Kindstod

Plötzlicher Kindstod: Diagnose, Ursachen, Prävention

Für die Eltern ist es traumatisch, wenn ihr scheinbar vollkommen gesundes Kind einfach so verstirbt. Meistens passiert es im Schlaf und ohne irgendwelche Vorzeichen. Das Kind hört einfach auf zu atmen. Werden bei der Autopsie dafür keine konkreten Ursachen gefunden, spricht man vom plötzlichen Kindstod, auch als SIDS („Sudden Infant Death Syndrom”) oder Krippentod bekannt.

Der plötzliche Kindstod ist keine Krankheit, aber auch keine eindeutige Diagnose. Vielmehr bezeichnet er all jene Todesfälle von Säuglingen, für die es keine Erklärung gibt. Am häufigsten vom plötzlichen Kindstod betroffen sind Kinder im Alter zwischen zwei und vier Monaten. Grundsätzlich unterliegen alle Babys bis zu Ende des zweiten Lebensjahrs dem Risiko, am plötzlichen Kindstod zu versterben, die meisten – von den glücklicherweise insgesamt wenigen Kindern - trifft es aber im ersten halben Jahr. Ärzte haben mittlerweile festgestellt, dass einige Kinder mehr gefährdet sind als andere.  Studien auf dem Gebiet haben in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass der plötzliche Kindstod durch Aufklärung und Präventionsmaßnahmen deutlich seltener eintritt. Waren es bis 1990 deutschlandweit noch 1.300 Todesfälle im Jahr, ist die Zahl danach beträchtlich gesunken: 2011 waren es nur noch 147 – allerdings ist im gleichen Zeitraum auch die Gesamtzahl an Lebendgeburten gesunken. Für die betroffenen Eltern ist dies jedoch kaum ein Trost, denn der Schock sitzt tief und die Frage „Warum?” führt nicht selten zu quälenden Schuldgefühlen. Die Eltern müssen lernen, mit dem Kindstod zu leben.

Ursachen und Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod

Lange Zeit konnten sich die Mediziner das Phänomen plötzlicher Kindstod nicht erklären. Und auch heute kann in einem solchen Fall keine eindeutige Diagnose gestellt werden. Untersuchungen der möglichen Ursachen und Risiken haben jedoch in den letzten Jahrzehnten neue Erkenntnisse geliefert. Weil der Kindstod fast immer im Schlaf auftritt, gehen die Ärzte davon aus, dass eine Atemstörung im Schlaf für den Tod verantwortlich ist. Eine Kombination aus äußeren und inneren Einflüssen führe dazu, dass das Kind durch die Atemschwäche zu wenig Sauerstoff bekomme und die Kohlendioxid-Konzentration im Blut ansteige. Das Kind erstickt vermutlich, weil es noch nicht dazu in der Lage ist, durch Aufwachen auf die Atemnot zu reagieren. Was diese konkret verursacht, darüber gibt es keinen klaren Konsens. Ein im ersten Lebensjahr noch nicht festgestellter Defekt im Stammhirn wird genauso als Ursache angeführt wie Störungen bei der Blutdruckregulierung. Über die äußeren Risikoeinflüsse, die in Verbindung mit dem plötzlichen Kindstod in großer Häufigkeit festgestellt wurden, sind sich jedoch fast alle Forscher einig:

  • Die Schlafposition: Babys, die auf dem Bauch schlafen, sind gefährdet, weil in dieser Position ihr Hustenreflex beeinträchtigt ist. Deswegen wird für den Schlaf von Säuglingen dringend zur Rückenlage geraten, und das am besten im eigenen Bettchen und im Schlafsack, ohne Mütze, Kissen, Decken und andere Dinge, die das Kind sich über den Kopf ziehen könnte.
  • Wenn die Mutter raucht oder andere Drogen zu sich nimmt, erhöht sie damit das Risiko ihres Kindes, einen plötzlichen Kindstod zu erleiden. Das Rauchen gilt nicht nur während der Schwangerschaft als gefährlich, sondern auch danach. Das Kind sollte nach Möglichkeit überhaupt nicht mit Zigarettenrauch in Berührung kommen.
  • Kinder, die nicht gestillt werden, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko.

Weitere Risikofaktoren, die Eltern jedoch nicht beeinflussen können, sind:

  • Frühgeburten (bis zur 37. Woche)
  • Geburtsgewicht von unter 2500 g
  • Zwillings- und Mehrlingsgeburten
  • Kinder, deren Geschwister bereits an SIDS gestorben sind
  • Was beim plötzlichen Kindstod die Häufigkeit der Fälle bei Jungen und Mädchen betrifft, scheinen Jungs mit einem Anteil von 60 Prozent gefährdeter zu sein als Mädchen.

Dem plötzlichen Kindstod vorbeugen

Auch wenn es sich bei den möglichen Ursachen für den frühen Krippentod hauptsächlich um Hypothesen handelt, zeigt der Rückgang der Todesfälle deutlich, dass die empfohlenen Präventionsmaßnahmen Erfolg haben. Eltern können also durch einfache Vorsichtsmaßnahmen dazu beitragen, das Kindstod-Risiko zu senken. Schaffen Sie für Ihr Kind eine rauchfreie Umgebung, lassen Sie das Baby bei einer Raumtemperatur zwischen 16 und 18 Grad Celsius in Ihrem Schlafzimmer schlafen, um seine Atmung im Schlaf beobachten zu können. Achten Sie aber auch darauf, dass das Kind nicht bei Ihnen im Bett schläft, sondern in seinem eigenen Bettchen – und das am besten in Rückenlage auf einer luftdurchlässigen Matratze. Es ist wichtig, dass das Kind es nicht zu warm hat. Stellen Sie das Bettchen also nicht neben die Heizung und verzichten Sie auf Wärmekissen oder Wärmflaschen. Ein Schlafanzug als Bekleidung reicht vollkommen aus. An der Stirn oder im Nacken Ihres Babys erkennen Sie am besten, wie warm ihm gerade ist.

Neben der  richtigen Schlafumgebung empfehlen Experten Müttern außerdem, ihr Kind so lange wie möglich, mindestens aber die ersten sechs Monate, zu stillen. Das  Stillen sorgt nicht nur für eine intensive Nähe, die dem Kind guttut, die Muttermilch liefert dem Säugling außerdem wichtige Abwehrstoffe. Beobachten Sie das Schlafverhalten Ihres Kindes. Sind längere Atempausen feststellbar, eine allzu starke Blässe oder blaue Lippen? Dann suchen Sie Ihren Kinderarzt auf. Das gilt auch für andere Auffälligkeiten oder wenn es länger als drei Tage Fieber oder Schnupfen hat. Beim Kinderarzt haben Sie die Möglichkeit, Fragen zum plötzlichen Kindstod zu stellen.

So legen Sie Ihr Kind sicher schlafen

Mit dem Verlust umgehen

Unabhängig davon, ob es sich um den plötzlichen Kindstod handelt oder in welchem Alter das Kind ist – der Verlust des eigenen Kindes ist für die betroffenen Eltern ein furchtbarer Schlag, der nur schwer zu verarbeiten ist. Weil jeder Mensch anders mit Trauer umgeht, gibt es dagegen kein allgemeingültiges Rezept. Vielen Paaren hilft es jedoch, auch bei  Sternenkindern und sehr früh verstorbenen Säuglingen die Erinnerung an das geliebte Kind aufrecht zu erhalten und es weiterhin als Teil ihres Lebens zu betrachten. Kann man die Trauer nicht mit Freunden und Verwandten teilen, weil diese das Kind vielleicht kaum kennengelernt haben, kann eine professionelle Trauerbegleitung oder der Austausch mit anderen betroffenen Eltern helfen.


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