Das Wunschgeschlecht herbeiführen

Kann man Mädchen machen?

Wie man das Baby-Geschlecht beeinflusst, dazu gibt es schon lange die verrücktesten Strategien, Ammenmärchen, aber auch Studien. Eine aktuelle Studie aus China sagt sogar, es gäbe einen Zusammenhang zwischen dem Blutdruck der Mutter und dem Geschlecht des Babys!

Autor: Andrea Knipp-Selke/ Petra Fleckenstein
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Vorhersage des Geschlechts während der Schwangerschaft

Schwangere Bauch rosa Soeckchen panther MonkeybusinessImages
Foto: © panthermedia, Monkeybusiness Images

Wird das Baby ein Junge oder ein Mädchen? Diese Frage beschäftigt die Menschheit schon seit mehr als 4.000 Jahren. Und mindestens ebenso lange versucht sie, auf die ein oder andere Weise das Geschlecht ihrer Nachkommen schon vor oder während der Zeugung fest zu legen – und ist dabei mehr oder minder erfolgreich.

Erste wissenschaftliche Untersuchungen über die menschliche Fortpflanzung haben die Ägypter um 2000 v. Chr. angestellt. Sie erkannten bereits die Bedeutung der Hoden für die Fortpflanzung und sie wussten auch, dass kastrierte Männer ihre Zeugungsfähigkeit verlieren. Ansonsten war das Wissen spärlich gesät. Rituale und Aberglauben prägten die Vorstellungen über Schwangerschaft und Geburt bis weit in das Mittelalter hinein. War eine Frau schwanger, wurde überall nach „Zeichen“ für das Geschlecht des Babys gesucht. Der französische Historiker Jaques Gélis zitiert in einem seiner Werke folgende Volksweisheiten:

Wenn die Mutter:

  • Blühend und fröhlich ist
  • Rechts und hoch trägt
  • Jung und feurig ist
  • Ein frisches und feuchtes Temperament hat
  • Dann wird es das Baby ein Junge.

Wenn die Mutter:

  • Blass und bedächtig ist
  • Links und tief trägt
  • Schon älter ist
  • Ein trockenes und warmes Temperament hat
  • Dann wird das Baby ein Mädchen. 

Hippokrates: Jungen entwickeln sich schneller

Auch im 17. Jahrhundert ging das ärztliche Wissen bezüglich der Geschlechtsprognose nicht über die Weisheiten der Antike hinaus. Immer noch wurde Hippokrates zitiert, dessen Vorhersagen auf den ersten Kindsbewegungen beruhten. Jungen, so behauptete er, entwickelten sich schneller als Mädchen, deshalb könne die Schwangere, wenn sie einen Jungen erwarte, bereits im dritten Schwangerschaftsmonat Kindsbewegungen spüren, bei Mädchen erst im vierten. Ansonsten galt die Grundregel: ein Sohn präsentierte alles Gute, Schöne und Edle, eine Tochter das genaue Gegenteil. In diesen Zusammenhang gehört auch ein Vorurteil, das sich bis heute hartnäckig hält, nach dem ein Junge der Schwangeren Schönheit schenkt, während ein Mädchen sie ihr natürlich nehmen muss.

Hinter allen Geschlechtsprognosen verbarg sich in der Regel der Wunsch nach einem Sohn, einem Erben und Stammhalter.

Heutzutage ist zumindest in der westlichen Welt der Geschlechtswunsch relativ gleichmäßig auf Jungen und Mädchen verteilt.

Antiker Mythos: Mädchen kommen aus dem linken Hoden

Eines konnte seit der Antike jedoch zuverlässig geklärt werden: dass es zur Zeugung eines Kindes einer Eizelle und eines Spermiums bedarf. Von letzterem gibt es zwei Sorten: jene, die das x-Chromosom tragen, also Mädchen produzieren, und jene, die ein y-Chromosom beherbergen und damit Jungen machen. Die Spermien also sind entscheidend – aber soweit waren die alten Griechen auch schon.

Der Philosoph Anaxagoras vermutete nämlich – und das deutet zumindest auf ähnliche Gedankengänge hin – , dass die Spermien aus dem linken Hoden Mädchen und die aus dem richtigen, dem „rechten“ natürlich, Jungen produzieren. Den Möchtegern-Vätern eines Stammhalters empfahl er, sich bei der Zeugung einfach den falschen Hoden abzubinden. Die französischen Adeligen wählten die endgültigere Variante und ließen sich den linken Hoden lieber gleich ganz entfernen, was ihnen den ersehnten männlichen Erben garantieren sollte. Einigen Männern mag das dann doch zu drastisch erschienen sein. Sie behalfen sich damit, sich kurz vor dem Beischlaf kräftig in den linken Hoden zu kneifen, um diesen kurzfristig ausser Gefecht zu setzen.

Mond, Schnee und Temperatur

Andere Empfehlungen legten den Paaren nahe, bestimmt Gesänge oder Gedichte während des Geschlechtsverkehrs zu rezitieren oder sich mit ihrer Lust nach Mondstand, Schneefall, Temperatur, Gezeiten oder Windrichtungen zu richten. Hatte doch bereits Aristoteles eindeutig festgestellt, dass Jungen geboren würden, wenn zur Zeit der Empfängnis der Wind aus Norden blase. Diese Methode erscheint zumindest noch praktikabel. Eine andere hingegen erforderte direkt akrobatisches Geschick: „Zur Zeugung eines Sohnes“, hieß es da, „lege sich der Mann links neben die Frau und hebe während des Beischlafes ihre rechte Hinterbacke um 30 Grad zur Ebene des Bettes an“. Ein alte Hebammenweisheit besagte, dass „Dir bei der nächsten Schwangerschaft ein Sohn geboren wird, wenn Du die Plazenta Deines gerade geborenen Kindes unter einem Nußbaum vergräbst.“


WIssenschaft heute: Welchen Einfluss haben die Spermien?

Wir wissen heute: männliche Spermien sind etwas schneller, weibliche dafür zäher und langlebiger. Wer also ein bis zwei Tage vor dem Eisprung der Familienplanung frönt, könnte demnach also rein theoretisch die Chancen für eine Tochter erhöhen. Ein Sohn lässt da weniger Spielraum, hier bedarf es schon eines exakten Timings, meint Verkehr möglichst zum Zeitpunkt des Eisprungs oder kurz zuvor. 

Kann man also mit diesem Wissen gezielt einen Jungen oder ein Mädchen zeugen? Unser Kinderwunsch-Experte Frank Nawroth ist da skeptisch:

Blutdruck, Blutgruppe - weitere Forschungsergebnisse

Weitere Zusammenhänge, die zwar wissenschaftlich untermauert sind, aber dennoch Rätsel aufgeben:

  • Eine chinesisch-kanadische Studie, die Anfang 2017 veröffentlicht wurde, will einen Zusammenhang zwischen dem Blutdruck der Mutter und dem Geschlecht von Babys gefunden haben. Der systolische Blutdruck war bei Frauen, die einen Jungen bekamen, vor der Schwangerschaft höher als bei den Müttern weiblicher Babys. Wissenschaftler sehen darin allerdings einen rein statistischen Zusammenhang und nichts, womit man nun beeinflussen könne.
  • Frauen mit der Blutgruppe AB bringen häufiger Söhne zur Welt. Frauen, die unter einer bestimmten Form von Schizophrenie leiden, rauchen oder Alkohol trinken, bekommen hingegen häufiger Töchter. Männer, die dem Alkohol zusprechen, zeugen übrigens auch häufiger Töchter. Auch das Alter spielt eine Rolle. Je älter die Mutter, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine Tochter, aber nur bis zum Alter von 45, dann findet sich wieder ein dramatischer Anstieg von Jungengeburten.
  • Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 349.820 Jungen und 332.249 Mädchen geboren. 2015 wurde eine Studie veröffentlicht, die erklärt, wieso mehr männliche Babys geboren werden. Die Forscher fanden heraus, dass bei der Befruchtung die Geschlechterverteilung noch gleich ist, im Verlauf der Schwangerschaft die Sterblichkeit weiblicher Föten aber höher ist.

Auch die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs scheint bedeutsam zu sein. Je häufiger ein Paar seiner Lust frönt, desto eher könnte es ein Junge werden. Findet die Befruchtung aber nach längerer sexueller Abstinenz statt, steigen die Chancen für eine Tochter. Und überhaupt: die Zeugung von Mädchen scheint eine ganz und gar freudlose Angelegenheit zu sein, glaubt man einem amerikanischen Frauengesundheitsbuch aus der jüngeren Vergangenheit, in dem es heißt, dass die Frau zu diesem Zweck den Penis nur ganz leicht in die Vagina eindringen lassen dürfe und einen Orgasmus vermeiden solle. Der nämlich würde das Scheidenmilieu verändern - sehr zuungunsten der weiblichen Spermien, die sich im sauren Bereich wohler fühlen als im alkalischen.

Nützt das? Wunschkind-Diät und Spülungen

Auf dieser Annahme beruhen eine ganz Reihe von Hausmitteln. So empfiehlt das oben genannte Frauengesundheitsbuch „für ein Mädchen vor dem Geschlechtsverkehr eine leicht saure Scheidenspülung mit zwei Teelöffel weißem Essig in einem knappen Liter lauwarmem Wasser durchzuführen. Soll ein Junge gezeugt werden, ist vor dem Geschlechtsverkehr eine alkalische Spülung durchzuführen. Dafür nehme man zwei Teelöffel Backsoda in ein Viertelliter Wasser und führe diese Mischung in die Scheide ein.“

Zwar könne diese Methode den Erfolg nicht garantieren, so heißt es in dem Buch weiter, doch ließen sich die Chancen so leicht erhöhen.

Das gleiche behaupteten auch die Macher der „Wunschkind-Diät“, der Gynäkologe Wilfried Feichtinger und die Ernährungsberaterin Gertrud Reiger aus Österreich. Die beiden griffen eine Untersuchung des französischen Gynäkologen mit dem fast schon berufsweisenden Namen Francois Papa auf. Ausgehend von entsprechenden Beobachtungen im Tierreich entwickelte Papa eine Wunschkind-Diät, die verkürzt besagt:

  • Für einen Jungen nehme man Kalium und Natrium, für ein Mädchen Kalzium und Magnesium. Möchte die Frau also einen Sohn, sollte sie Fisch, Hülsenfrüchte, Grünkohl und Nutella meiden. Kartoffeln, Reis, Bananen, Knoblauch und vor allem Salz hingegen sollte sie stets im Hause haben.
  • Für eine Tochter gelten andere Regeln: Hier sind leckerer Sanddorn-Saft, tiefgekühlte Erbsen, Apfel-Hirse-Kuchen, Hagebuttenkonfitüre und Rote-Beet-Saft angesagt. Hummern, Austern, Kaviar und Geflügel sind vom Speisezettel zu streichen.

Töchter zu machen, macht mehr Arbeit

Da kommen harte Zeiten auf die potentiellen Mütter von Töchtern zu. Und selbstredend ist die Produktion eines Mädchens auch mit Mehrarbeit verbunden, gilt es doch vor allem auf Salz zu verzichten. Da aber schon im herkömmlichen Brot vom Bäcker zuviel Salz für eine mutmaßliche Tochter enthalten ist, heißt die Devise für die nächsten drei Monate: selbst backen!

Leider verrät das Buch nicht, ob die Teilnahme der potentiellen Väter an der Diät die Chancen für das Wunschgeschlecht potenzieren. Es darf aber unterstellt werden, dass alles andere mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zur Steigerung der Laune der Frau beitragen würde: Und dass das nicht ohne negative Konsequenzen auf die Motivation zur Diät bleiben dürfte, muss jedem Mann klar sein.

Jede Menge Tipps rund um die Zeugung des Wunschkindes finden Sie hier: Sex-Tipps bei Kinderwunsch

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