Ich ertrage diese Situation einfach nicht

Hallo,
es ist so schlimm, aber es ist so. Ich ertrage diese Situation einfach nicht. Oder ist es vielleicht sogar direkt mein Kind und diese Fremdbestimmung, was ich nicht ertrage?
Unser Sohn ist ein Wunschkind, die Geburt war aber nicht schön und ich glaube, das war schon der Startschuss für alles was folgte. Postpartale Depressionen und angststörung. Es hieß, er hatte unter der Geburt kurze Zeit keinen Sauerstoff und ich hab mich schnell gefragt, was das mit ihm gemacht haben könnte. Er ist inzwischen 27 Monate und quietschlebendig.
Mein Mann tut alles, was er kann. Wir haben beide Omas und Opas in der Nähe. Daran liegt es nicht. Aber er und das ganze Familienleben ist so anders, als ich es mir vorgestellt hab. Ich mache Therapie, seit seinem 1. LJ. Alleine und es gab zeitweise eine Familientherapie. Hat geholfen, bis es irgendwann wieder eingebrochen ist. Ich habe totale Probleme mit seinem aufgeweckten (positiv formuliert ) Wesen. Er ist sehr aktiv, Spielzeug interessiert ihn wenig. Er will permanent beschäftigt werden. Und er hat extreme Gefühle. Natürlich ist es auch das Alter, aber manchmal kann man ihm nichts recht machen. Oder eher oft. Der Tag startet meistens schon damit, dass er die Augen aufmacht , dann muss alles ganz schnell gehen sonst geht das große Geweine los.
Anziehen und wickeln meistens mit Theater. Treffen mit anderen - er dreht noch mehr auf als sonst. Das schlimme- er lässt sich dann auch kaum zur Ruhe bringen. Er will nicht getragen werden und trampelt wie wild oder legt sich auf den Boden. Körperkontakt sucht er eher selten.
Ich mache mir immer viele Sorgen über morgen. Der eine mag denken, es sie ja ganz kleinkindgerecht. Aber er ist schon über 2, kann sich null alleine beschäftigen und selbst wenn wir uns mit ihm hinsetzen, geht er schnell wieder aus dem Spiel raus.
Er geht halbtags in die Kita und ist dort unauffällig. Am Wochenende mal gemütlich frühstücken- keine Chance. Der Gedanke daran, wie ich ihn beschäftigen soll am Wochenende macht mich schon mürbe. Ich bin echt so traurig, dass es so ist wie es ist. Manchmal würde ich am liebsten gar nicht aufstehen.
Ich habe Angst davor, dass er ADHS haben könnte und dass es so anstrengend bleibt. Es gibt ja noch den kleinen Funken, vielleicht ist es wirklich nur das Alter.
Aber das alles belastet unser Familienleben einfach so extrem und ich kann es nicht einfach so abschalten.

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Ich glaube du hattest falsche Vorstellungen davon, wie ein Kleinkind drauf ist und bist deshalb mit der Situation überfordert. Dein Kind klingt vollkommen normal. Ich würde daher auch versuchen, mich damit abzufinden und mir anderweitig Auszeiten verschaffen.

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Versuche, selber Ruhe zu bekommen. das wird sich auf dein Kind übertragen. Du bist vielleicht innerlich sehr nervös, und das spüren Kinder. wenn du deinem Kind was sagst, schau, dass er dir in die Augen schaut. Blickkontakt ist wichtig. Als nächstes ist es wichtig, ihm Sicherheit zu vermitteln. Dann wird er wahrscheinlich auch ruhiger. Aber das hängt sicher auch mit deinem Nervenkostüm zusammen.Trink abends ganz entspannt einen Kräutertee, da kann man dann auch gut schlafen. ist eben meine Erfahrung.Und mach dich nicht verrückt. Meiner Tochter konnte ich kein Buch vorlesen. Sie hatte einfach keine Geduld und hat mir das Buch wieder aus der Hand geschlagen und wollte was anderes. aber das gibt sich wieder.

Bearbeitet von Barbara47
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Für mich hört es sich dennoch an wie ein ganz normales Kind.

Meine konnten sich auch sehr lange nicht allein beschäftigen und klebten regelrecht an mir.
Denke daran sollte es eigentlich nicht liegen.

Ich denke es liegt an deiner eigenen Einstellung dazu.. weil dir im Kopf rumschwirrt: Das Kind ist 2 Jahre und es MUSS sich doch allein mal beschäftigen.
Es ist aber kein muss.. manche spielen lieber mit Anderen und nicht mit sich selbst.

Du solltest dir auch ein wenig Zeit gönnen. Sprich irgendwas machen was deiner Seele gut tut.
Sauna, Spa, radeln, joggen.. oder einfach ein gutes Buch lesen. Irgendwas nur für dich wo du das Kind nicht bei dir hast.

Das hilft deinem Gemüt vielleicht ein wenig.

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Es geht nicht primär um das nicht alleine spielennkönnen, sondern mehr um das überhaupt nicht spielen können.
Er ist einfach so sprunghaft. Ich hätte kein Problem damit, mit ihm ne halbe Stunde da zu sitzen und Duplo zu spielen zb, aber er spielt weniger als dass er wild umher rennt

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Auch das ist normal.

Meine Kids haben da mal 5 Minuten gespielt.. dann da.. und hier..
Deswegen bin ich viel raus mit den Beiden gegangen. Da konnten sie toben bis sie umfallen auch im Winter.

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Hallo,

Ich kann das zum Teil nachempfinden.
Ich hatte zwar keine Depressionen o.ä. Aber habe mir die Zeot mit Kleinkind anders vorgestellt, hatte auch vorher kaum Bezug zu Kindern. Babyzeit fand ich toll und dann ab ca.4,5/5 Jahren wurde es für mich auch wieder entspannter.
Was mir aber sehr geholfen hat und die Lage entspannt hat meine eigenen Erwartungen zu ändern, das Kind spielt eben nicht alleine oder will ständig was anderes spielen oder bei uns oft das Kind muss eben nicht um 7 im Bett liegen und alleine schlafen, das klappt irgendwann in paar Jahren/Monaten aber jetzt ist noch nicht die Zeit usw.
Wenn du die Großeltern da hast, damm schaff dir Erholungszeiten und hab deswegen kein schlechtes Gewissen.
Meine Tochter ist bald 7 und macht jetzt Dinge die ich auch gerne mache und das Mama sein macht wieder richtig Spaß.

LG

Bearbeitet von Ichkennedas
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Für mich klingt das nach einem normalen Verhalten für dieses Alter. Die frühkindliche Entwicklung zeigt sich ab zwei Jahren v.a. in der Ausarbeitung und Optimierung von Sprache (von 2- zu 3-Wortsätzen) sowie der Bewegung bzw. Grob- (Laufen, Treppensteigen, klettern,…) und Feinmotorik (Knöpfe drücken, Stifte halten, greifen mit Daumen und Zeigefinger, …). Das alles ist erst gerade frisch gelernt und das braucht enorm viel Ausdauer und ist streng. Dein Baby ist soeben und ganz frisch (!) zum Kleinkind geworden.

Klar, es gibt solche und solche Kinder - manche spielen früher gerne alleine, sind ruhiger, brauchen weniger Aufregung, verarbeiten Entwicklungsschritte fast unbemerkt… andere sind ganz anders - es sind Persönlichkeiten! Wir Erwachsenen unterscheiden und diesbezüglich auch! Das heisst überhaupt nicht, dass dein Sohn ein pathologisches Problem hat. Ohne dich jetzt anzugreifen, aber ich glaube, das hast eher du als er. Woher kommen all deine Erwartungen an dein zweijähriges Kind?

Vielleicht würde es helfen, dich vertieft mit der frühkindlichen Entwicklung auseinanderzusetzen und wie divers diese ausfallen kann.

Vielleicht könnte auch ein Spielzugang nach Montessori deinen Druck entschärfen, z.B. hier: https://www.babyartikel.de/magazin/kleinkind-spielt-nicht-alleine-tipps-montessori

Mein persönlicher Tipp:
Geh raus mit deinem Kind. auch bei Regen und Schnee. So wie sich das liest, braucht es Bewegung… Spielplätze abklappern, Trottinett fahren, Hallenbad besuchen, Indoorspielhalle, Tierpark, Freizeitanlage, ab in den Veloanhänger, Freilichtmuseum für Kinder, …..

Dein Kind braucht morgens früh schon eine Challenge? Mach ein Rennen mit ihm, wie schnell es sich anziehen kann (mit deiner Hilfe). Beziehe ihn in die Frühstücksvorbereitung mit ein, aktive Kinder sind oft ganz supergute Helfer, z.B. geschnittene Früchte vom Schneidbrett in die Schüssel (Lernturm ist hier sehr erfolgreich), Tisch decken, … Hüpf mit ihm die Treppenstufen (falls vorhanden) rauf und runter, tanz ein lustiges Morgenlied (YouTube und Spotify sei dank) mit ihm,…

Zurück zum Thema frühkindliche Entwicklung:
Das alleine und konzentriert bzw länger etwas spielen lernen kommt ganz bestimmt nicht, wenn du dich und dein Kind unter Druck setzt. Aber es kommt auch bei deinem Sohn. Er hat dafür noch ganz viel Zeit, in der er deine Begleitung und Unterstützung braucht, um da hin zu kommen.

Sorg dich daher stärker um dich, plane genug Zeit ein, lasse ihn regelmässig mal 2-3 Stunden bei deinen Eltern o.ä., um deinen Tank aufzuladen, geh mal ins Fitness, in die Sauna oder was auch immer… auch um euch als Paar zu stärken und z.B. wie du sagst: mal gemütlich zusammen zu frühstücken. Mit besseren Nerven und mehr Energie wird es auch spassiger mit einem Kind, das viel Action einfordert.

Alles Liebe
Meise

Bearbeitet von fraumeise.