...ich muss mich auskotzen.
Mein Ex ist, keine Ahnung, am ehesten vielleicht funktionierender Alkoholiker, auf jeden Fall konsumiert er im missbräuchlichen Maß. Das war mit ein Grund für die Trennung. Er trinkt, auch wenn er aufs Kind aufpassen muss. Intolerabel...und kaum zu umgehen.
Unser Sohn ist mittlerweile 11. Ich bin ganz in die Nähe gezogen und wir betreuen im losen Wechselmodell, wobei mein Sohn insgesamt mehr Zeit bei mir ist.
Ich habe 9 Jahre lang alle Saufeskapaden aufgefangen, hatte eigentlich keine Wochenenden, hab ständig dafür gesorgt, dass unser Sohn nicht so viel mitbekommt und hab viele Nächte bang gewartet, in welchem Zustand mein Mann zuhause ankommt.
Ich dachte, die Trennung wäre ein Schlussstrich unter dieses Thema. Ist sie aber nicht.
Mein Mann trinkt immer noch, wenn mein Sohn da ist. Nicht immer, nicht vorhersagbar, nicht kalkulierbar...und deswegen bin ich immer angespannt, immer auf Abruf, denn mein Sohn soll mich anrufen, wenn er sich beim Papa nicht mehr wohl fühlt.
Mein Sohn geht erstaunlich gelassen und reif mit dem Thema um. Er meint, er kenne das ja nicht anders und er hat noch nie Gebrauch von mir als Telefonjoker gemacht. Er bringt sich dann einfach selbst ins Bett... und mir blutet das Mutterherz, wenn er von solchen Dingen erzählt. Mein Sohn will auf der anderen Seite aber auch Zeit mit seinem Papa verbringen und die will ich ihm nicht verwehren. Wenn mein Ex nicht trinkt, ist er ein toller Vater und macht auch schöne Sachen mit meinem Sohn. Ich selbst bin ohne Vater aufgewachsen und das war auch kacke...
Und mein Sohn hat jedes Mal tierisch Angst, mir von den Besäufnissen zu erzählen, weil er es noch schlimmer findet, wenn sein Vater und ich uns streiten. Ich will aber, dass er mir das weiter erzählt. Also schlucke ich und schlucke und bin eigentlich scheißwütend auf meinen Ex, mache aber gute Mine zu bösem Spiel und lese meinem Ex nur diskret die Leviten, so dass der Sohn nix mitbekommt. Ein Rosenkrieg und zerstrittene Eltern sind m.E. noch schlimmer fürs Kind als ein Vater, der gelegentlich ausfällt, zumal ich ja ständig auf Abruf bereit bin.
Was mich zermürbt und vermutlich ewig zermürben wird, ist, dass ich keinen Abstand zu diesem Thema gewinnen werde. Ich hätte so gerne einen verlässlichen Vater fürs Kind und habe das nicht und werde den auch nicht bekommen. Ich werde, bis unser Sohn erwachsen ist, immer abwägen müssen, was schlechter für ihn ist, was ich ihm zumuten will, was ich ihm vorenthalte, wenn ich ihn schütze etc. und ich diese Verantwortung erdrückt mich.
Für mich ist es wichtig, dass mein Sohn immer in mir einen Plan B hat, eine Bank, auf die er sich verlassen kann. Immer. Und oft hab ich das Gefühl, ich schütze ihn nicht genug. Das macht mich wahnsinnig. Und trotzdem lässt sich nichts ändern ohne einen sehr, sehr großen Scherbenhaufen zu erzeugen. Und wer bin ich, dass ich sage: ich bin das Maß aller Dinge. Ich entscheide, dass gelegentliche Besäufnisse schlimmer fürs Kind sind als zerrüttete Eltern...
Irgendwie bin ich noch voll drin in der ganzen Coabhängigen-Scheiße, weil es irgendwie nicht anders geht. Und das nach zwei Jahren Therapie. Dabei will ich einfach nur Seelenfrieden.
Versteht ihr, wie ich mejne?
Danke fürs Lesen.
Auswegslos irgendwie...
Hallo Traurig,
ich verstehe was du meinst. Du befindest dich in einer Zwickmühle. Egal wie du entscheidest, es wird deinen Sohn belasten.
Sein Vater hat en Alkoholproblem und von daher befindet sich dein Sohn leider genauso in einer Co-Abhängigkeit wie du. Ich denke egal welche Entscheidung du trifft, euer Sohn wird sie nicht verstehen und eventuell sogar die Böse in dir sehen.
Schränkst du den Kontakt zwischen Sohn und Vater ein, so wird dir dein Sohn nicht mehr erzählen was beim Vater los war. Lässt du alles so laufen, wird man dir eventuell Vorwürfe machen falls doch etwas beim Vater passieren sollte.
Einen wirklichen Rat habe ich nicht. Vielleicht kann dir eine Beratungsstelle etwas weiter helfen. Wenn der KV unverlässlich ist, kann ein intensiver Kontakt von ihm und euren Sohn nicht unbedingt förderlich für die Entwicklung von deinem Sohn sein. Ich ungünstigsten Fall sieht dein Sohn die Alkoholprobleme als normal an und lernt keinen gesunden Umgang mit Alkohol und Co. Versuche eine Entscheidung mit sehr viel Fingerspitzengefühl zu treffen.
Ich wünsche dir viel Kraft und Unterstützung.
Vg blaue-Rose
Genau. Unser Sohn wird nicht verstehen, wenn ich den Kontakt einschränke. Er findet das ja jetzt schon alles ziemlich normal. Und er liebt seinen Papa so wie jedes Kind seinen Vater liebt.
Ich kann ihm das ja irgendwie auch schlecht erklären, was für Bauchschmerzen ich habe beim Gedanken an die Unzuverlässigkeit des Papas. Ivj versuche das manchmal ganz kindgerecht und sanft. Aber wenn das schief geht, schüfe ich damit ja Loyalitätskonflikte. Die sind der Entwicklung eines Kindes auch nicht zuträglich.
Es ist ja auch nicht so, dass mein Ex jeden Tag trinkt. Er kann sich auch über Wochen zusammenreißen. Aber es gibt immer wieder diese Exzesse mit absoluten Kontrollverlust. Die sind nicht schön anzusehen.
Beratungsstellen... Ach. Gefühlt war ich überall. Auch bei den Al Anons. Aber so richtig raten kann mir niemand was. Ich würde meinen Ex ja gerne komplett verurteilen, aber so einfach ist das alles nicht. Selbst ich sehe auch immer noch neben dem problematischen Suchtverhalten auch seine vielen guten Seiten....
Hätten wir kein gemeinsames Kind.... ich könnte ihn vermutlich los- und ziehen lassen. So geht das irgendwie nicht, zumal ich bis heute unter der Leerstelle in meinem Leben leide, dass mein Vater sich einfach vom Acker gemacht hat nach der Geburt.
Wie gesagt: ich habe das Gefühl, egal, was ich mache, ich kann es nur falsch machen.
Du bist wirklich in einer fast ausweglosen Lage. Es wird auch keine Lösung geben die hundertprozentig richtig ist.
Ich weiß nicht wie kooperativ den EX ist. Eine ehemalige Partnerin von mir hatte auch psychische und ein Alkoholproblem. Sie muss es aber vorher bemerkt haben wenn es sich bei ihr wieder hochschaukelt. Sie hat dann immer dafür gesorgt das ihr Jüngster dann bei seinem Vater war. Für mich hatte das den Vorteil das ich wusste wenn der Jüngste kurzfristig beim Vater war, das es dann eventuell wieder Probleme kommen könnte. Vielleicht ist es möglich das dein Ex es genauso handhabt und euer Sohn dann bei dir ist.
Das du die Leerstelle durch deinen Vater hast macht eine Endscheidung für dich nicht einfacher. Versuche wenn es geht beides bei Entscheidungen von einander zu trennen.
Dein Gefühl ist verständlich. Ich denke auch das es bei der Entscheidung kein Richtig oder Falsch gibt.
Ich verstehe dich.
Ich bin auch in so einer ähnlichen Zwickmühle wie du, wenn es bei uns auch nicht der Alkohol ist.
Aber ich muss auch abwägen, ob Kontakt oder nicht.
Ich habe mich für Kontakt entschieden.
Du hast dich eigentlich auch schon entschieden: nämlich pro Vater. Und das empfinde ich auch als richtig. Jedenfalls jetzt mit 11 Jahren. Dein Kind ist alt genug dich anzurufen und sich abholen zu lassen bzw. auch zu sagen, es möchte nicht dorthin.
Ich sehe es so: solange es für dein Kind besser mit Vater als ohne ist, würde ich da nicht zwischen funken.
Versteh mich nicht falsch: Alkohol ist sche*ße. Ich bin bei einer alleinerziehenden Alkoholikerin aufgewachsen und verabscheue Alkohol absolut.
Aber dein Ex kümmert sich um den Jungen und die beiden mögen sich. Das würde ich nicht kaputt machen, sondern tatsächlich noch die nächsten Jahre so weitermachen wie bisher. So mache ich es auch. Mein Plan ist durchaus, wenn mein Kind selbständig ist, mich vom Vater zu trennen. (Mein Partner weiss das übrigens)
Du bist noch mit deinem Partner zusammen?
Ich habe mit der Trennung auch so lange gewartet, bis ich das Gefühl hatte, dass mein Sohn nicht mehr hilflos ist, sondern die Fähigkeit hat, sich "in Sicherheit zu bringen". Wie gesagt: ich wohne 5Minuten weg und bin immer erreichbar.
Was er aber nicht lernt von mir, ist, dass bestimmtes Verhalten Konsequenzen hat. Ich bin viel zu harmoniebedürftig, als dass ich meinen Ex mit Folgen seines Verhaltens konfrontieren würde und ich wünsche meinem Sohn so, dass er den Mut hat, klarer zu sein, wenn er das möchte.
Meine Mutter ist auch nasse Alkoholikerin. Ich weiß, wie kompliziert die Verstrickungen zu suchtkranken Familienmitgliedern sind und ich möchte, dass es meinem Sohn besser geht als mir.
Drum bin ich ausgezogen, einfach damit er einem Safe Space hat, einen Ort, wo keiner die Treppen hoch und wieder runter fällt....
Aber ich weiß halt nicht, ob das reicht.
Viel Kraft dir!!!!!!
Ja, wir wohnen noch zusammen. Unser Sohn ist 12.
Ich denke schon, dass dein Sohn bei dir sieht, dass bestimmtes Verhalten gewisse Konsequenzen hat. Du hast dich doch von seinem Vater getrennt. Also sieht er es durchaus.
Was das andere angeht (den Ex mit Folgen konfrontieren): es ist mittlerweile nicht mehr alleine deine Sache. Dein Sohn ist alt genug um alleine entscheiden zu können. Ich gehe davon aus, dass der Ex nicht alkoholisiert mit eurem Sohn Auto fährt oder dergleichen gefährliche Sachen macht. Wenn doch, dann würde ich durchaus versuchen, den Kontakt zu unterbinden. Aber so las sich dein Eingangspost nicht.
Wie steht denn dein Sohn zum Thema Alkohol? Er mag es ja beim Papa normal finden, aber bei dir sieht er ja, dass es durchaus nicht normal ist und sogar zu einer Trennung führen kann.
Hallo,
ich kenne diese Situation zum Glück nicht, aber mir ist aufgefallen, dass du schreibst, dass es für deinen Sohn ja schon seit langem normal ist, wenn sein Vater betrunken ist. Er reagiert dann halt entsprechend.
Offenbar ist dein Ex zwischendurch aber auch längere Abschnitte 'trocken'.
Vielleicht kannst du da ansetzen: deinem Sohn noch mal eindringlich erklären, dass das eben so nicht normal ist. Daran erinnern, dass du früher auch immer "übernommen" hast, wenn Papa so war. Vielleicht lässt sich dein Sohn darauf ein, dass er sich wirklich sofort abholen lässt, wenn Papa getrunken hat. Wenn das eine Verabredung zwischen euch dreien ist und keine Strafe. Wenn er sicher weiß, dass er zurück darf, wenn Papa wieder nüchtern ist.
Damit schützt du deinen Sohn tatsächlich ein Stück mehr, als wenn er mit Papa alleine ist und alles miterlebt.
Leider löst das nicht das Problem, dass du ständig auf Abruf lebst.
Gibt es jemanden, der dich mal "vertreten" kann? Oder jemanden, bei dem dein Sohn ein Wochenende verbringen kann (Großeltern, Freund...) damit du mal ein Wochenende komplett abschalten kannst?
LG!
Ich hab ein kleines Netzwerk von Nachbarn, die Bescheid wissen und zu denen mein Sohn könnte. Das weiß er auch.
Er nimmt es halt nicht in Anspruch. Er selbst sagt, er wisse ja, was Phase ist und käme klar. Bei Feiern hätte er Strategien entwickelt. Er wisse z.B. immer, wer im Raum nüchtern ist und an wen er sich wenden könnte.
Und ich kann ihn ja schlecht nötigen, sich abholen zu lassen.
Für mich ist das ein schwer zu ertragenener Kontrollverlust. Und ich finde es halt hart, dass er so reif ist und solche Strategien entwickelt hat wie oben beschrieben.
Ich hoffe sehr, dass er weiß, dass ich ihn jederzeit ohne Vorwurf oder böses Wort in Richtung seines Vaters abholen würde. Das habe ich beiden gepredigt und deswegen halte ich mich ja so sehr zurück...
relevant was passiert wenn er trinkt.
Welche konkreten Gefahren dann auftreten bzw. die du dann siehst? Erst dann kann man mehr dazu sagen.
Sich selbst ins Bett bringen müssen ist z. B. für einen 11-Jährigen ja keine Gefahr oder Problem die ein sofortiges Einschreiten erfordert. Und mehr hast du zu dem Trinkproblem in der Praxis noch nicht gesagt.
Relevant ist für mich, was passieren könnte, wenn der verantwortliche Part sich so besäuft, dass er nix mehr rafft.
Was wir alles schon hatten:
Kind ist aus dem Bett gefallen, hat geweint... Partner komatös. Kind hat über 40 Fieber. Partner komatös. Kind hat Nachtschreck. Partner komatös. Kind wacht morgens auf, will Frühstück. Partner komatös...
Außerdem ist es für Kinder, das weiß ich aus eigener Erfahrung, nicht schön, torkelnder lallende Eltern zu erleben, denen die Treppe hochzuhelfen und umgekehrt dafür Sorge tragen zu müssen, dass die ordentlich ins Bett kommen.
Klar, je älter sie werden, desto selbstständiger sind sie.
Aber weißte. Ich war 18, als ich einen schweren Verkehrsunfall hatte in der Nacht, Mutter nicht erreichbar, weil komatös. Fand ich auch in dem Alter noch uncool.
Klar, auch Erwachsene müssen nicht 24/7 funktionieren. Aber wenn ich ausgehe und plane, mehr zu trinken, sorge ich vorher dafür, dass jemand für meinen Sohn ansprechbar ist.
So wie du denkt übrigens mein Ex: Was soll schon groß passieren? Wie asozial ist das denn bitte?
Vielleicht wäre es dann ein Ansatz das euer Kind nicht mehr bei ihm schläft?
Also er „nur“ noch ab Mittag (mit der Annahme, dass er vor allem abends trinkt, sollte ja dann das meiste ausgeschlafen sein) bis nach dem Abendessen?
Ich finde, Umgang sollte in dem Fall nicht über Nacht stattfinden! Was ist, wenn er betrunken einschläft, eine Kerze oder Zigarette brennt? Der Ex-Freund einer Bekannten ist Anfang des Jahres in seiner Wohnung genau deshalb verbrannt, das Kind nun Halbwaise. Ich wäre da vorsichtig.
Entzug scheint kein Thema zu sein?