Tipps für die ersten Tage und Wochen

Und jetzt? Die erste Zeit mit Baby

Die sensible erste Zeit mit Baby ist stets auch eine Zeit vieler Unsicherheiten. Während im Krankenhaus noch rund um die Uhr Ansprechpartner vorhanden waren, sind die jungen Eltern zu Hause plötzlich auf sich allein gestellt. Hier beantwortet eine erfahrene Hebamme die häufigsten Elternfragen der ersten Zeit.

Autor: Petra Fleckenstein
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Endlich daheim, doch was machen wir jetzt?

Mutter Neugeborenes auf Schulter
Foto: © iStockphoto.com / markgoddard

Alle frisch gebackenen Eltern, deren Baby nicht in den eigenen vier Wänden zur Welt kam, erleben diesen ganz speziellen Augenblick: Aus der Klinik oder dem Geburtshaus zurück gekehrt, betreten sie ihr Zuhause, in dem alles unverändert scheint. Doch auf ihrem Arm regt sich das kleine Neugeborene und eine Frage drängt sich unerbittlich auf: "Was jetzt?"

Wie verbringen wir nun unsere Zeit? Soll ich jetzt gleich stillen? Ist unser Baby eigentlich warm genug angezogen? Wo soll ich es nur hinlegen? Wie häufig muss ich wickeln? Womit den Po pflegen?

Dies sind nur einige der vielen Fragen, denen sich junge Eltern während der Anfangszeit mit Baby gegenüber sehen. urbia hat die wichtigsten und häufigsten Elternfragen der ersten Zeit der erfahrenen Kölner Hebamme Andrea Wehling gestellt.

Nachsorge – Unterstützung durch die Hebamme

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen: In der Anfangszeit nach der Geburt ist keine Mutter mit ihren Fragen allein. Zehn Tage lang kommt täglich eine durch die Krankenkassen bezahlte Hebamme zur sogenannten Nachsorge. Wenn es Probleme gibt – zum Beispiel beim Stillen – zahlt die Krankenkasse zusätzlich bis zu acht Besuche der Hebamme innerhalb der ersten acht Wochen. Auch darüber hinaus können Mütter Unterstützung ihrer Hebamme erhalten, wenn ein ärztliches Attest vorliegt.

Zu den Aufgaben der Nachsorge-Hebamme gehört unter anderem die Nabelpflege am Neugeborenen. Außerdem überwacht sie den Wochenbettverlauf und unterstützt beim Stillen und bei allen auftretenden Fragen, zum Beispiel dieser: Wohin mit dem Baby?

Wiege, Trage, Elternbett – wohin mit dem Baby?

Wo ist nun der beste Platz fürs Baby? "Wenn es zufrieden und ruhig ist, legt man es hin, wenn es unruhig ist, trägt man es", sagt Andrea Wehling. Der beste Platz zum Hinlegen ist in der Nähe des elterlichen Geschehens (Neugeborene brauchen und mögen es nicht ganz still). Das kann auf einer Decke auf dem Boden sein, in der Babywiege, in der Mitte des elterlichen Bettes, im Kinderbett. Nicht geeignet, weil schlecht für Rücken- und Bauchmuskulatur, ist die sogenannte Baby-Wippe. Diese sollte nur im Ausnahmefall, zum Beispiel während einer Mahlzeit der Eltern, benutzt werden.

Ist das Baby unruhig und will auf den Arm, so kann ein Tragetuch, das im Gegensatz zu anderen Tragehilfen vom ersten Tag an benutzt werden kann, es den Eltern ermöglichen, das Baby bei sich zu haben und dennoch die Hand frei zu haben, um das Nötigste im Haushalt zu erledigen.

Und wenn Mama duschen möchte, bietet die Badematte eine gute Unterlage, um die entspannende Wasseranwendung ohne Hektik und unter stets möglichem Blickkontakt mit dem Neugeborenen genießen zu können.

Decke oder Schlafsack – womit zudecken?

Wird das Baby zum Schlafen hingelegt, so sollte es in der Rücken- oder Seitenlage liegen. In der Seitenlage wird es dann zum Beispiel mit einem gerollten Handtuch von hinten gestützt. Da Neugeborene sehr gerne Begrenzungen um sich herum haben, um sich geborgen zu fühlen (wie im Mutterleib), tut es dem Baby gut, wenn man um es herum ein Nestchen zum Beispiel aus einem oder zwei Moltontüchern legt. Ist es wach, ist es für die motorische Entwicklung auch sinnvoll, es von Zeit zu Zeit in die Bauchlage zu legen.

Zum Zudecken eignet sich während der warmen Jahreszeit ein dünner Schlafsack, aus Naturmaterialien, der die Körpertemperatur des Babys gut ausgleicht. Für den Winter gibt es extra gut gefütterte Schlafsäcke. Manche Modelle haben auch direkt einen dünnen Innenschlafsack mit Ärmeln und einen dickeren, gefütterten Schlafsack ohne Ärmel für kältere Tage.


Was anziehen? Woran man merkt, dass das Baby schwitzt

Besonders bewährt hat sich bei der Kleiderwahl das "Zwiebelschalenprinzip" – das heißt, man zieht mehrere nicht zu dicke Sachen übereinander, um jederzeit etwas an- oder ausziehen zu können.

Im Sommer empfiehlt Andrea Wehling einen Wolle-Seide-Body oder Baumwollbody, eine kurze Hose, ein dünnes Mützchen und Socken. Für draußen eine dünne Wolldecke (oder ein Moltontuch), einen Sonnenschirm und unbedingt Sonnenschutzmittel mit dem Faktor 30.

Für den Winter ein Wollunterhemd mit langen Armen, Wollpullover, Strampler, Wollschuhe und ein Wolle-Seide-Häubchen. Dabei sollte man darauf achten, dass zwischen Haut und Kleidung immer ein Luftpolster besteht, dass die Wäsche also nicht zu eng anliegt. Für Spaziergänge im Winter eignet sich die kleine Daunen-Decke zum Zudecken.

Die ideale Zimmertemperatur beträgt für Neugeborene in den ersten Wochen 18 bis 21 Grad. Nachts darf es auch kälter sein, bis zu 12 Grad. Wichtig ist, das Kind nie im beheizten Zimmer schlafen zu lassen und in dem Raum, in dem das Baby schläft, nie zu rauchen.

Da die Wärme-Kälte-Regulation sich beim Baby erst noch einspielen muss, ist es nicht so einfach festzustellen, ob ein Baby friert oder schwitzt. Grundsätzlich gilt: Schweiß an Kopf und Nacken oder/und Schlappheit und dauernde Schläfrigkeit zeigen Überhitzung an.

Ob ein Baby friert, kann man am Nacken erkennen. Dieser sollte stets warm sein (Hände und Nase zum Beispiel können jedoch auch kalt sein, ohne dass es dem Baby kalt ist).

Wickeln und Baden – welche Pflege und wie oft?

Wickeln

Da Neugeborene häufig das Wickeln anfangs nicht mögen, empfiehlt Andrea Wehling, damit es in sattem und beruhigtem Zustand auf den Wickeltisch kommt, zunächst eine Brust zu geben, dann zu wickeln und nach dem Wickeln die zweite Brust zu geben.

Ob Stoff- oder Wegwerfwindel, ist Geschmacksache. Für beide Windelarten gibt es zahlreiche Argumente, die Entscheidung treffen Eltern je nach ihren speziellen Vorlieben.

Gewickelt werden sollte etwa alle drei Stunden, also insgesamt etwa acht mal. Während der ersten Lebenswochen auch nachts, spätestens jedoch alle sechs Stunden (besonders für Jungs ist die Hitze, die der Stuhlgang erzeugt, wenn er über mehrere Stunden in der Windel bleibt, schädlich.). Zur Reinigung des Pos mit dem Waschlappen wird lauwarmes Wasser und eventuell etwas Baby-Seife benutzt. Falls der Po wund ist, wird diese Stelle nach dem Reinigen mit etwas Creme, zum Beispiel Palliativ- oder Penaten-Creme, abgedeckt. Feuchttücher sind wegen ihrer Parfüm-Stoffe eher nur für Ausflüge empfehlenswert. Falls sich die Haut des Babys schält, kann es mit einem pflanzlichen Öl (Beispiel Mandelöl) eingeölt werden (nicht jedoch im Gesicht).

Baden

Ein Vollbad fürs Baby empfiehlt Andrea Wehling ein bis zweimal pro Woche. Während der ersten Zeit reicht dafür das Waschbecken, später bietet sich eine Baby-Wanne oder ein gemeinsames Bad in der Elternwanne an. Das Wasser sollte frei von Badezusätzen und 37 bis 38 Grad warm sein. Ob das Wasser nicht zu warm ist, kann man am besten mit dem Ellbogen nachprüfen, nicht mit der Hand, die erst auf viel höhere Temperaturen empfindlich reagiert. Zum Reinigen für Haare und Po reicht etwas Babyseife.

Tipps vom Kinderarzt: Nabelpflege bei Neugeborenen

Ohren, Kopfhaut, Nägel

Bei der sonstigen Pflege ist ebenfalls eher Zurückhaltung angezeigt. Die Ohren des Babys sind "selbstreinigend", wie die Hebamme sagt, wichtig ist es, nie mit Wattestäbchen in den Gehörgang einzudringen. Eltern sollten darauf achten, den Bereich hinter den Ohren des Neugeborenen stets nach dem Baden gut abzutrocknen, da dort sonst leicht Entzündungen entstehen.

Zur Pflege der Kopfhaut reicht eine weiche Naturhaarbürste. Falls schon Haare da sind, wird gegen den Strich gebürstet. Bildet sich Milchschorf auf der Kopfhaut des Babys, spricht dies für einen Eiweißüberschuss und die Mutter sollte ihren Kuhmilchkonsum ein wenig reduzieren. Milchschorf muss nicht entfernt werden, nach spätestens zwei Jahren verschwindet er von selbst.

Die Nägel des Neugeborenen sollten während der ersten vier Wochen völlig in Ruhe gelassen (störend überstehende Nägel, die beginnen sich abzulösen, werden vorsichtig abgerissen) und danach mit einer Nagelschere geschnitten werden.

Ernährung – Stillen, wann, wo, wie häufig?

Stillen bedeutet "still bekommen, beruhigen", und so hat das Anlegen an die Brust eine in mehr als nur einer Hinsicht "nährende" Funktion für das Baby. Die Brust zu erhalten, wann immer es sie wünscht, ermöglicht es dem Baby, Vertrauen in die Welt zu entwickeln. Seine absolut existenziellen Grundbedürfnisse nach Nahrung, Wärme, Körpernähe und Geborgenheit werden durch die Mutterbrust "gestillt". Daher ist es am Anfang wichtig, kein Stillen nach einem bestimmten Zeitrhythmus anzustreben, sondern sich auf die Bedürfnisse des Kindes einzulassen. Jedes Baby ist anders, und so wird auch jedes einen eigenen Stillrhythmus entwickeln.

Gestillt wird etwa acht bis zwölf mal innerhalb von 24 Stunden. Wichtig für das Einspielen der Stillbeziehung ist es, sich und dem Baby bei diesem innigen Vorgang ein wenig Ruhe zu gönnen – also nicht dabei zu telefonieren, fern zu sehen oder intensive Gespräche zu führen, die viel Aufmerksamkeit erfordern.
Das Baby nach dem Stillen zu einem "Bäuerchen" zu bringen ist für Stillkinder nicht nötig, da sie weniger Luft einziehen als Flaschenkinder. Häufig kommt mit dem Rülpser eine ansehnliche Menge Milch wieder hoch – und dies nicht selten durch Mund und Nase. Dies liegt daran, dass sich beim Aufstoßen der Mageneingang noch nicht zuverlässig reflexhaft verschließt und ist völlig normal. Gerade von sogenannten Speikindern sagt man, dass sie besonders gut gedeihen. Es ist jedoch nicht selten, dass Babys nach dem Spucken nochmals nachtrinken wollen und dies natürlich auch dürfen.

Auch Schluckauf kommt in den ersten Wochen und Monaten sehr häufig vor und ist ebenfalls völlig normal, da durch die Unreife des Zwerchfells verursacht. Viele werdende Mütter haben schon während der Schwangerschaft häufig erlebt und sehr deutlich gespürt, dass der Fötus Schluckauf hat. So ist übrigens auch häufiges Niesen in der ersten Zeit nach der Geburt ein ganz normaler Reflex und kein Erkältungszeichen.

Trinkt mein Baby genug?

Ein voll gestilltes Baby sollte etwa sechs bis acht nasse Windeln innerhalb von 24 Stunden haben und, ab der zweiten Woche, etwa zwei bis neun mal Stuhlgang. Dieser ist von wässriger, leicht körniger Konsistenz und gelb bis grünlich gefärbt. Er kommt oft mit großem Druck, das ist normal und kein Durchfall!

Das Baby sollte zwei Wochen nach der Geburt sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben, dann etwa 120 bis 180 Gramm pro Woche zunehmen und mindestens 500 Gramm pro Monat. Gewogen wird es unmittelbar nach der Geburt und dann wieder von der Nachsorgehebamme. Um sein Gedeihen zu kontrollieren, kann man es danach etwa einmal wöchentlich wiegen. Babywagen können in Apotheken ausgeliehen werden.

Mythos Dreimonatskoliken

Die schöne Vorstellung, dass Babys nach dem Stillen selig einschlummern und sich ins Bettchen legen lassen, entspricht leider häufig nicht der Realität. "Ein Baby zeichnet sich durch Unruhe aus", weiß Andrea Wehling aus ihrer langjährigen Berufserfahrung heraus. Unruhe und Schreien kurze Zeit nach der Nahrungsaufnahme wurde häufig schlicht mit Bauchweh erklärt und als "Dreimonatskolik" bezeichnet. Heute rückt man jedoch mehr und mehr von dieser eingleisigen Erklärung ab und führt die Dreimonatskoliken trotz des noch nicht reifen Magen-Darm-Traktes auf eine Vielzahl von Stressfaktoren zurück – wie zum Beispiel auch auf Überreizung des Babys. Wichtig ist es zudem sich klarzumachen, dass eine unruhige, nervöse und hektische Atmosphäre natürlich auch Unruhe beim Baby verursacht.

Schreien, schlafen – das Leben mit einem Neugeborenen

Babys sind Individuen und können nicht über einen Kamm geschoren werden. So fällt es schwer, eine einigermaßen präzise Angabe zum Beispiel darüber zu machen, wie lange ein Neugeborenes im Allgemeinen schläft. Die Spanne reicht von "zwölf bis 20 Stunden" täglich, so Andrea Wehling, wobei häufige kurze Schläfchen eher die Regel sind. Außerdem sind Neugeborene nicht selten nachts aktiver als am Tag.

Wie viel und wie heftig ein Baby schreit, hängt stark vom jeweiligen Temperament des Kindes ab. Wichtig ist jedoch sich bewusst zu machen, dass das Schreien die einzige Möglichkeit des Babys ist, seine Bedürfnisse kund zu tun, und dass es nie grundlos schreit. Andrea Wehling empfiehlt, auf Schreien, wann immer möglich, unbedingt direkt zu reagieren, da das Baby noch keinerlei Zeitgefühl hat und Minuten wie Ewigkeiten empfindet. Ihre Devise: "Ein Baby kann man gar nicht verwöhnen!" Auch die Vorstellung, gestillte Babys müssten sich bereitwillig ablegen lassen, hält die Kölner Hebamme für falsch: "Es gibt Babys, die man nicht ablegen kann."

Selbst wenn man sein Baby nach Bedarf stillt und es häufig trägt, wird es Situationen geben, da es scheinbar grundlos schreit und den Eltern kein Mittel mehr einfällt, es zu beruhigen. In diesen stressigen Momenten sollten sie ihr Baby im Schreien nicht alleine lassen und zum Beispiel mit ihm spazieren gehen. "Frische Luft klärt", sagt Andrea Wehling, und meist beruhigt sich das Baby mit samt seinen aufgewühlten Eltern draußen und durch die Bewegung binnen kürzester Zeit.

An der frischen Luft spazieren gehen, am besten in der ruhigen Umgebung zum Beispiel eines Parks, sollte ohnehin zu den täglichen Programmpunkten gehören. Ansonsten empfiehlt die Hebamme frisch gebackenen Eltern dringend, während der ersten Zeit mit Baby kürzer zu treten, Termine zu reduzieren, viel zu Hause zu sein und seine Bedürfnisse denen des Kindes anzupassen. Allzu viele Programmpunkte überfordern Mutter und Kind und stören den wichtigen Prozess des Sich-aneinander-Gewöhnens.

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