Lacht nicht, aber kennt ihr auch Futterneid in der Beziehung?

Mein Mann ist Sandwichkind. Vielleicht ist es da üblich.
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Manchmal frage ich mich, ob der Futterneid bei Erwachsenen normal ist. Neulich kaufte ich 3 Flaschen Apfelschorle, öffnete eine, und er so: ach, nimmst du dir auch eine? Ich: es sind drei da, wenn du zwei trinkst, hast du immer noch mehr als ich. Oder ich bringe 2 Päckchen, insgesamt 10 Stück seiner Lieblingsschokoriegel mit, möchte einen haben, und er meckert, die hätte ich doch für ihn geholt. Ich esse eins von zwei Stück Kuchen, und er erinnert mich, dass das zweite dann natürlich seins sei. Wobei ich sagen muss, wenn ich von ihm partout etwas haben wollte, bekäme ich es am Ende auch, ohne Streit anfangen zu müssen. Mag nur die Diskussionen nicht.

Bei uns daheim herrschte auch viel Futterneid (es gab eher wenig leckere Extras, speziell für uns Kinder nicht), und während ich die Ruhigere war, kreischte meine Schwester schon los, wenn ich ein Ravioli mehr auf dem Teller hatte, das dann geteilt werden musste (meinen Eltern gestattete sie grosszügerweise, zu essen, so viel sie wollten). Aber mehr oder weniger ausgeprägt ist das ja bei Geschwistern immer, wenn man den Pegel der Limogläser verglichen oder ähnliches. In seiner Familie gab es aber imner genug, auch wenn seine Mutter mit Ehemann und drei Kindern natürlich auch kein Haushaltsgeld im Überfluss hatte.

ich hatte auch als junge Erwachsene oft noch heimlich Angst, nicht genug zu bekommen. Aber irgendwann gab sich das. Heute kann ich es problemlos aushalten, wenn ich vom Kirschsaft nichts abkriege, ich kann ja morgen neuen kaufen, und irgendwas zum Trinken werde ich immer finden. Ich vermute, es ist mir einfach nicht mehr so wichtig, solange ich nicht richtig Kohldampf schieben muss, aber das macht ja fast jeden innerlich aggressiv.

Aber kennt ihr das Phänomen mit Futterneid bei Erwachsenen, die einem nahe stehen, auch? Und wie geht ihr damit um? Manchmal nervt es ja doch, aber die krassen Buffetdrängler, die dann kiloweise den Lachs wegschleppen, sind ja zum Glück meist Fremde.

Wobei ich das mit den Fremden, nebenbei gesagt, am härtesten in der Reha erlebte, dass es da am Brötchenkorb oder bei den Frühstückseiern keinen lautstarken Krach gab, hat mich oft genug erstaunt. Da fanden es die Tischnachbarn einer genesenden Magersüchtigen, die 15 Minuten früher in den Speisesaal durfte (sie schämte sich vor den anderen, wenn diese sie essen sahen, und hatte Angst, bei einer normalen Portion für gierig und undiszipliniert gehalten zu werden), sogar unfair, dass sie ihren gegenüber "ja im Vorteil" wäre, auch wenn sie den Grund kannten.

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ohje also bei einem Erwachsenen habe ich das tatsächlich noch nie erlebt ehrlich gesagt. Mein Partner würde nie auf die Idee kommen mir zu sagen dass bei 2 Flaschen Apfelschorle eine ihm gehört. Man kann ja welche nachkaufen?!
Sprich deinen Partner doch mal darauf an, vielleicht fällt es ihm selber gar nicht auf?
Ich finde es ehrlich gesagt ein bisschen kindisch, ich denke ihr habt ja genug zu Essen/Trinken zu Hause dass keiner hungrig bleiben muss oder?

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Mein Mann ist auch ein Sandwichkind, hat sowohl einen älteren, als auch einen jüngeren Bruder. Er sagt oft, dass sie um das Essen „kämpfen“ mussten, schnell essen, bevor der andere kommt, beim Probieren war die Hälfte weg, Essen und vor allem Chipstüten wurden versteckt.
Aber im Erwachsenenalter merke ich davon nichts, ganz im Gegenteil. Er gibt sehr viel ab, teilt gerne, lässt bewusst meine Lieblingsschokis im Regal… auch im Umfeld habe ich sowas nicht gesehen. Vielleicht hat ihn das einfach sehr stark geprägt. Hast du mal mit ihm darüber gesprochen ?

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Er redet irgendwie ungern von früher. Aber meine Schwiegermutter erzählte, er habe früher eine richtige Sucht nach Süsskram gehabt. Bekam er dann was, freute er sich natürlich, aber wenn sie dann darauf hinwies, er müsse seinen Brüdern was abgeben fand er das voll doof...

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Ah, fällt dir auf, dass alle deine Beispiele Süsses waren? Vielleicht hat er das noch immer, dass er von alles seins träumt bei Zucker?

Das ist ja sowieso etwas süchtig machend und würde doch passen.

Die Frage ist, wie er das abstellen kann. Ich würde das zb ungern den Kindern so vorleben.

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Kenne ich nicht. Nirgendwo in der Familie, wo es auch "Sandwichkinder" gibt, mein Mann war ja auch eines, bei meinen Nichten/Neffen gibts das usw. Nö, kein Futterneid - nirgends.
Ganz unverschämte fremde Buffet-Drängler kriegen von mir eine zähnefletschend freundliche Bemerkung, dass sie nicht alleine am Buffet stehen oder auch mal die Frage, ob sie ihre Kinderstube im Schweinestall genossen haben. Ist aber sehr sehr selten vorgekommen.
LG Moni

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Hi,
aber sowas von !!

Ich bin auch ein Sandwichkind. Bruder 6 Jahre älter, Schwester 3, 5 Jahre jünger. Alleinverdiener, Großeltern noch mit im Haus, wenig Geld daheim.

Freitags gab es 1 Flasche Zitronenlimonade für 4 Personen, Sonntags 1 Malzbier für 3 Kinder. Gab es mal Steak, Schnitzel, Kotelett oder Rouladen, wurde geteilt und seine andere Hälfte gab es am nächsten Tag gewärmt. Hatte man sie aufgegessen, gab es nur Kartoffeln, Gemüse und Soße.

Ich war 17, 5 Jahre alt, als ich das 1. ganze Schnitzel gegessen habe. Die Mutter von meinem 1. Freund, hatte für 6 Personen, 15 Schnitzel gebacken, die am Mittagessen verspeist wurden. Vielleicht hatte sie auch 20 gemacht, die gab es abends aufs Brot, bzw. mit Bratkartoffeln......sowas kannte ich gar nicht.

Pudding aus 1 Liter Milch, mußte für 7 Personen reichen. Natürlich leckte ich das Schüsselchen aus, so rationiert wie alles war.

Kaufe ich "meine Süßigkeiten", sind es meine Süßigkeiten. Da hat kein Gatte oder auch kein Kind dran zu gehen.

Ich liebe weiße Twix! Da es sie so selten gibt, versteck ich sie.

Ich geh aber auch nicht an die Sachen die meine Jungs geschenkt bekamen. Ist Ihnen, fertig.

War ich mal einen Abend alleine, habe ich mir 0, 5 l Pudding gekocht und auf einem Essteller geschüttet. Damit ich auch ganz viel Haut habe.....lecker.

Ich habe eine ganz ungesunde Esskultur, entweder Hunger ich, oder Völlerei. Ich habe kein Maß. Ich habe so "Verlustängste" bei Diäten........und noch angestachelt von den Eltern, denen ich damals mit sportlichen, 72 Kilo, auf 1,75 m viel zu dick war.

Ja, Futterneid, ich habs erfunden !

Gruß

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Krass 😳

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Extrem für deutsche Verhältnisse. Muss echt knapp gewesen sein bei euch.

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Kenne ich gar nicht.
Obwohl mein Mann im ehemaligen Jugoslawien in erbärmlichen Zuständen aufgewachsen ist und bis zu seinem 9. Lebensjahr hungern, also wirklich hungern, musste.

Er teilt alles und fragt auch immer erst unsere Tochter und mich ob wir auch was ab haben wollen.

Solche Leute sind, neben den "Drüberspuckern" der Grund warum ich nie Buffett esse - mich widert dieses Verhalten an.

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Interessant, dass dein Mann so fürsorglich ist, auch wenn er Hunger kennt.

Ich habe oft gehört, dass ältere Menschen, die Krieg und Hunger erleben mussten, extrem gierig und essensfixiert seien, aber von meinen Großeltern kannte ich das auch nicht. Meine Oma hätte mir mit Freuden das letzte Stück überlassen, auch wenn ich schon zwei gehabt hätte und sie noch keins.

Bearbeitet von Isabelle1976
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Mein Vater und sein Bruder haben noch die Hungerjahre nach dem Krieg erlebt als Kinder. Ihr Opa ist damals verhungert, weil er den Kindern sein Essen gegeben hat und es war trotzdem zu wenig.

Sie haben beide ihre Macken, der eine isst nie Reste, der andere hat nicht eine übriggebliebene Erbse weggeworfen. Beide waren aber nie gierig oder missgünstig. Eher sehr mit Neigung andere zu füttern. Die erste Frage, wenn sich Besuch ankündigte: was derjenige essen will. Kam man an wurde man sofort in die Küche geschickt, mal was essen.

Also nicht jeder Hungerleider ist ganz negativ geprägt.

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Ich bin das letzte von 4 Kindern, definitiv spezielles Verhältnis zu essen. Mich triggern gierige Menschen am Buffet so hart, dass ich ungern Urlaub mit Selbstbedienung mache.
Mein grösster Albtraum sind so aufgeschlossene Teamessen, bei denen jeder was von der Karte bestellt und dann alle von allem probieren. Ich brauche meinen Teller und möchte mein Essen selber aussuchen.
Gerade mit Arbeitskollegen ist mir das zu nah. Klar kann ich das aushalten, ich esse vorher oder nachher was und vermeide es während dem Geschäftsessen weitgehend.

Aber, mit Menschen die mir ganz nahe stehen ist meine love language Essen, ich gebe ihnen gern das leckerste was ich mir vorstellen kann und immer etwas zu viel.
Nur plündern von meinem Teller kann ich auf Dauer schlecht haben. Solang ich es von allein gebe: absolut ok.

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Das Plündern kann ich auch nicht ab. Ich erinnere mich da an die klassische Situation, einer kauft Pommes und drei andere essen mit, so dass der erste nicht genug für sich hat. Ist für mich auch kein Kavaliersdelikt, würde ich ohne Erlaubnis auch nicht tun.

Aber richtig eklig finde ich, wenn dann der zweite Nachschub holt (weil dem ersten ja schon alles weggegessen wurde) und diesen dann lauthals verteidigt und allein verdrückt. Das ist der Schlag Mensch, der beim Runden trinken auch nur so lange mithält, bis er selbst dran wäre, einen auszugeben. Was nicht zwingend am leeren Portemonnaie liegt.

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Ich bin auch ein futterneider. Bin auch mit vier Geschwistern aufgewachsen, weiß nicht, ob es daran liegt.
Ich warte zb im Restaurant mit Freunden darauf, was sie bestellen, weil ich weiß, wenn ich eine Pizza bestellen und sie pasta, ich unbedingt die auch haben will. Oder ich gehe , berufsbegleitend mit anderen Leuten einkaufen und muss danach noch mal los, weil ich auch das haben muss.
Ja, ist schon sehr komisch, aber ich kann es auch nicht abstellen

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Ich kann auch futterneidisch sein 😅

Ich hab mir mal Rohesser gekauft und meinen Mann im Geschäft 3 mal gefragt, ob er auch welche will (nein). Ich war am nächsten Tag in der Uni und arbeiten und freute mich so abnormal auf meine Rohesser - und mein Mann hatte sie gegessen!!! Klar hätte ich mir neue kaufen können, aber ich war stinksauer und halte es ihm heute (so 8 Jahre später) noch vor 😂😂😂 mit zwinkerndem Auge 😂😂

Bei Essen hört der Spaß auf 😜 die einzigen, mit denen ich „gerne“ (im Sinne von echt sehr selbstlos) teile, sind meine Kinder. 🙈

Trotzdem würde ich am Buffet nie Tonnen mitnehmen oder meinem Mann grundsätzlich nichts gönnen. Oder anderen. Da siegt dann doch oft die Ratio 😂

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Ok, da wäre ich auch sauer gewesen :D

Ich "halte" meinem Mann seit nun guten 15 Jahren regelmäßig "vor", dass er damals meine Tüte Katjes "Saure Johannisbeeren" geleert hat, als ich nach dem gemeinsam verbrachten Wochenende wieder heim musste. Kurz danach gab es die nicht mehr. DRAMA xD

Nein, ehrlich, es gibt so ein paar Fressereien, die ich mir ganz selten gönne. Da wissen auch alle, dass sie, wenn ihnen ihre Finger lieb sind, diese weg lassen sollten :D

Alles Andere teile ich freimütig und freue mich, so wie wahrscheinlich viele Eltern, am allermeisten darüber, wenns meinem Kind schmeckt :D

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Schön, dass ich nicht alleine damit bin 😂😂

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Ich bin auch Sandwichkind, aber futterneidisch nur, dass ich immer das essen will, was der andere hat. Und ich teile mir meinen Teller ein, ich kann davon was abgeben, aber nur vorher, wenn ich am essen bin, will ich auch selber zu Ende essen, das ist schlimm bei mir. Selbst wenn unsere Tochter (2 jahre) den Rest essen will, das geht nur äußerst ungern bei mir 🙈
Da hat mein Mann gar keine Probleme.
Und wenn wir Essen bestellen wollen, oder holen, dann sag ich immer momentan will ich zB Pizza, aber wenn du Döner willst, dann für mich auch 😅 das klappt dann gut, aber mir schmeckt echt die Pizza nicht, wenn mein Gegenüber was anderes ißt 🙈🙈
Ach und bei uns zu Hause wurden für 5 Leute 5 Koteletts beraten, und drauf geachtet dass jeder eins bekommt, das wurde eher liegen gelassen und wurde schlecht, als das es ein anderer weg gegessen hatte.

Bearbeitet von jodi82