. An die Stelle der leichten Euphorie können auch Reizbarkeit und – insbesondere bei Heranwachsenden – ruppiges Verhalten treten"

Liebe Grüße
Schoko

Bearbeitet von schokofrosch
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Ganz ehrlich: Menschen wie deinen Partner versuche ich zu meiden. Geht leider nicht immer - ich habe einen direkten Kollegen, der genauso "drauf" ist wie dein Partner. Die Vorstellung, solch eine Person auch noch zuhause zu haben und aufs Klo verfolgt zu werden - hier gäbs Tote. Ich empfinde es als respektlos und grenzüberschreitend, wenn mich jemand trotz der Bitte um "Ruhe" immer weiter nervt.

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Mein Mann hat manchmal so Tage – ich nenne sie Labertage :-D – da macht er morgens die Augen auf und fängt an zu plappern. Ohne Punkt und Komma und läuft mir auch hinterher. Irgendwann wird es mir dann auch zu viel, aber bevor ich sauer werde und nicht mehr ohne Wut sprechen kann, bremse ich ihn und sage sowas wie "Du Schatz, ich bin heute nicht so gut drauf, können wir später darüber sprechen? Ich brauche jetzt eine Weile Ruhe." Das funktioniert meistens ganz gut, wenn er dann aber trotzdem weiter quasselt beschäftige ich ihn oder lenke ihn ab, sowas wie: "Hast schon lange nicht mehr gezockt, hast Bock?"oder "Mensch deinen Kumpel XY haste schon lange nicht mehr gesehen/gesprochen, meld dich doch mal bei dem!"
Ihr solltet aber mal in Ruhe reden, du musst ihm klar machen, dass dich das belastet, dass du sehr wohl mit ihm sprechen willst, aber nicht im Dauerbeschallungsmodus und endlos. Vielleicht vereinbart ihr ein Codewort, wenn es dir zu viel wird und du eine Pause brauchst?

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„ Vielleicht vereinbart ihr ein Codewort, wenn es dir zu viel wird und du eine Pause brauchst?“

Das wird bestimmt nichts bringen, schließlich sagt sie ihm doch schon ganz direkt, dass sie eine Pause / Ruhe braucht. Wenn er darauf schon keine Rücksicht nimmt, dann nützt auch ein Codewort nichts.

Der Mann der TE ist einfach total unsensibel und denkt in dem Moment nur an sich.
Sie ist krank und er „belästigt“ sie trotzdem, anstatt zu sagen, du ich gehe mit dem Kind zum Spielplatz / zur Oma / zu Freunden, dann kannst du dich mit deiner Erkältung hinlegen, belagert er dir und will eine Dauerunterhaltung mit ihr.

Der würde mir auch auf den Nerv gehen und ich rede selber auch mal ganz gerne und viel.

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Hör auf Dich zu rechtfertigen, das kommt doch eh nicht an.
Ich würde ihm im entsprechenden Moment sagen, dass er ab jetzt keine Antwort mehr bekommt - und schweigen. Wenn ich aufs Klo gehe,wird sowieso abgeschlossen ,schon immer.
Würde er mir da nachgehen wollen, stünde er am nächsten Tag in der BILD...... als Leiche.
Keine Ahnung, wie man so einen Menschen erträgt. Ich quatsche auch gerne, aber wenn Ruhe ist, ist Ruhe.
Überall werden Fachkräfte gesucht, schick ihn arbeiten 😡
LG Moni

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Ich kann mich nur anschließen: dein Partner ist absolut rücksichtslos, hat leider 0 Empathie, ist ignorant und leidet an Selbstüberschätzung, denn die Welt dreht sich nur um ihn.
Da er ALLE Bitten und Wünsche von dir ignoriert und dich sogar bei Krankheit vom Schlaf abhält, würde ich mir tatsächlich überlegen, ihn zu verlassen. Der Typ macht ja was mit dir, redet dir ein, dass du ein Falschfahrer bist, dass du immer ein offenes (blutendes) Ohr für ihn haben musst. Auch musst du all seine Launen ertragen egal ob positiv oder negativ. Die Wahrheit ist aber: du musst gar nichts!! Das kostet dir jeden Tag irre viel Kraft, die du dann nicht mehr für dich und/oder das Kind hast. Er unterstützt nicht, er bereichert nicht, er ist nicht für dich da. Da bist du doch alleine viel besser aufgestellt. Das musst du dir nicht Tag für Tag geben!

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Über was redet man den ganzen Tag?

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Du das würde mich jetzt auch interessieren?🤣

Was zum Geier hat er ständig zu bereden und mitzuteilen?

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Oh je. Ihr habt euch da einen „Konflikt-Teufelskreis in 3 Runden“ herangezüchtet. Ich drösel ihn dir mal auf, vielleicht siehst du schon, wo es hapert:

Runde 1
Er plappert los. -> Dir wird es zu viel. Du gibst keine Antworten. -> Er fühlt sich unbeachtet und wird pampig. -> Du bittest um eine Pause. (Wie kommunizierst du das? „Schatz, ich brauch man n Moment“ oder „Schatz, gib mir mal ne Stunde Rückzugszeit“?) -> Er gewährt die Pause.

Runde 2
Er plappert wieder los. -> Er hat so gute Laune, die du ihm nicht verderben willst. Du lässt dich also darauf ein, ignorierst aber deine eigenen Bedürfnisse komplett. -> Dadurch wirst du immer ausgelaugter und angespannter. -> Er quasselt munter weiter. Du hattest ja deine Pause. -> Du bist schließlich komplett im Eimer und flüchtest vor ihm ins Bad. -> Er folgt dir. Du sagst ihm ja, wenn es dir zu viel wird. -> Du bist so fertig, dass du ruppig wirst. -> Er ist davon überrascht, fühlt sich ggf. angegriffen.

Runde 3
-> Du ziehst dich zum Schlafen zurück. -> Er plappert weiter. -> Du bist mental so am Ende, dass du unhöflich und pampig wirst. -> Er beschuldigt dich, redet dich nieder. -> Du wirst hysterisch. -> Beim nächsten Mal überlegst du dir drei Mal, ob du ihm Widerworte gibst.

Fazit:
Er hat sich daran gewöhnt, dauernd deine Grenzen niederzutrampeln, weil du sie nicht kontinuierlich verteidigst. Du „muckst“ du nur einmal kurz auf und erträgst dann weiterhin, wie er seine Bedürfnisse durchsetzt.
„Er scheint einfach nicht zu merken, wenn es mir zu viel wird“, schreibst du. Ja. Das stimmt. Er merkt es nicht und es wird ihm auch, salopp gesagt, egal sein. Denn du lässt ihn weiter gewähren.
Vor lauter Angst, ihm seine Laune zu verderben oder von ihm niedergeredet zu werden, ignorierst du deine eigenen Bedürfnisse. Auf Dauer macht dich das fertig.
Gewöhne dir in einer akuten Konfliktsituation den Satz an, den die Kiddies schon beim Selbstbewusstseinstraining lernen: „NEIN, ICH MÖCHTE DAS NICHT. NEIN.“
Außerhalb einer akuten Konfliktsituation empfehle ich dir dringend, dich mit deinem Partner zusammenzusetzen und ihm deutlich zu erklären, wie du tickst und wo deine Grenzen sind.

Lerne, für dich selbst einzustehen!